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NPD-Vorsitzender Apfel : Braune Kreide fressen

Im August wurde in dieser Straße in Dortmund der Treffpunkt einer rechtsextremen Kameradschaft durchsucht

Seit Jahren sagt Apfel, was ihn an Lösungsworten wie „Adolf“ stört. Wohl nicht deren ideologischer Kern, denn „wer mich kennt, weiß, dass ich mich zur unteilbaren deutschen Geschichte bekenne“, sagt Apfel in einer Videobotschaft an Parteifreunde. Aber sie schadeten politisch. Er wolle die Partei aus dem „rechten Getto“ holen - das gehe aber nicht mit „überzogenen Sprachregelungen“, sagt er. Statt Opferzahlen der Shoa anzuzweifeln, hetzt er gegen „Kinderschänder“, „Asylschmarotzer“ und „arrogante Wohlstandsneger“. Mit 18 Jahren trat Apfel als Hildesheimer Abiturient in die NPD ein. Er wurde Kreisvorsitzender, Mitglied des Landesvorstands, Bundesvorsitzender der „Jungen Nationaldemokraten“. Schon dort versuchte Apfel, das Erscheinungsbild der Partei zu verändern. Statt in Springerstiefeln und mit Glatzköpfen sollten die Rechtsextremen mit Hemd und Höflichkeit auftreten. Bevor Apfel Parteivorsitzender wurde, war er Geschäftsführer des Parteiverlages „Deutsche Stimme“ und machte den defizitären Versandhandel von Neonazi-Devotionalien zu einer Einnahmequelle.

„Verschwindend geringer“ Anteil von Nationalsozialisten

In der Öffentlichkeit würde Apfel gerne als „seriöser Radikaler“ (Apfel) gesehen werden, jemand, der radikale Reformen zum Beispiel des Einwanderungsrechts fordert - im Rahmen der Verfassung. Solange er die NPD führe, werde man auf Demonstrationen zum Beispiel „niemals diese respekt- und niveaulosen Mohammed-Karrikaturen zeigen“ - „aus Respekt vor dem Islam“. Aber ein Fackelmarsch vor einem Asylbewerberheim in Wolgast in Mecklenburg-Vorpommern, das geht - auch wenn er am Jahrestag der Novemberpogrome gegen jüdische Mitbürger 1938 stattfinden soll. Die Veranstaltung wurde später von der Kreisverwaltung verboten und fand nicht statt.

Mit Abscheu spricht Apfel über die Morde des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU): Gewaltlosigkeit sei als Maxime in seiner Partei „unverhandelbar“. Doch tausend Wahlkampfplakate der NPD wurden im August in den Räumen gewaltbereiter Kameradschaften in Dortmund gefunden. Und was bedeutet es, dass Ralf Wohlleben, der ehemalige stellvertretende NPD-Landesvorsitzende von Thüringen, wegen Beihilfe zum Mord in neun Fällen angeklagt ist, weil er dem NSU die Tatwaffe besorgt haben soll? Für Apfel ist das kein Widerspruch zur „Gewaltlosigkeit“ der Partei. Er sei persönlich mit Wohlleben „nie warm geworden“.

Auch mit „Landser-Romantik“ könne er nichts anfangen, sagt Apfel. Nie würde er seine Tochter oder seine zwei Söhne in die (seit 1994 verbotene) Wiking-Jugend geben - eine Nachahmer-Organisation von Hitler-Jugend und Bund Deutscher Mädel. Überhaupt habe er als Nationaldemokrat mit Nazis nichts zu schaffen. Aber ist er nicht Bundesvorsitzender einer Partei, in der viele Mitglieder Nationalsozialisten sind? „Den Anteil von Nationalsozialisten würde ich als verschwindend gering einstufen“, sagt Apfel. Als störend empfindet er das nicht. „Wobei ich sagen muss, dass das in der Meinungsvielfalt einer Partei erlaubt sein muss.“

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