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Anti-Terror-Demo in Köln : „Das hier ist ein Anfang“

Bild: dpa

Nur wenige Muslime setzen bei der Friedensdemo in Köln ein Zeichen gegen Terrorismus. Diejenigen aber, die kommen, lassen sich nicht entmutigen.

          „Nicht mit uns“ – das Motto der Demonstration, zu der die Publizistin und Islamlehrerin Lamya Kaddor und der Friedensaktivist Tarek Mohamad aufgerufen haben, um ein Zeichen gegen Terror im Namen des Islams zu setzen, wirkt am Samstag ungewollt komisch. Von prognostizierten 10.000 Teilnehmern stehen am frühen Nachmittag rund 300 bis 500 vor der Bühne auf dem Kölner Heumarkt. Später werden sich ungefähr noch einmal so viele beim Marsch durch die Stadt anschließen.

          Das Aufgebot der Journalisten und Kamerateams scheint kaum geringer. Das mediale Echo war nach der Absage des größten deutschen Islamverbands Ditib immens gewesen – und es hallt hier nach. Offenbar hatten einige erwartet, dass es in Köln – im übertragenen Sinne – knallt. Was es nicht tut.

          Dafür steht die Enttäuschung über die geringe Teilnehmerzahl den Veranstaltern ins Gesicht geschrieben. Mit etwas Verspätung betritt Lamya Kaddor die Bühne in der Kölner Innenstadt. Kaddor ist Mitgründerin des „Liberal-Islamischen Bundes“, eines Vereins, der Muslime vertreten möchte, die sich mit den gängigen Lehren der großen konservativen Islamverbände, Ditib, Islamrat, VIKS und Zentralrat der Muslime, nicht so recht anfreunden können. Sie ist – gemeinsam mit Tarek Mohamad, der im vergangenen Jahr mit einem Friedensappell via Facebook bekannt geworden war – Organisatorin der Demonstration. „Ich weiß nicht, warum nicht mehr gekommen sind“, ruft sie ins Mikrofon, hält sich dann nicht mehr lange mit Bewältigung auf, sondern geht in die Offensive: „Das hier ist ein Anfang! Egal ob konservativ oder liberal – wir müssen diejenigen, die Terror verbreiten, an den Rand drängen.“ Jubel und Zustimmung.

          Einige Muslime sind dann doch dem Ruf gefolgt und nach Köln gereist, so die türkischstämmige Melisa Ören aus Herne im Ruhrgebiet. „Ich will hier zeigen, dass diejenigen, die meinen, sich bei ihrem Terror auf den Islam berufen zu können, vom Glauben her falsch liegen“, sagt die junge Frau, die Kopftuch trägt und aktiv in der Islamischen Gemeinde Herne engagiert ist. Sadye Davulcu pflichtet ihr bei, nickt mit dem Kopf: „Wir wollen Frieden.“ Sie hält ein gemaltes Bild hoch, auf dem sich zwei Frauen umarmen, die eine trägt ein Kopftuch: „Wir Moslems wollen mit euch Christen Frieden haben“, steht darüber geschrieben. Eine andere Frau trägt ein Schild mit der Aufschrift: „Wir sagen NEIN zu Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus, Salafismus/Scharia Polizei und Islamophobie“.

          Sadye Davulcu und Melisa Ören (beide rechts) von der Islamischen Gemeinde Herne auf der Friedensdemo in Köln

          Ören und Davulcu ziehen mit ihren Schildern und ihrer islamischen Kleidung – neben dem Kopftuch tragen sie lange Mäntel – die Kamerateams an. Das Großaufgebot der Polizei steht derweil de facto arbeitslos am Rand. Auf der Zufahrt zur Deutzer Brücke parken Polizei-Einsatzwagen, an den Ausgängen der Altstadtgassen, die zum Heumarkt führen, warten ebenfalls einsatzbereite Polizisten in voller Montur. Nach den Zusammenstößen von Salafisten und rechten Hooligans 2014 und der Silvesternacht 2015/2016 will die Polizei nun alles richtig machen, zumal das Image der Ordnungshüter noch nicht ganz wiederhergestellt ist. Sicherlich ein Grund, weshalb sogar der Kölner Polizeichef höchstpersönlich Präsenz zeigt: Polizeipräsident Jürgen Mathies läuft am Rand auf und ab, die Botschaft: Jetzt geht nichts mehr schief.

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