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Neuer CDU-Vorsitzender Laschet : Siegen beim zweiten Anlauf

Der neue Parteivorsitzende Armin Laschet spricht nach seiner Wahl beim digitalen Bundesparteitag der CDU. Bild: dpa

In seiner langen politischen Karriere wurde Armin Laschet schon oft unterschätzt. Doch geschadet hat ihm das nicht. Im Gegenteil.

  • -Aktualisiert am
          4 Min.

          „Keine Experimente!“ Dieser CDU-Slogan ist zwar schon mehr als sechs Jahrzehnte alt, er fasst aber noch immer am besten zusammen, wie die letzte verbliebene große Volkspartei tickt. Armin Laschet wurde auf dem Digital-Parteitag am Samstag eben auch deshalb im zweiten Wahlgang mit klarer Mehrheit gegen Friedrich Merz zum neuen CDU-Bundesvorsitzenden gewählt, weil sich die Partei ausrechnet, mit ihm das geringste Risiko einzugehen. Das klingt nach kleinem Karo. Aber systematische Risikoeinhegung hat nicht nur mit Blick auf die Jahrhundertkrise Corona unschlagbare Vorteile.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Zudem erklärt sich die Sehnsucht der CDU nach einem möglichst minimalen Risiko auch daraus, dass die Partei nun ein gründlich missratenes Experiment hinter sich lassen will: Annegret Kramp-Karrenbauer ist nach eigener Einschätzung am Vorhaben Angela Merkels gescheitert, Vorsitz und Kanzleramt für drei sehr lange Jahre voneinander zu trennen. Der zweite Versuch, die Nachfolge Merkels zu regeln, muss also sitzen – wobei noch längst nicht ausgemacht ist, dass Laschet auch Kanzlerkandidat wird. 

          Große Herausforderung für Laschet

          Der am 18. Februar 1961 in Aachen geborene Laschet hat in seiner langen politischen Karriere immer wieder gute Erfahrungen mit dem zweiten Versuch gemacht. Sowohl das Amt des Fraktionschefs im nordrhein-westfälischen Landtag als auch das des CDU-Landesvorsitzenden errang Laschet erst beim zweiten Versuch. Ein weiteres Muster fällt in seinem Lebenslauf auf: Er stand immer dann parat, wenn andere abgewirtschaftet hatten. Auch dass Laschet häufig unterschätzt wurde, hat ihm an Ende stets mehr geholfen als geschadet. Gegen viele Vorhersagen errang er auch seinen vor dem digitalen Bundesparteitag wichtigsten Sieg: Bei der Landtagswahl 2017 schlug die CDU die in Nordrhein-Westfalen lange dominierenden Sozialdemokraten und Laschet wurde Ministerpräsident.

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          Dass die Bundestagswahl schon in neun Monaten ansteht, macht die Sache für den neuen CDU-Bundesvorsitzenden nur auf den ersten Blick leichter als für seine Vorgängerin Kramp-Karrenbauer. Denn es ist eine große Herausforderung für Laschet, dass er nun neben seiner anspruchsvollen Aufgabe als Ministerpräsident des bevölkerungsreichsten Bundeslandes gleichzeitig mehrere sehr große Felder binnen kurzer Frist zu beackern hat: Der neue CDU-Vorsitzende muss sich in Pandemiefragen mit der hochangesehenen Krisenkanzlerin Tag für Tag bis ins letzte Detail synchronisieren, selbst dann, wenn er mal anderer Auffassung ist. Wie schädlich schon geringfügige Dissonanzen sind, zeigte sich im Frühjahr, als sich Laschet das Image des risikobereiten Lockerers anheften ließ.

          Zudem muss er Merkels Erbe bewahren, zugleich aber Ideen für die Zukunft entwickeln. Anfang Januar legte Laschet gemeinsam mit seinem Teampartner Jens Spahn Vorschläge vor, wie es nach der Ära Merkel weitergehen soll. In ihrem Programm mit dem Titel „#impulse2021“ hieß es, auf große Aufgaben müssten entschlossene Antworten gegeben werden: „Die digitale Transformation, der Klimawandel, Migration und die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie – Deutschland ist im Wandel.“ Es sei an der CDU, diesen Wandel als Chance zu begreifen, es gelte, „die 20er Jahre zu einem Modernisierungsjahrzehnt für Deutschland zu machen“, schreiben Laschet und Spahn.

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