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Neue Studie : Hausaufgaben machen die Klugen klüger – und die Dummen dümmer

Bei den Hausaufgaben ist es ähnlich wie beim sogenannten selbstgesteuerten Lernen, die begabten Schüler haben keine Probleme damit und sind zum selbständigen Arbeiten in der Lage, diejenigen aber, die Hausaufgaben am nötigsten hätten, sind dazu gar nicht in der Lage, weil sie viel zu unselbständig sind. Dadurch wird die Leistungsschere zwischen den Schülern immer größer: wenn die Guten auch noch üben, was ihnen nicht schwerfällt und sie nicht viel Zeit kostet, werden sie immer besser - und die Schwachen, die auf die Übungsmöglichkeit verzichten oder sie nicht wahrnehmen können, geraten noch weiter ins Hintertreffen. Sollten Hausaufgaben gerechtigkeitshalber lieber abgeschafft werden und mehr Übungszeit in der Schule zur Verfügung stehen? Bei den Hausaufgaben kommt es darauf an, das Kind nicht mit dem Bade auszuschütten. Eine schlechte Praxis rechtfertigt noch nicht den Sinn oder Unsinn des häuslichen Übens überhaupt.

Überhaupt nicht sinnlos dürfte es nämlich sein, Vokabeln zu Hause zu lernen, das dürfte selbst in Arbeitsphasen in der Schule nicht ausschließlich gelingen. Je besser Schüler verstehen, warum sie eine bestimmte Aufgabe erledigen sollen, desto eher werden sie auch bereit sein, sie zu lösen. Die Hausaufgabenverweigerer wird es auch in Zukunft geben, auch diejenigen, die so gut wie keine Zeit investieren müssen und wollen, aber sie erreichen damit je nach Ausgangslage nicht unbedingt die schlechteren Lernergebnisse. Entscheidend scheint die Motivation des Kindes oder Jugendlichen zu sein. Wenn Kinder Stunden - tagträumend oder nicht - mit den Hausaufgaben zubringen und nicht zum Ende kommen, ist das eher ein Warnsignal für Eltern als eine sehr kurze Bearbeitungszeit, die auch auf die rationale Arbeitshaltung eines Minimalisten hindeuten kann. Kritisch sei allein dieser „sich abmühende Lerner“, bestätigen die Forscher.

Fünf Lerntypen

In einer früheren Studie haben die Tübinger Forscher des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung unterschiedliche Hausaufgabentypen unter Schülern analysiert. Sie haben dafür knapp 2000 Achtklässler aus der Schweiz zu einem Test eingeladen. Bei allen wurde das Hausaufgabenverhalten in Französisch untersucht. Französisch wurde in den schweizerischen Kantonen, aus denen die Schüler kamen, als Zweitsprache unterrichtet. Zu Beginn der achten Klasse sollten die Schüler sagen, wie viel Zeit sie für ihre Aufgaben brauchten. Sie haben dafür einen Fragebogen angekreuzt, auf dem Aussagen wie „ich gebe mein Bestes“ oder „wenn ich nicht schnell eine Lösung finde, lasse ich die Aufgabe sein“ ankreuzen konnten. Herauskristallisiert haben sich am Ende fünf Lerntpyen: die Fleißigen und Schnellen, die Hochengagierten und die Durchschnittsschüler, die sich nicht verausgaben und auch nur mittelmäßige Noten bekommen, diejenigen, die sich erfolglos abmühen und möglicherweise unkonzentriert viel Zeit mit Aufgaben zubringen, die sie nicht lösen können, und die absoluten Minimalisten, die mit dem geringstmöglichen Arbeitsaufwand durchkamen, aber nicht mit Noten glänzen konnten.

Vielen Eltern geben die Hausaufgaben einen willkommenen Einblick in das, was ihre Kinder gerade in der Schule lernen. Eltern indessen, die sich ohnehin wenig für ihre Kinder interessieren, kaum mit ihnen reden und noch weniger mit ihnen üben, werden auch nicht nach den Hausaufgaben fragen. Ehrgeizige Eltern mit Einwanderungsgeschichte - häufig Vietnamesen - sitzen zum Beispiel in ihren Restaurants still mit ihrem Kind in einer Ecke und machen mit ihnen Hausaufgaben. „Das wird einfach besser, auch wenn er erst in der zweiten Klasse ist“, versicherte neulich eine vietnamesische Mutter. Der kleine Sohn schaute nicht ganz so drein, als sei auch er davon restlos überzeugt.

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