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AKK-Entscheid : Das KSK bekommt eine Zukunft und einen neuen Kommandeur

Blick auf die letzte Bastion: Ein KSK-Soldat sichert das Gelände nahe des Camps Marmal im Norden Afghanistans. Bild: dpa

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat ihr Urteil über den skandalgeplagten Eliteverband gesprochen: Sie will das KSK erhalten. Neuer Chef wird der letzte deutsche Kommandeur in Afghanistan.

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          Das von Skandalen erschütterte Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr hat eine Zukunft. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer teilte am Dienstag den Obleuten des Verteidigungsausschusses in einer Videokonferenz mit, dass sie sich für den Erhalt der Eliteeinheit entschieden habe. Zudem unterrichtete sie die Politiker darüber, dass sie sich auf einen neuen Kommandeur festgelegt habe. Das bestätigten Fachpolitiker des Ausschusses der F.A.Z. Zuerst hatte die Deutsche Presse-Agentur darüber berichtet.

          Lorenz Hemicker
          Redakteur in der Politik

          Die Entscheidung für den Fortbestand war allgemein erwartet worden, spätestens, nachdem vergangenen Mittwoch der Abschlussbericht über die Vorgänge im KSK veröffentlicht worden war. Darin hieß es, von den 60 Maßnahmen zur Reform des Kommandos seien über 90 Prozent umgesetzt worden. Ein rechtsextremes Netzwerk sei „nicht erkannt“ worden; wohl aber hätten sich unter den 1500 Soldatinnen und Soldaten in Calw rund 50 Verdachtsfälle in Hinsicht auf Rechtsextremismus und Reichsbürgertum aufgetan.

          Wechsel auf einen ruhigeren Posten

          Zudem sagte Kramp-Karrenbauer am Dienstag, die militärischen Fähigkeiten im KSK seien einzigartig und würden weiterhin benötigt. Gehe der Verband seinen eingeschlagenen Weg konsequent weiter, werde er weiterhin ein „strategisches Instrument der Sicherheitsvorsorge“ bleiben. Und das sowohl national als auch im Verbund mit Deutschlands Partnern.

          Von Mazar nach Calw: Brigadegeneral Ansgar Meyer, Kommandeur des letzten deutschen Afghanistankontingents
          Von Mazar nach Calw: Brigadegeneral Ansgar Meyer, Kommandeur des letzten deutschen Afghanistankontingents : Bild: dpa

          Bereits am Montag hatte Kramp-Karrenbauer laut Informationen der F.A.Z. bei einem Besuch in Calw KSK-Kommandeur Markus Kreitmayr über ihre Entscheidung über das Kommando und ihre Pläne mit ihm informiert. Der Brigadegeneral soll zum 1. September abgelöst werden und Brigadegeneral Ansgar Meyer das KSK übernehmen. Mit dem KSK hat Meyer bereits zu tun. Er kommandiert gegenwärtig das letzte deutsche Afghanistan-Kontingent, dessen Rückzug aus dem immer bedrohlicher werdenden Umfeld rund um die Basis in Mazar-e-Sharif die Kommandosoldaten nun decken sollen.

          Kreitmayr wechselt nach drei Jahren an der Spitze des KSK auf einen offenkundig deutlich ruhigeren Posten. Auf der Hardthöhe in Bonn soll er Abteilungsleiter Einsatz im Kommando der Streitkräftebasis werden. Ausschusskreise sprachen von einem „Abklingbecken“. Kreitmayr wird einerseits zwar zugutegehalten, den Reformprozess im KSK gemeinsam mit seinem Führungsstab entschlossen vorangetrieben zu haben. Andererseits aber steht er in der Kritik wegen einer Sammelaktion für verschwundene Munition, die er im Frühjahr 2020 veranlasst hatte. Die Staatsanwaltschaft Tübingen prüft einen Anfangsverdacht wegen eines Verstoßes gegen das Wehrstrafgesetz.

          Wie ein Abklingbecken mutet der Posten auch angesichts von Kreitmayrs Vorgänger auf seinem neuen Posten an. Brigadegeneral Georg Valentin Klein wurde der deutschen Öffentlichkeit als der Offizier bekannt, der im Jahr 2009 den Luftangriff bei Kunduz befohlen hatte. Bei der Bombardierung eines Tanklastzuges wurden damals neben Taliban-Kämpfern auch zahlreiche Zivilisten getötet. 

          Auch für Kreitmayrs direkten Vorgesetzten Generalmajor Andreas Hannemann geht es auf der Karriereleiter zunächst nur weiter seitwärts. Kramp-Karrenbauer verfügte, dass der bisherige Kommandeur der Division Schnelle Kräfte nach Münster wechselt und beim Deutsch-Niederländischen Korps die Rolle als stellvertretender Kommandeur übernimmt. Hannemann hatte die Sammelaktion Kreitmayrs, bei der mehrere zehntausend Schuss zusammengekommen waren, erst nach etlichen Wochen unterbunden.

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          Neben den personellen Wechseln kündigte Kramp-Karrenbauer an, einen neuen Posten im Einsatzführungskommando zu schaffen. Dort soll sich ein Direktor Spezialkräfte im Range eines Brigadegenerals künftig ausschließlich um Spezialoperationen sämtlicher Spezialkräfte der Bundeswehr kümmern, also etwa auch des eigenständigen Kommandos Spezialkräfte der Marine. Der grüne Verteidigungspolitiker Tobias Lindner sagte zu der Entscheidung: „Man wird in Ruhe sehen müssen, ob und welche Verbesserungen der neue Direktor Spezialkräfte im Einsatzführungskommando tatsächlich bringt.“

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