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Nordrhein-Westfalen : Immer mehr Kirchenaustritte

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Trübe Tage nach Tebartz: die Sankt-Peter Kirche in Düsseldorf Bild: dpa

Im Oktober haben in Nordrhein-Westfalen doppelt so viele Katholiken die Kirche verlassen wie im Durchschnitt üblich. Auch die Evangelische Kirche verzeichnet deutlich mehr Austritte. Das wichtigste Motiv: finanzielle Erwägungen.

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          Die Zahl der Kirchenaustritte in Nordrhein-Westfalen ist nach der Affäre um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst offenbar stark gestiegen. Wie der WDR nach einer stichprobenartigen Erhebung bei Amtsgerichten am Donnerstag berichtete, sind im Oktober doppelt so viele Katholiken aus der Kirche ausgetreten wie im Durchschnitt üblich.

          Besonders deutlich ist die Zunahme demnach in Gelsenkirchen und Paderborn, wo sich die Zahl der Austritte sogar verdreifacht habe. Auffällig sei außerdem, dass die evangelische Kirche im gleichen Maß wie die katholische Kirche von der Austrittswelle betroffen sei. Nach Einschätzung der evangelischen Kirche im Rheinland sehen viele Leute die Kirche als Ganzes.

          „Mitgliederschwund ist nahezu unaufhaltsam“

          Der Religionssoziologe Detlef Pollack von der Universität Münster rechnet unabhängig von den Reformbemühungen der christlichen Kirchen auch in Zukunft mit sinkenden Mitgliederzahlen. „Der Mitgliederschwund ist nahezu unaufhaltsam. Auch Reformsignale von Papst Franziskus und Neuerungen in den evangelischen Landeskirchen halten den Trend nicht auf“, sagte Pollack.

          Ein entscheidendes Motiv für die Kirchenaustritte seien finanzielle Erwägungen. „Man fühlt sich oft seit Jahren nicht mehr eng mit der Kirche verbunden und entscheidet sich dann in einer Situation des finanziellen Engpasses für den Austritt, um die Kirchensteuer einzusparen.“

          Unterdessen ist der Limburger Bischof Tebartz-van Elst nach seiner Beurlaubung durch Papst Franziskus in ein bayerisches Kloster gezogen. Er verbringe seit Mittwoch „geistliche Tage“ in der Benediktinerabtei Metten in Niederbayern und nehme am Gemeinschaftsleben des Klosters teil, teilte das Limburger Bistum am Donnerstag mit. Seit seiner Lehrtätigkeit an der Universität Passau habe Tebartz-van Elst immer wieder Zeit in diesem Kloster verbracht. „Die Benediktiner freuen sich, dass der Bischof von Limburg in Metten eine geistliche Zeit der Erholung verbringt“, heißt es laut Bistum in einer Mitteilung der Abtei.

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