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Studie über Studienabbrecher : Der Einfluss der Eltern

Erschreckend ist der große Anteil derer, die klar sagen, dass ihnen Kenntnisse und Techniken zum Verfassen schriftlicher und akademischer Arbeiten fehlten. Bild: Stefan Finger

Warum brechen Studenten ihr Studium ab? Die neue Exmatrikuliertenbefragung der Universität Konstanz zeigt, dass der Studienabbruch mehrere Gründe hat. Interessant dabei ist, dass der Bildungsgrad der Eltern offenbar eine Rolle spielt.

          Spätestens in den Semesterferien, wenn die Hausarbeiten geschrieben werden und der nächste Studienabschnitt vorbereitet wird, zweifeln viele Studenten an ihrer Studienwahl. Mehr als jeder vierte Bachelorstudent bricht sein Studium ab. Häufig sind es nicht nur die Faulen, sondern auch diejenigen, die ihr Studium in Nebenjobs verdienen mussten oder Studenten, die möglicherweise gar nicht für ein Studium geeignet sind. So wenig zuverlässig der Abiturdurchschnitt durch die unterschiedlichen Regelungen in den Ländern auch sein mag, so fällt auf, dass Studienabbrecher im Schnitt eine schlechtere Abiturnote (2,5) erzielt hatten als Wechsler (2,2) oder Absolventen (1,9). Das ergab jedenfalls die neueste Exmatrikuliertenbefragung der Universität Konstanz, die in den Jahren 2010 bis 2014 alle ihre Abgänger online befragt hat. Allerdings gibt es keinen einfachen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung, der Studienabbruch hat immer mehrere Gründe.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Unter den Konstanzer Abbrechern gab es so gut wie keine Unterschiede zwischen den verschiedenen Fachbereichen der Universität. Die naheliegende Vermutung, dass Naturwissenschaftler ihr Studium häufiger abbrechen, trifft dort nicht zu. Allerdings berichten sowohl Absolventen als auch Abbrecher (hier war es sogar knapp die Hälfte) häufiger, dass ihnen mathematische Kenntnisse oder auch naturwissenschaftliche Vorkenntnisse fehlten, um ihr Fachstudium zu bewältigen. Erschreckend ist der große Anteil derer, die klar sagen, dass ihnen Kenntnisse und Techniken zum Verfassen schriftlicher und akademischer Arbeiten fehlten (52 Prozent der Absolventen und 45 Prozent der Abbrecher).

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          Da die Statistik der Studienabbrecher nach wie vor unzulänglich ist, werden in den offiziellen Zahlen auch diejenigen erfasst, die nur die Universität oder den Studiengang wechseln. Die Universitäten wüssten gern mehr über die Abbruchgründe, können aber aus Datenschutzgründen kaum Daten erheben. Wie die österreichischen Universitäten zeigen, wäre das Problem aber leicht zu lösen, dort behalten die Studenten landesweit eine Matrikelnummer, so dass sich für das Inland leichter beobachten lässt, wer abbricht oder sein Studium anderswo fortsetzt. Nicht erfasst werden aber Wechsel ins Ausland oder ein späterer Wiedereinstieg ins Studium. Spätestens seit Verabschiedung des Hochschulpakts III steht der Studienabbruch auch in Deutschland stärker im Fokus als je zuvor. Als besonders fragwürdig werden allerdings von Professoren und Hochschullehrern solche „Lösungsstrategien“ wie die des nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministeriums beurteilt, den Hochschulen pro erfolgreichen Absolventen 4000 Euro zu zahlen. Es liegt nahe, dieses Ziel durch niedrigere Anforderungen und weitere Noteninflation erreichen zu wollen.

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