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Neue SPD-Vize : Der überraschende Aufstieg der Serpil Midyatli

Serpil Midyatli während ihrer Rede beim Parteitag der SPD am 6. Dezember 2019: Die Kielerin wurde dort als Stellvertreterin in den Parteivorstand gewählt. Bild: AFP

Sie wurde nur wenige Stunden vor ihrer Wahl zur stellvertretenden SPD-Vorsitzenden vorgeschlagen: Serpil Midyatli ist die neue Linke im Parteivorstand. Für die Kielerin eine Chance, aus dem Schatten anderer zu treten.

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          „Moin“, sagte Serpil Midyatli auf der Parteitagsbühne. Damit dürfte schon mal allen klar gewesen sein, woher sie kommt. Unter den neuen stellvertretenden SPD-Vorsitzenden gehört die Kielerin zu den unbekannteren – erst wenige Stunden vor der Wahl war sie vorgeschlagen worden. Um eine Kampfabstimmung zwischen Kevin Kühnert und Hubertus Heil zu verhindern, mussten mehr Stellvertreterposten her als ursprünglich vorgesehen. Aus drei wurden fünf, und auf einmal stand Midyatli im Rampenlicht. Geschadet hat es ihr nicht, im Gegenteil. Mit fast 80 Prozent hat sie das beste Ergebnis aller Stellvertreter erhalten.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Midyatli hat ein paar Minuten zu den Delegierten über ihren Weg gesprochen. Es ist die Geschichte einer Frau, die sich durchsetzen musste, die Geschichte eines unwahrscheinlichen Erfolgs. 1975 in Kiel geboren, als Kind türkischer Eltern in einem schwierigen Stadtteil aufgewachsen. Sie hat die Realschule abgeschlossen, das Restaurant der Familie geleitet, sich mit ihrem Mann selbständig gemacht. Ihr Weg hat sie auch als Politikerin beeinflusst, sie steht links in der Partei, ist eine Kritikerin der großen Koalition. Integration und Sozialpolitik gehören zu ihren wichtigsten Themen. Bei einem Spaziergang durch ihr altes Viertel sagte sie einmal, sie glaube als Sozialdemokratin, dass man Menschen zwei oder auch drei Chancen geben sollte. So ein Weg, sagte sie nun auf der Parteitagsbühne, sei nur mit der SPD möglich. Sie sei die Partei des Aufstiegs.

          Wie eine Löwin

          Die Chance, sich als Politikerin zu beweisen, gab ihr Ralf Stegner. 2009 verschaffte er ihr einen sicheren Listenplatz für die Landtagswahl in Schleswig-Holstein. Bald fiel sie als energische Rednerin auf, er förderte sie weiter. Als die Diskussion über seine Zukunft an der Spitze der Landespartei vernehmbarer wurde, lernte er dann auch ihren Ehrgeiz kennen.

          Mit ihrer frühen Ankündigung, für den Landesvorsitz zu kandidieren, überrumpelte sie Anfang des Jahres nicht nur ihn. Stegner aber fasste sich und sagte seine Unterstützung zu. Wie eine Löwin werde sie mit Herz und Verstand für die Partei kämpfen, äußerte er. Im Frühjahr wurde sie mit 90 Prozent an die Spitze der SPD in Schleswig-Holstein gewählt. Für den Fraktionsvorsitz in Kiel aber kandidierte sie nicht, Stegner konnte bleiben. Es ist seit diesem Wochenende sein letztes Amt von Bedeutung. Nicht einmal in den Bundesvorstand wurde er noch gewählt.

          Midyatli sagte danach, was man als Landesvorsitzende eben so sagt: Sie bedauerte, dass Stegners großes Engagement nicht berücksichtigt worden sei. Die Nord-SPD habe mit ihm über Jahre hinweg eine „markante und linke Persönlichkeit mit bundesweiter Bedeutung“ gehabt. Nun kommt Midyatli diese Aufgabe zu. Bislang tat sie sich schwer, in Kiel aus seinem Schatten herauszutreten. Nun hat sie einen großen Schritt gemacht.

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