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Jasper von Altenbockum (kum.)

Nordrhein-Westfalen : Laschet & Laumann

Die CDU in Nordrhein-Westfalen hat keine Jungstars, sie hat Laschet & Laumann. Die neue Doppelspitze ist kein Traumpaar - der Landespartei fiel bloß niemand anderes ein. Ein Talentschuppen ist sie offenbar nicht.

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          Die CDU in Nordrhein-Westfalen ist fast schon so verzweifelt wie die FDP im Bund, die einen ausgemusterten Jungstar reaktivierte und sich vom weißhaarigen Großonkel wachküssen ließ. Doch Friedrich Merz ist auch nicht mehr der Jüngste, wie überhaupt die CDU in Nordrhein-Westfalen sich dadurch auszeichnet, dass die Jungstars auch gleich die Großonkels sind. Die CDU hat hier Laschet und Laumann, wie sie schon seit Jahren eigentlich nur Laschet & Laumann war. Röttgen folgte Rüttgers, doch die Wacht am Rhein waren die beiden anderen. Ergänzen sie sich nicht geradezu nordrhein-westfälisch? Laumann, der westfälisch-katholische Sozialpolitker, Laschet, der rheinische Modernisierer? Laumann, der in der CDU den Mindestlohn durchboxte, Laschet, der die CDU zur Einwandererpartei machte? Laumann, der rote Schwarze, Laschet, der grüne Schwarze?

          Doch die Doppelspitze, für die sich der Landesvorstand entschied, ist kein Traumpaar. Vielmehr konnte der Partei nach dem Wahldesaster vom 13. Mai einfach nichts Besseres einfallen. Alles andere hätte die Partei, die eine Fraktion der Namenlosen in den Landtag schickt und im Bund erst einmal abgemeldet ist, noch mehr gelähmt. Ein radikaler Schnitt - mit wem? Mit Hermann Gröhe? Oder die Entscheidung: Laschet gegen Laumann - aber mit welchen Beschädigungen? Oder doch ein Mitgliederentscheid - mit welchen Selbstzerfleischungen? Mit Laschet und Laumann kehrt erst einmal Ruhe in die Partei ein.

          Auch ein Landesverband sollte ein Magnet sein

          Die sollte sich allerdings nicht in die Ruhe verwandeln, die über Jahrzehnte hinweg das Schicksal von Politikern wie Bernhard Worms oder Kurt Biedenkopf bestimmte und selbst Jürgen Rüttgers nicht in die Lage versetzte, aus der Regierung heraus eine schlagkräftige Landespartei mit langem Atem zu schmieden. Die Klagen darüber, wie ausgelaugt die CDU unter Angela Merkel sei, gehen geflissentlich darüber hinweg, dass es nicht nur die Parteivorsitzende ist, die ein Magnet sein sollte, sondern auch jeweils der Landesverband. In Nordrhein-Westfalen ist die größte Volkspartei Deutschlands offenbar kein Talentschuppen. Der steht im Garten anderer Parteien, und nur, dass dazu auch die SPD nicht gehört, ist für die CDU noch ein Trost. Doch die eine regiert. Die andere fängt mit Laschet & Laumann nun ganz von vorne an. Ein Neubeginn ist es noch lange nicht.

          Jasper von Altenbockum
          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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