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Niedersachsen : Kultusminister Althusmann darf Doktortitel behalten

Hat gut lachen: Kultusminister Althusmann darf seinen Doktortitel behalten Bild: dpa

Niedersachsens Kultusminister Althusmann übersteht die Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit unbeschadet. Die Universität Potsdam kommt zu dem Schluss, dass der CDU-Politiker zwar schlampig zitiert, aber nicht getäuscht hat.

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          Der niedersächsische Kultusminister und amtierende Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK) darf seinen Doktortitel behalten. Die Plagiatsvorwürfe sind nach dem Urteil der Potsdamer Universität nicht belegt. Die Dissertation weise zwar eine Vielzahl formaler Mängel auf, die nicht der guten wissenschaftlichen Praxis entsprächen, doch hält die Universität die Verstöße für nicht ausreichend, um den Tatbestand wissenschaftlichen Fehlverhaltens zu erfüllen.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Die Entscheidung der Potsdamer „Kommission zur Überprüfung von Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens“, die von dem Rechtswissenschaftler Tobias Lettl geleitet wurde, ist deshalb aufschlussreich, weil sie eine Grauzone wissenschaftlichen Arbeitens zu untersuchen hatte und mit einer erheblichen Kritik an den Gutachtern verbunden ist. Die Mängel der Arbeit – die wörtliche Wiedergabe fremder Textfragmente ohne Kenntlichmachung im eigenen Text durch Anführungszeichen, sondern nur durch einen „Vgl.“-Verweis in den Fußnoten – seien von erheblichem Gewicht. Allerdings hätten die Gutachter die Dissertation genauer prüfen müssen, zumal diese Verstöße zumindest teilweise ohne weiteres erkennbar gewesen seien, urteilt die Potsdamer Kommission.

          Thomas Grünewald, Geschäftsführender Präsident der Universität Potsdam (rechts), und Tobias Lettl, Vorsitzender der Kommission, prüften den Fall Althusmann mehrere Monate
          Thomas Grünewald, Geschäftsführender Präsident der Universität Potsdam (rechts), und Tobias Lettl, Vorsitzender der Kommission, prüften den Fall Althusmann mehrere Monate : Bild: dpa

          Althusmann sieht sich nun bestätigt. Seine Arbeit sei kein Plagiat, es sei von Anfang an nur um Zitierfragen und Zitierfehler gegangen. Er habe von Anfang an großen Wert auf Transparenz und Offenheit gelegt und die Arbeit für jedermann zugänglich gemacht.

          Orientiert hat sich die Kommission bei ihrer Beurteilung an der Satzung „Selbstkontrolle in der Wissenschaft – Regeln zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis an der Universität Potsdam“. Danach ist der Tatbestand eines Plagiats dann erfüllt, wenn eine Falschangabe, eine Verletzung geistigen Eigentums oder eine Beeinträchtigung der Forschungstätigkeit anderer vorliegt. Als Beispiel für eine Verletzung geistigen Eigentums nennt die Satzung die unbefugte Verwertung urheberrechtlich geschützter Werke oder eine Anmaßung der Autorschaft, die der untersuchten Dissertation nicht vorzuwerfen sei.

          „Weder Vorsatz noch grobe Fahrlässigkeit“

          Weder die Gutachter noch fachfremde Wissenschaftler sähen sich durch die mit „Vgl.“-Verweisen gekennzeichneten, wörtlich übernommenen Satzfragmente über die tatsächliche Urheberschaft der wiedergegebenen Ergebnisse getäuscht, heißt es in einer Zusammenfassung des Gutachtens. Selbst wenn der objektive Tatbestand wissenschaftlichen Fehlverhaltens angenommen werde, sei der subjektive Tatbestand wissenschaftlichen Fehlverhaltens im Sinne der Satzung nicht gegeben. „Insbesondere spricht die Gutgläubigkeit von Herrn Althusmann im Hinblick auf die von ihm angewandte Methodik gegen das Vorliegen von Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit. Die Gutachter haben die Arbeit nicht ausreichend auf Verstöße gegen die gute wissenschaftliche Praxis geprüft“, heißt es wörtlich.

          Die Potsdamer Entscheidung widerspricht damit der gängigen Rechtsprechung von Verwaltungsgerichten. So hat der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg im Oktober 2008 festgestellt: „Ein Plagiat wird nicht zulässig, nur weil eine Fußnote oder das Literaturverzeichnis auf die Quelle verweist. Zweck einer Dissertation ist es, Neues herauszufinden und eine eigene Position zu vertreten. Die Verwendung fremder Literatur hat immer im Zusammenhang mit diesem Zweck zu geschehen.“

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