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Neue Prognosen : Innenminister rechnet mit bis zu 800.000 Asylsuchenden

  • Aktualisiert am

Innenminister Thomas de Maizière (CDU) stellt die neue Prognose für Flüchtlingszahlen in Deutschland vor. Bild: dpa

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat seine Prognose für die Zahl der Menschen, die in Deutschland Asyl suchen, deutlich erhöht. 43 Prozent aller Asylanträge in der EU wurden im ersten Halbjahr 2015 in Deutschland gestellt.

          Die Bundesregierung rechnet für das laufende Jahr damit, dass bis zu 800.000 Menschen Asyl in Deutschland suchen. Das teilte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Mittwoch mit. Allein im Juli waren nach Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) mehr als 37.500 Asylanträge gestellt worden, was einen Anstieg gegenüber dem Juli des Vorjahres um mehr als 93 Prozent bedeutet. Die Zahl der Einreisen von Migranten nach Deutschland lag noch viel höher. Im Juli waren es 83.000, für den August wird mit einer höheren Zahl gerechnet. Nicht alle Migranten, die einreisen, stellen sofort einen Asylantrag, weshalb sich die Zahlen unterscheiden.

          De Maizière sprach am Mittwoch mit den Bundesländern über die Entwicklung. Im Bundesinnenministerium hieß es, dass die Zahlen in unvorhersehbarer Weise gestiegen seien. Unter den Mitgliedsländern der Europäischen Union bleibt Deutschland für Flüchtlinge weiter das Hauptzielland. 43 Prozent aller in der EU gestellten Asylanträge wurden im ersten Halbjahr 2015 in Deutschland eingereicht. Nach einer Schätzung könnten die Ausgaben der Bundesländer dadurch auf bis zu zehn Milliarden Euro steigen, sollten die Asylbewerber im Schnitt ein Jahr lang in Deutschland bleiben.

          Wer als Asylbewerber nach Deutschland kommt, wird zunächst im sogenannten Easy-System (Erstverteilung von Asylbegehrenden) registriert. Als die Zugangszahlen niedriger waren, wurde ein Asylantrag meistens kurz darauf gestellt. Derzeit gibt es aber nicht genügend Plätze in den Erstaufnahmeeinrichtungen. Daher werden die Asylsuchenden oft von den Bundesländern schon auf die Kommunen verteilt, bevor sie einen Antrag stellen können, was zu erheblichen Verzögerungen führt.

          Die Bundesländer fordern unterdessen mehr Hilfe vom Bund. Berlins Sozialsenator Mario Czaja (CDU) befürwortet einen Vorschlag des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne): „Der Bund muss in die Erstaufnahme einsteigen“, sagte Czaja am Mittwoch. Im Bundesinnenministerium wird derweil nicht mit einem baldigen Rückgang der Asylbewerberzahlen.

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