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Neues Kraftwerk in NRW : Die Kohlen im Feuer

  • -Aktualisiert am

Vergangenheit? Zukunft? Das neue RWE-Kraftwerk in Grevenbroich-Neurath Bild: AFP

Nordrhein-Westfalen ist Energieland Nummer eins. Noch gelingt es den Regierungspartnern SPD und Grüne, Grundsatzkonflikte nur schwelen zu lassen.

          Mitte August, die politische Sommerpause in Nordrhein-Westfalen war noch nicht vorbei, setzten Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und Peter Terium, der Chef des RWE-Konzerns, im rheinischen Braunkohlerevier ein selbstbewusstes energiepolitisches Zeichen. Gemeinsam nahmen die drei das neue RWE-Kraftwerk Grevenbroich-Neurath offiziell in Betrieb, das mit einem Wirkungsgrad von 43 Prozent als das effizienteste Braunkohlekraftwerk der Welt gilt.

          Nach Angaben von RWE stößt das neue Kraftwerk im Vergleich zu alten Anlagen bei gleicher Stromproduktion sechs Millionen Tonnen weniger Kohlendioxid im Jahr aus, in Grevenbroich-Neurath sei die „heute beste zur Verfügung stehende Technik zur Braunkohleverstromung“ zum Einsatz gekommen. Dass jeder der Blöcke seine Leistung innerhalb weniger Minuten um mehr als 500 Megawatt verändern könne, mache die Anlage zum Trumpf der Energiewende, sagte RWE-Chef Terium.

          Umweltminister Altmaier kritisierte die Braunkohlekritiker. Es sei dümmlich, die konventionelle Energieerzeugung gegen erneuerbare Energien auszuspielen. Für die Energiewende brauche man auch moderne und hocheffiziente Braunkohlekraftwerke. Und Ministerpräsidentin Kraft sagte, die Inbetriebnahme sei „energiepolitisch der richtige Schritt zum richtigen Zeitpunkt“. Der Braunkohle aus dem rheinischen Revier komme für die Energiewende eine besondere Bedeutung zu.

          Die Grünen stellen sich gegen das Kraftwerk

          Umweltverbände sehen das ganz anders. Gemeinsam hielten Aktivisten von BUND und Klimaallianz eine Mahnwache vor dem Werkstor des Kraftwerks ab. Anders als vor ein paar Jahren nahmen diesmal keine prominenten Politiker der Grünen an der Demonstration teil. Umweltminister Johannes Remmel (Grüne), der einst als Oppositionspolitiker gegen das Braunkohlekraftwerk protestierte, gab sich im Rundfunk betont gelassen. Er sei erfreut über jede eingesparte Tonne CO2. „Es ist allerdings auch klar, dass wir für einen gewissen Zeitraum noch Grundlastkraftwerke brauchen.“ Doch die Grünen tun sich in der Energiefrage mit der Koalitions-Loyalität schwer. Jahrelange kämpften sie gegen die Braunkohle - „Garzweiler II“ ist eine der bekanntesten Chiffren ihres (bisher erfolglosen) Protestes.

          Im Landtagswahlkampf im Frühjahr warnte die grüne Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann davor, dass bei der SPD das „alte Kohle-Gen“ wieder durchbreche. Und zur Inbetriebnahme des Kraftwerks Grevenbroich-Neurath Mitte August ließ Monika Düker, die Landesvorsitzende der Grünen, per Pressemitteilung wissen, dass ihre Partei „den Bau neuer Kohlekraftwerke, auch neuer Braunkohlekraftwerke“, weiter ablehne. Allerdings bestehe im Fall des Kraftwerks Grevenbroich-Neurath seit 2007 eine Genehmigung, die von der Politik nicht zurückgenommen, wohl aber kritisiert werden könne. „Deshalb unterstützen wir auch die heute in Neurath stattfindenden Proteste.“ Also verlinkte der Landesverband der Grünen auf seiner Internetseite den Aufruf des BUND zur Mahnwache.

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