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Neues Rüstungsprojekt der Bundeswehr : Eine neue Generation der Raketenabwehr

Seit mehr als 25 Jahren denken die Planungsoffiziere über ein neues „taktisches Luftverteidigungssystem“ für die Bundeswehr nach. Vor knapp zehn Jahren fiel schließlich die Entscheidung, gemeinsam mit den Vereinigten Staaten und Italien (die Franzosen sagten nach anfänglichem Interesse ab) ein neues TLVS zu entwickeln. Deutschland investierte seither rund eine Milliarde Euro in den Entwurf und den Bau von Prototypen für die neue Raketenabwehr, die den Projektnamen Meads erhielt. Vor drei Jahren, kurz vor der Fertigstellung des Entwicklungsvorhabens, entschied sich die amerikanische Regierung dann gegen die Beschaffung der neuen Raketengeneration. Da die Amerikaner die größten Stückzahlen bestellt und damit den Preis je Stück gesenkt hätten, machte ihr Verzicht auch die Beschaffungspläne der Deutschen und der Italiener zunächst zunichte. Sogleich entstanden damals Spekulationen, inwieweit die amerikanische Entscheidung das Ergebnis eines Wettkampfs zweier konkurrierender amerikanischer Rüstungskonzerne spiegelt: Der Flugzeugbauer Lockheed Martin war wesentlich an der Entwicklung von Meads beteiligt; der Rüstungskonzern Raytheon hingegen ist Hersteller der Patriot-Raketensysteme, welche das Unternehmen unterdessen in mehr als ein Dutzend Länder verkaufte.

Mehrere Kriterien beeinflussen die Auswahl

Durch die amerikanische Entscheidung geriet auch in Deutschland das Patriot-System wieder in den Blick. Denn auch der Raytheon-Konzern hat sein Flugabwehrsystem über die Jahre hinweg ständig modernisiert und verbessert. Auch die Raytheon-Konzernchefs beteuern, sie könnten ihre Technik auf einen Stand bringen, die den Anforderungen der Zukunft genügt. Überdies seien ja auch Kooperationen denkbar; eventuell lasse sich das 360 Grad Radar aus dem Meads-Programm ja in eine erneuerte Patriot-Staffel integrieren.

Das offizielle Bestelldokument, das der Generalinspekteur jetzt ausgegeben hat, enthält allerdings Anforderungen an ein künftiges Luftabwehrsystem, die von Meads leichter zu erfüllen sein würden als von Patriot: Neben dem Rundumradar zählen dazu die Fähigkeit, nach Belieben einzelne Systemkomponenten, also etwa zusätzliche Abschussrampen oder andere Abwehrraketen, zuzuschalten. Außerdem sollen die Abwehrbatterien mit Flugzeugen möglichst schnell in entfernte Einsatzgebiete transportiert werden können. Fünf Varianten der künftigen Luftverteidigung werden jetzt vom zuständigen Bundesamt für Ausrüstung und Beschaffung geprüft: Eine nochmalige Modernisierung der zwölf Patriot-Staffeln wäre eine Variante, die vollständige Beschaffung des neuen Meads-Systems eine andere. Dazwischen liegen verschiedene Vorschläge, die Elemente beider Systeme miteinander zu verbinden suchen.

Doch am Ende könnten wieder andere Kriterien die Auswahl entscheidend beeinflussen. Der polnische Verteidigungsminister Tomasz Siemoniak hat seine deutsche Kollegin kürzlich wissen lassen, dass sein Land die Beschaffung eines neuen Luftabwehrsystems als eines der bedeutendsten Rüstungsvorhaben ansieht. Die Beschaffung neuer Fähigkeiten in der Luftabwehr ist für Warschau wegen des russischen Gebarens gegenüber der Ukraine nochmals wichtiger geworden. Träte Polen als neuer Partner der Kooperationsgemeinschaft für Meads bei, könnte das die Kosten des neuen Systems womöglich senken. Andererseits werden vielleicht auch die Niederlande ein eigenes Interesse an der deutschen Entscheidung anmelden: Sie betreiben als einziger europäischer Nato-Staat außer Deutschland die modernste Version der Patriot-Luftabwehr. Wenn die Deutschen ihr System wechselten, die Niederländer aber bei Patriot bleiben wollten, hätten sie in dieser Fähigkeit keinen Kooperationspartner mehr.

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