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Neue Rechte : Höckes Rassentheorie

Das gilt auch für die hohe Sprache eines Botho Strauß, der sich in ihr als „letzter Deutscher“ besingt. Sein so benannter Artikel zitiert das „Schurken-Wort“ ungenannter Pazifisten: „Deutschland wird jeden Tag weniger. Das finde ich großartig.“ In der „Sezession“ wurde der Artikel gepriesen. Das Zitat ist allerdings erfunden, Strauß entnahm es seinerseits der „Sezession“. Als Fälschung in etwas anderer Form dem Grünen-Politiker Trittin zugeschrieben, geistert es schon eine ganze Weile durch selbsttragende Beweisführungen.

Woher stammen nun Höckes erstaunliche Einsichten? Es ist ja nicht so, dass dieses r- und K-Theorem weithin bekannt ist; selbst unter Fachleuten ist es nicht mehr in Gebrauch, weil es sich als empirisch unzutreffend erwiesen hat. Es stammt von dem Ökologen Robert MacArthur und dem Biologen Edward Wilson aus zwei Veröffentlichungen der Jahre 1963 und 1967 über insulare „Biogeografie“. Die Texte beziehen sich aber auf Tiere, nicht auf Menschen. Höcke wird sie schwerlich gelesen haben.

Er selbst nannte unserer Reporterin als Quelle seiner Einsichten: die „Sezession“. Dort wurde im Januar 2006 ein Artikel „Tabubruch und Zukunftsszenario“ veröffentlicht. Daraus mag Höcke Inspiration bezogen haben. Andreas Vonderach, Autor des Artikels, schreibt selbst Bücher, zuletzt eines über „Völkerpsychologie“ (bei „Antaios“). In der „Sezession“ besprach er damals das Buch „Rasse, Evolution und Verhalten“ des kanadischen Psychologen J. Philippe Rushton, das im österreichischen Ares-Verlag in deutscher Übersetzung erschien. Darin behauptet Rushton, dass die Bevorzugung der eigenen Gruppe und die Ablehnung „fremder Rassen“ auch eine genetische Wurzel hätten: Laut Vonderach trifft „diese Theorie unter Biologen inzwischen zunehmend auf Akzeptanz“. Noch „weitaus brisanter“, so Vonderach recht wohlwollend, sei aber Rushtons „differentielle K-Theorie“. Rushton hatte MacArthurs und Wilsons These von Tierpopulationen auf Menschen übertragen. Er ist demnach Höckes geistige Quelle.

„Mit der Hodengröße argumentieren“

Vonderach: „Nach Rushton bestehen auch zwischen den Hauptrassen des Menschen tendenzielle Unterschiede. So werden Negride verhältnismäßig früh geschlechtsreif, bekommen kleinere Babys, die sich als Kinder schneller entwickeln, sind extravertierter, sexuell aktiver, haben mehr Testosteron und größere Genitalien. Auf der anderen Seite stehen die Mongoliden (Asiaten), die weniger sexualisiert sind, kleinere Genitalien und weniger Testosteron haben, introvertierter sind und den höchsten durchschnittlichen IQ aufweisen. Die Europiden nehmen eine Mittelstellung zwischen Negriden und Mongoliden ein.“ Vonderach schrieb, Rushtons Theorien seien weithin mit Empörung aufgenommen worden, er sei dadurch zum „professor of hate“ avanciert. Allerdings sei er nicht widerlegt worden. Vonderach riet allerdings, die „differentielle K-Theorie“ beiseitezulassen, wenn man „im Zusammenhang gesellschaftlicher Fragen auch genetische Sachverhalte berücksichtigen“ wolle - damit man nicht in die Verlegenheit komme, „mit der Hodengröße argumentieren zu müssen“. Das immerhin hat Höcke nicht getan.

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