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Niedersachsen : Das Ende der Windstille

  • -Aktualisiert am

Der nächste niedersächsische Benjamin: David McAllister Bild: dpa

Der 39 Jahre alte Jurist David James McAllister dürfte bald der jüngste Ministerpräsident Deutschlands werden. Er würde damit die Landestradition fortsetzen - schon Christian Wulff war der Jüngste, als er 2003 zu regieren begann.

          Für den CDU-Fraktionsvorsitzenden David McAllister war es eine glückliche Fügung: Am Donnerstagnachmittag saß er im Flugzeug auf dem Rückflug von Istanbul und konnte so zunächst Äußerungen zum geplanten Wechsel des niedersächsischen Ministerpräsidenten Wulff in das Amt des Bundespräsidenten meiden. Am späten Abend bestätigte er, mit mehr Konjunktivklauseln als bei ihm üblich, er wolle Wulffs Nachfolger werden in der Staatskanzlei. Und nach dem CDU-Landesvorstand hat auch die Landtagsfraktion ihm ihr Vertrauen ausgesprochen.

          Das scheint gewiss: In kaum einem anderen Bundesland war die Nachfolge des Regierungschefs so klar vorgegeben wie in Niedersachsen - Wulff und er hätten das schon „vor Jahren“ abgesprochen, sagt McAllister nun. Der Zeitpunkt des Wechsels war weniger vorhersehbar: Wulff beteuerte immer wieder, er fühle sich in Niedersachsen und im Amt wohl und wolle dort noch lange bleiben - auch wenn ihm in den letzten beiden Jahren zeitweise eine Lustlosigkeit an der Tagespolitik nachgesagt wurde und ein Streben in die Wirtschaft. Spätestens vor zwei Jahren hatten die letzten denkbaren Rivalen McAllisters in Partei und Kabinett ihre Chancen verloren - durch eigene Fehler und durch die Strahlkraft des Deutsch-Schotten.

          Mit der Kanzlerin kann er gut

          In den letzten Wochen gab es dann doch Fragezeichen. McAllister hatte aus Sicht der Landtagsfraktion deren Interessen nicht nachhaltig genug vertreten, als Wulff bei einer umfassenden Kabinettsumbildung vor sechs Wochen keinen Abgeordneten berief, sondern glanzvollere „Außenstehende“. Damit zeigte Wulff indes, was viele in seiner Partei bei ihm zunehmend vermissten: Entschlusskraft und eine neue Richtung. Unter der Eiszeit, die auch die Atmosphäre im Kabinett prägte, litt der Fraktionsvorsitzende, der bei aller Loyalität zu Wulff versteckt Ungeduld zeigte. Er hatte zweimal Lockungen aus Berlin widerstanden, das Amt des CDU-Generalsekretärs zu übernehmen.

          Ein drittes Angebot der Bundeskanzlerin, mit der McAllister „gut kann“, hätte er wohl nicht abgelehnt, falls Wulff ihm nicht zuvor zeitliche Perspektiven gezeigt hätte. In knapp vier Wochen, Anfang Juli, dürfte der 39 Jahre alte Jurist David James McAllister der jüngste Ministerpräsident Deutschlands werden. Bis zum 29. Juni, dem Tag vor der Wahl durch die Bundesversammlung, wird Wulff die Amtsgeschäfte in Hannover fortführen, auch wenn er formal seinen Rücktritt rasch ankündigen müsste, um die Einberufung einer Sondersitzung des Landtags für Anfang Juli zu ermöglichen. Die bürgerliche Koalition hat eine klare Mehrheit, und die FDP steht hinter McAllister. Dass die Beziehungen zwischen CDU und FDP so eng sind wie in kaum einer anderen CDU/FDP-Koalition, hing mit der fast täglichen Absprache zwischen McAllister und dem früheren FDP-Fraktionsvorsitzenden Rösler zusammen. Die Beziehung der beiden ist geprägt von Respekt und Freundschaft.

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