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Neuer Berliner Bausenator : Früher war er ein linker Punk

Karrieresprung: Berlins neuer Bausenator Sebastian Scheel. Bild: dpa

Seine Vorgängerin hatte den Mietendeckel in Berlin eingeführt. Nach ihrem Rücktritt ist der bisherige Staatssekretär Sebastian Scheel nun neuer Bausenator in der Hauptstadt. Ein Porträt.

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          In seiner Jugend zu Wendezeiten war Sebastian Scheel ein linker Punk, der zeitweise in einem besetzten Haus wohnte. Damals habe es in Frankfurt (Oder) nicht so viele Optionen für einen Jugendlichen gegeben. „Anfang der neunziger Jahre warst du entweder Nazi oder Antifa“, hat er in einem Interview erzählt. Im Herzen sei eigentlich Punk geblieben, doch äußerlich kann man das schon lange nicht mehr behaupten von dem neuen Berliner Bausenator, der am Donnerstag im Abgeordnetenhaus vereidigt wurde. Der 44 Jahre alte gebürtige Brandenburger trägt vielmehr feine Anzüge und Schlips, was er unter anderem mit Respekt gegenüber dem Parlament und der Demokratie begründet. Manche seiner Parteifreunde sehen diese eklatante Verletzung des linken Dresscodes mit Naserümpfen.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Zu seinem neuen Amt ist Scheel gekommen, weil seine bisherige Chefin, die linke Bausenatorin Katrin Lompscher, Anfang August zurückgetreten war. Sie hatte Vergütungen aus Aufsichtsratsposten über Jahre nicht angegeben und nicht versteuert. Scheel hatte als Staatssekretär für Wohnen dreieinhalb Jahre den Kurs von Lompscher mitgetragen, der nicht zuletzt durch die umstrittene Einführung des Berliner Mietendeckels geprägt war, der seit Februar in der Hauptstadt in Kraft ist. Es kann deshalb nicht verwundern, dass er ankündigte, als Senator in der linken Wohnungs- und Mietenpolitik „konsequent Kurs halten“ zu wollen. Dazu gehört, dass er den Mietendeckel vor dem Landes- und dem Bundesverfassungsgericht zu verteidigen haben wird.

          Zählt zu den „Realos“ der Partei

          Doch gestand der neue Senator ein, dass mehr als bisher für den Wohnungsneubau in Berlin getan werden müsse. Die bisherige Zielmarke, 30.000 neue kommunale Wohnungen im Jahr zu bauen, hatte seine Vorgängerin verfehlt. Ein Sonderreferat Wohnungsbau mit 50 Mitarbeitern soll dem neuen Senator nun direkt unterstellt werden. Zur Initiative „Deutsche Wohnen und Co. enteignen“ äußerte sich Scheel sehr zurückhaltend. Man werde sich da eine Meinung bilden, sagte er, was ihm zugleich einen Ordnungsruf aus der Berliner Linken einbrachte, die das Volksbegehren für die Enteignung großer Immobilienbesitzer tatkräftig unterstützt.

          Scheel, dessen Vater und Großvater Bauarbeiter waren, hat in Leipzig Politik, Volkswirtschaft und Philosophie studiert. Er saß seit dem Jahr 2004 für die Linkspartei im Sächsischen Landtag, zuletzt als Parlamentarischer Geschäftsführer. Als der wegen seiner Stasi-Verstrickungen belastete Staatssekretär und Mieteraktivist Andrej Holm nicht mehr tragbar war, holte Lompscher 2017 Scheel als dessen Nachfolger aus Dresden nach Berlin. Nun ist er, der zu den „Realos“ in seiner Partei gerechnet wird, ein zweites Mal nach oben nachgerückt.

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