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Jesuitischer Rektor : Die Affäre Wucherpfennig

Rom will Wucherpfennig wegen liberaler Äußerungen über Homosexualität und Frauen in der Kirche aus dem Amt drängen. Bild: dpa

In offenen Gesellschaften hat sich die Einstellung zur Homosexualität grundlegend verändert – nur nicht im Vatikan.

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          Normalerweise interessiert es nur wenige, wer gerade Rektor in Sankt Georgen ist, einer privaten Bildungseinrichtung mit Priesterseminar, getragen vom Jesuitenorden. Papst Franziskus ist selbst Jesuit. Er hat 1985 einige Monate in der beschaulichen Einrichtung am südöstlichen Frankfurter Stadtrand hinter den Kräuterfeldern in Oberrad verbracht, um dort für eine Doktorarbeit zu sondieren. Rektor der Hochschule war bis vor kurzem Pater Ansgar Wucherpfennig, ein eher zurückgenommener Mann. Jetzt ist er mit einem Schlag bundesweit bekannt. In der Hochschule ist er zum dritten Mal zum Rektor gewählt worden. Doch der Vatikan verweigert Wucherpfennig das „Nihil obstat“.

          Das ist Latein und bedeutet, dass der Einsetzung des Gewählten nichts im Wege steht. Anlass für die Verweigerung war, dass Wucherpfennig sich für das Priestertum von Frauen ausgesprochen und dass er homosexuelle Paare gesegnet habe. Das wirkt bizarr angesichts der Horrorzahlen von sexuellem Kindesmissbrauch durch katholische Kleriker. Denn die Unterdrückung von Frauen und das doppelbödige Verhältnis der Kirche zur Homosexualität schaffen entscheidende Voraussetzungen für solche Verbrechen. Die Diskussion darüber ist gerade jetzt in vollem Gange. Obendrein sind beide Anschuldigungen gegen Wucherpfennig schlicht falsch.

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