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Nordrhein-Westfalen : Von oben wird die Reform von unten geplant

  • -Aktualisiert am

Längeres gemeinsames Lernen bald auch in NRW? Bild: ddp

In Nordrhein-Westfalen wähnt sich die gerade gebildete rot-grüne Minderheitsregierung, die wie in Hamburg längeres gemeinsames Lernen durchsetzen will, durch den Ausgang des Volksentscheids eher bestätigt denn zurückgeworfen. Ähnlich sieht man das auch in Thüringen und im Saarland.

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          Natürlich hätte sich die neue nordrhein-westfälische Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) ein anderes Ergebnis des Hamburger Volksentscheids gewünscht. Und selbstverständlich hätte sie eine Zustimmung zur vom schwarz-grünen Senat geplanten Reform als Rückenwind für ihr eigenes Vorhaben gewertet.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Trotzdem gab sie sich am Montag überzeugt: „Der Blick auf Hamburg bestätigt unseren nordrhein-westfälischen Weg.“ Tatsächlich haben die nordrhein-westfälischen Grünen (anders als ihr Koalitionspartner SPD) eine „von oben“ dekretierte Veränderung der Schulstruktur stets abgelehnt und auf eine „Ermöglichungsstrategie“ gesetzt. Gemeinschaftsschulen sollen im „regionalen Konsens“ entstehen, um einen Schulkampf wie in Hamburg oder wie einst in den siebziger Jahren auch in Nordrhein-Westfalen um die „Koop-Schule“ (die 1978 an einem Volksbegehren scheiterte) zu vermeiden.

          Die rot-grüne Minderheitsregierung legt die Entscheidung, welche weiterführenden Schulen in Gemeinschaftsschulen umgewandelt werden, einerseits in die Hand der Kommunen. Anderseits findet sich im Koalitionsvertrag eine unmissverständliche Zielvorgabe: Bis 2015 sollen mindestens 30 Prozent der Gymnasien, Real- und Hauptschulen zu Gemeinschaftsschulen fusionieren. Dort müssen alle Kinder bis zur sechsten Klasse zusammenbleiben. Ebenfalls auf kommunaler Ebene soll entschieden werden, ob die Kinder dann auf Haupt-, Realschul- und Gymnasialklassen aufgeteilt werden sollen oder ob weiter bis Klasse zehn „gemeinsam gelernt“ werden soll.

          Löhrmann: „Der Blick auf Hamburg bestätigt unseren nordrhein-westfälischen Weg.”
          Löhrmann: „Der Blick auf Hamburg bestätigt unseren nordrhein-westfälischen Weg.” : Bild: dpa

          Die Gemeinschaftsschulgründung als Möglichkeit der Gemeinden

          Im Gespräch mit der F.A.Z. sagte Schulministerin Löhrmann, Nordrhein-Westfalen könne man nicht mit dem Stadtstaat Hamburg vergleichen. Vergleiche seien vielmehr mit dem Flächenland Schleswig-Holstein sinnvoll. „Dort ist man mit der Strategie, den Gemeinden die Möglichkeit von Gemeinschaftsschulgründungen einzuräumen, gut gefahren. Deswegen setzen auch wir ausdrücklich auf den regionalen Konsens bei der innovativen Schulentwicklung.“

          Die CDU wirft Frau Löhrmann vor, „ihren Weg zur Einheitsschule als ,sanfte Tour‘“ zu tarnen. „Wer beim achtjährigen Gymnasium zwei Jahre ,gemeinsames Lernen‘ des leistungsstärksten Gymnasiasten mit dem schwächsten Hauptschüler will, der schadet beiden und zerstört die dauerhafte Leistungsfähigkeit des Gymnasiums.“

          Setze Rot-Grün seine Pläne wie angekündigt um, „dann war das Hamburger Votum nur ein laues Lüftchen gegen das, was in NRW losbrechen wird“, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung des Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion, Karl-Josef Laumann, und von Generalsekretär Andreas Krautscheid. Der Vorsitzende der FDP-Fraktion, Gerhard Papke, äußerte, wer Hand an die Gymnasien lege, provoziere „einen Volksaufstand“. Die Hamburger Entscheidung sei eine „unüberhörbare Warnung an die neue Linksregierung in NRW“.

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