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Neuer Geheimnisverrat : Zwei Mitarbeiter des Vatikans festgenommen

  • -Aktualisiert am

Verraten?: Papst Franziskus Bild: dpa

Ein neuer Enthüllungsskandal im Vatikan zieht weitere Kreise. Zwei frühere Mitarbeiter des Heiligen Stuhls sollen Journalisten Mitschnitte von Telefongesprächen von Papst Franziskus zugespielt haben. Einer von ihnen sitzt jetzt in Haft.

          Der Vatikan hat am Montag die Festnahme zweier Mitarbeiter bestätigt, denen der Heilige Stuhl Geheimnisverrat sowie schweren Vertrauens- und Amtsmissbrauch vorwirft. Die beiden seien am Wochenende in Haft genommen worden, heißt es in einer Erklärung des vatikanischen Presseamtes.

          Danach handelt es sich um frühere Mitglieder der vom Papst 2013 eingesetzten, aber inzwischen aufgelösten Kommission zur „Neustrukturierung der wirtschaftlichen und administrativen Angelegenheiten des Vatikan (Cosea).“ Bei den Festgenommenen handelt es sich um den ehemaligen Kommissions-Sekretär, Lucio Angel Vallejo Balda , einen 54 Jahre alten spanischen Priester und Mitglied der konservativen Laiengemeinschaft Opus Dei sowie die 33 Jahre alte italienische PR-Spezialistin Francesca Chaouqui.

          Sie kam am Montag wieder auf freien Fuß, weil sie offenbar mit der vatikanischen Staatsanwaltschaft kooperiert. Beide stehen im Verdacht, vertrauliche Informationen über Finanzmissstände im Vatikan sowie Telefon-Mitschnitte an Journalisten weitergegeben zu haben.

          In dem neuen Vatileaks-Skandal soll sich Papst Franziskus in einem vertraulichen Telefonat mit dem Chef des Wirtschaftssekretariats, Kardinal George Pell, über die Kostenexplosion im Vatikan beklagt haben. „Wenn wir nicht in der Lage sind, das Geld zu kontrollieren, das man sehen kann, wie sollen wir dann über die Seelen der Gläubigen wachen, die man nicht sieht“, wurde aus dem Telefongespräch in der Presse zitiert. „Die Kosten sind außer Kontrolle, es gibt Fallen“.

          Erst vor wenigen Tagen hatte Franziskus in einer offiziellen Note die Vatikanbehörden aufgefordert, keine Einstellungen außerhalb der vorgesehenen Planstellen vorzunehmen. Balda arbeitete zuletzt in der vatikanischen Präfektur für Wirtschaftsfragen, die wegen der Gründung des neuen umfassenden Wirtschaftssekretariats unter Pell vor ihr Umorganisation steht.

          Chaouqui, die einzige Frau in der früheren Cosea-Kommission, gehörte bis zum Wochenende der neugegründeten Kommission zur Überprüfung der vatikanischen Finanz- und Güterverwaltung an. Beide sollen insbesondere den italienischen Enthüllungsjournalisten Emiliano Fittipaldi und Gianluigi Nuzzi - für ihr schon ins Deutsche übersetzte Buch „Alles muss ans Licht“ - vertrauliche Dokumente über die Misswirtschaft und Intransparenz bei den vatikanischen Finanzen zugespielt haben.

          Dieses Enthüllungsbuch soll am Mittwoch veröffentlicht werden, was der Vatikan jetzt allerdings verhindern will. In seiner Erklärung heißt es, das Buch basiere auf Dokumenten, die den Journalisten illegal zugespielt worden seien. Das Vertrauen des Papstes werde damit schwer verletzt. „Werke dieser Art tragen keineswegs zur Klarheit und Wahrheit bei, sondern schaffen viel mehr Verwirrung. Man muss absolut nicht dem Irrtum verfallen, dass dies ein Weg sei, um die Mission des Papstes zu unterstützen“, teilte der Vatikan mit.

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