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Neue Studie zum Missbrauchsskandal : Bischöfe beteuern Willen zur „Transparenz“

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann: Rekonstruktion der Vergangenheit „um der Opfer willen“ Bild: dpa

Wissenschaftler der Universitäten Heidelberg, Mannheim und Gießen sollen die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche aufarbeiten. Nach dem gescheiterten Projekt mit dem Kriminologen Pfeiffer erhoffen sich die Bischöfe neue Erkenntnisse, damit sich „solche Verfehlungen“ nicht wiederholen.

          Der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) für Fälle sexuellen Missbrauchs, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, hat den Willen zu „Klarheit und Transparenz über diese dunkle Seite in unserer Kirche“ bekräftigt. Anlässlich der Vorstellung eines neuen Forschungsprojektes zur wissenschaftlichen Aufarbeitung sexueller Gewalt gegen Minderjährige und Schutzbefohlene im Verantwortungsbereich der DBK sagte Ackermann am Montag in Bonn, diese Rekonstruktion der Vergangenheit geschehe „um der Opfer willen, aber auch, um selbst die Verfehlungen zu sehen und alles dafür tun zu können, dass sie sich nicht wiederholen“.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Ein erstes Forschungsprojekt zusammen mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN), hatte Ackermann im Juli 2011 der Öffentlichkeit vorgestellt. Anfang 2013 kündigte der Direktor des KFN, der vormalige niedersächsische Justizminister Christian Pfeiffer, die Zusammenarbeit mit der Bischofskonferenz auf und zog den Aufklärungswillen der Kirche in Zweifel.

          „Täter-Opfer-Institutionen-Dynamik“

          Nach einer öffentlichen Ausschreibung im Sommer 2013 erhielt nun ein Konsortium von Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen der Universitäten Heidelberg, Mannheim und Gießen den Zuschlag. In den kommenden drei Jahren sollen sie quantitative Daten zur Häufigkeit und zum Umgang mit sexuellen Missbrauchshandlungen an Minderjährigen durch Geistliche im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz erheben und eine qualitative Analyse institutioneller Einflüsse im Sinne einer „Täter-Opfer-Institutionen-Dynamik“ vornehmen.

          Nach Worten Ackermanns erhoffen sich die Bischöfe von dem Forschungsprojekt eine „vertiefte Einsicht über das Vorgehen der Täter und über das Verhalten von Kirchenverantwortlichen in den zurückliegenden Jahrzehnten“. Des weiteren sollen die Wissenschaftler national wie international vorliegende empirische Befunde und Studienergebnisse mit den im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz gewonnenen Erkenntnissen zusammenführen.

          Betroffene Opfer sollen Beirat angehören

          Professor Harald Dreßing (Mannheim) sprach in seiner Eigenschaft als Koordinator des Forschungsverbundes davon, dass Missbrauchsopfer von Beginn an in das Projekt einbezogen werden sollten. Das gelte für die Entwicklung der Forschungsinstrumente wie für die Interpretation der Ergebnisse. Zu diesem Zweck solle ein Beirat eingerichtet werden, dem Betroffene, Wissenschaftler sowie Vertreter der Kirche angehören sollten. Dieser Beirat solle das Projekt „wissenschaftlich und ethisch begleiten“.

          Über die Mitglieder des Beirats wurde am Montag nichts bekannt. Auf Nachfrage sagte Ackermann, dass sich das Projekt ausschließlich auf Personen und Institutionen im Verantwortungsbereich der DBK erstrecke. Vorgänge in Ordenseinrichtungen wie den Kollegien des Jesuitenordens würden von dem Forschungsprojekt nur soweit erfasst, wie sie bereits untersucht wurden. Das Projekt selbst wird nach Aussagen der beteiligten Wissenschaftler nach Standards durchgeführt, wie sie für Drittmittelprojekte gelten. Dasselbe gelte für die Publikation der Ergebnisse. Finanziert wird das Projekt ausschließlich aus Mitteln der Kirche.

          Verschärfte Leitlinien

          Ackermann nutzte die Vorstellung des neuen Forschungsprojektes, um die Schritte in Erinnerung zu rufen, die die katholische Kirche in Deutschland seit dem Bekanntwerden sexueller Gewalt in Einrichtungen des Jesuitenordens im Januar 2010 unternommen hat, um die Vorgänge aufzuklären und weiteren Missbrauchsfällen vorzubeugen.

          Dazu gehörten die Verabschiedung deutlich verschärfter Leitlinien sowie eine „umfassende und gerade auch im staatlichen Bereich hoch anerkannte Rahmenordnung zur Prävention, die materielle Anerkennung erlittenen Leids, Therapiebegleitungen, zahlreiche Fortbildungen und unser Engagement auf der internationalen Ebene“ umfasse, sagte Bischof Ackermann.

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