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„Neues Hambacher Fest“ : „Zeigen, dass unser Vaterland lebt“

Deutschlandfahnen und ein Kampf gegen „Repression“: Alles wie damals am Hambacher Schloss? Bild: Wonge Bergmann

Mit Deutschlandfahnen und einem Marsch von „Patrioten“ zum Schloss protestieren die Teilnehmer des „Neuen Hambacher Fests“ gegen die „Unterdrückung von Meinungen“. Die historische Analogie stößt bei den Gegnern der Veranstaltung auf Entsetzen.

          Einer ist um 5.30 Uhr in Baden-Württemberg losgefahren. Andere sind schon am Vortag aus Berlin angereist. Die mehreren hundert Bürger, die am Samstagmorgen in Neustadt an der Weinstraße auf dem Parkplatz eines Wohnmobilstellplatzes stehen, haben Tickets bezahlt, auf Schlaf verzichtet und sich Deutschlandfahnen gekauft, an deren Knitterung man sieht, dass sie kürzlich noch verpackt waren. Passanten müssen die Hunderte Menschen mit ihren Deutschlandfahnen um acht Uhr morgens für verirrte Anhänger der Nationalmannschaft halten, doch sie selbst nennen sich „Wanderer“. Es ist der Auftakt zum sogenannten Neuen Hambacher Fest, einer Hommage an das Original im Jahre 1832, als Zehntausende hier gegen Absolutismus, Kleinstaaterei und Pressezensur und für liberale Werte und Demokratie demonstrierten. Damals wanderten die Teilnehmer zum Auftakt hoch zum Schloss, schwenkten Deutschlandfahnen, sangen Lieder. Das Fest im Jahre 2018 soll auch mit einer solchen Wanderung beginnen und mit politischen Reden auf dem Hambacher Schloss gegen die Unterdrückung von Meinungen fortgesetzt werden. Alles wie damals. 

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik.

          Von den Beteiligten in der Gegenwart sind mit der Unterdrückung gleichwohl keine Monarchen, sondern unter anderem Vertreter der Bundesregierung gemeint, Stichwort Netzwerkdurchsetzungsgesetz, Flüchtlingskrise, Eurokrise. Jörg Meuthen soll reden, der AfD-Vorsitzende, Vera Lengsfeld, die frühere CDU-Politikerin, Thilo Sarrazin, der Buchautor, auch. Von „Gleichgesinnten“ ist unter den Wanderern die Rede, von „Patrioten“. Sie sei froh, sagt eine Frau zur anderen, einmal unter Menschen zu sein, „die genauso ticken“. Unter den Anwesenden herrscht Einigkeit darüber, wer hier vertreten ist: wertkonservativer Teil der Union, rechter Flügel FDP, gemäßigter Teil der AfD. Zufällig befragte Teilnehmer bestätigen diesen Eindruck.

          Von der Ladefläche eines Lastwagens aus begrüßt der Veranstalter Max Otte die Wandergruppe. „Wir sind hier, um zu zeigen, dass unser Vaterland lebt“, ruft Otte. „Wir sind hier, um zu zeigen, dass wir die schweigende Mehrheit sind.“ Applaus. „Bravo“, ruft einer. Otte ist CDU-Mitglied und dort bei der „Werte-Union“ angesiedelt, einem Zusammenschluss aus Konservativen und Merkel-Kritikern. Der Katalog seiner Forderungen, die er auf der Internetseite der Veranstaltung veröffentlicht hat, liest sich in weiten Teilen gleichwohl wie das Wahlprogramm der AfD. Es war Ottes Idee, an das Hambacher Fest von 1832 anzuknüpfen. Ihm ist es ernst mit der historischen Analogie, zur Einstimmung der Wandergruppe nimmt er eine Gitarre in die Hand und singt das „Lied zum Hambacher Fest“ von Philipp Jakob Siebenpfeiffer aus dem Jahre 1832: „Hinauf Patrioten! zum Schloß, zum Schloß! Hoch flattern die deutschen Farben: Es keimet die Saat und die Hoffnung ist groß.“ Plötzlich pfeifen die Lautsprecher, eine Rückkopplung. Otte dreht leiser, dann geht es. Die Zuhörer lauschen lächelnd, Bernd Baumann steht in der ersten Reihe, der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Fraktion im Bundestag.

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