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Alternative für Konservative : Keine Lust auf Reste-Rampe

  • -Aktualisiert am

Nach AfD und Alfa: Bernd Luckes neue politische Heimat lautet „Liberal-Konservative Reformer“. Bild: dpa

Bernd Luckes neue politische Heimat heißt jetzt „Liberal-Konservative Reformer“. Die Partei will enttäuschte CDU-Wähler und EU-Kritiker für sich gewinnen. Wiederholt sich die Geschichte der AfD?

          Umbenennungen sind immer riskant, können aber gelingen. Wer vor einem Vierteljahrhundert schon im Schokoriegel-Alter war, möge sich an den Werbeslogan erinnern: „Raider heißt jetzt Twix, sonst ändert sich nix.“ Auch in der Politik kann das gelingen, wie das Beispiel der Partei Die Linke zeigt. Deren eine Wurzel hieß früher schließlich SED. Vielleicht nähren solche Umbenennungserfolge die Hoffnungen derjenigen selbsternannten Konservativen, die am Mittwoch in Berlin verkündeten, sie wollten künftig als Partei und als Verein „gemeinsame Wege“ gehen. Gemeint sind die Partei „Liberal-Konservative Reformer“ (LKR) und der Verein „Zukunft Deutschland“. Ziel am Horizont ist die Bundestagswahl.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Damit die Sache zu verstehen ist, sind einige erklärende Worte zu den Namensgebungen unerlässlich. Die LKR hieß vorher Alfa. Das war kein Hinweis auf eine italienische Automarke, sondern kürzte den Namen „Allianz für Fortschritt und Aufbruch“ ab. Da der Verein „Aktion Lebensrecht für Alle“ aber vor Gericht in der Verteidigung der Abkürzung Alfa erfolgreich war, benannte die Partie sich um und ist seit ein paar Monaten die LKR. Das soll auch so bleiben. Als Partner hinzu kommt nun ein frisch gegründeter Verein namens „Zukunft Deutschland“. Dieser hieß bisher „Konservative Sammlung“. Deren Mitglieder versuchen wie die LKR diejenigen einzusammeln, die die CDU nicht konservativ genug finden, die AfD aber ablehnen.

          Womit man bei einem Problem angekommen wäre, das in der noch sehr kurzen Geschichte der LKR zu finden ist. Deren Vorgängerin Alfa ist nämlich nicht aus der Laune einiger unbekannter Freaks entstanden, die mit ihrer Freizeit nichts Besseres anzufangen wussten, als eine Partei zu gründen. Vielmehr war Alfa die Antwort des einstigen Vorsitzenden der „Alternative für Deutschland“ Bernd Lucke darauf, dass die nach rechts marschierende AfD ihn mitsamt seinen Anhängern im Sommer 2015 aus der Partei gedrängt hat. Seither hält sich hartnäckig zumindest im Unterbewusstsein ein Zusammenhang zwischen LKR, Alfa, Lucke und schließlich der AfD. Und das, obwohl Lucke schon Mitte vorigen Jahres angekündigt hatte, nicht weiter Alfa-Vorsitzender sein zu wollen.

          Bündnisse und Ziele der Partei

          Als das Führungspersonal von LKR und „Zukunft Deutschland“ sich am Mittwochvormittag in einem kleinen Raum im Haus der Bundespressekonferenz Seite an Seite präsentierte, war Bernd Lucke nicht dabei. Natürlich wurde nach dem Grund gefragt. Christian Kott, seit dem vorigen Herbst LKR-Vorsitzender, sagte zwar, Lucke habe „durchaus Unterstützung“ geleistet. Die Veranstaltung finde aber „bewusst ohne Herrn Lucke“ statt. Erst wies er zur Begründung darauf hin, dass Lucke gerade aus dem Urlaub zurückgekehrt sei. Doch für einen derart einsatzbereiten Mann wie Lucke hätte das als Erklärung nicht gereicht. Man habe den Eindruck vermeiden wollen, eine Lucke-Partei zu sein, schob Kott hinterher. Die unausgesprochene Botschaft war eindeutig: Auf ein Dasein als Resterampe hat niemand Lust.

          LKR und „Zukunft Deutschland“ wollen gegenseitig Mitglieder mit beratender Stimme in die beiden Vorstände schicken. Kandidaten für die Bundestagswahl sollen gemeinsam aufgestellt werden. Die LKR hat etwas mehr als 2000 Mitglieder, nach eigenen Angaben steigt die „Tendenz“ seit Jahresbeginn. Fünf von ihnen sitzen im Europaparlament, drei in der Bremer Bürgerschaft. Bei den jüngsten Landtagswahlen landete die Partei rund um die Ein-Prozent-Marke. Die „Zukunft Deutschland“ beansprucht für sich, etwa 2500 Unterstützer zu haben.

          Das neue Bündnis will sich inhaltlich vor allem um das Thema Euro, aber auch um den Zustand der Europäischen Union insgesamt kümmern, ebenso um die innere Sicherheit. Abgrenzen will man sich zum einen von der CDU und der FDP. Die „Konservative Sammlung“ und heutige „Zukunft Deutschland“ war schließlich im vorigen Dezember von CDU-Mitgliedern gegründet worden, die mit dem Kurs der Bundesvorsitzenden Angela Merkel nicht mehr zufrieden waren. Sascha Flegel, Vorsitzender von „Zukunft Deutschland“, berichtete kurz von seinen vergeblichen Versuchen, in der CDU noch etwas zu verändern. „Ich kann die Leute nur auffordern, die CDU zu verlassen“, kommentierte er diese gescheiterten Bemühungen. Kott sagte, die CDU sei nicht mehr konservativ, die FDP nicht mehr liberal. Abgrenzen will man sich zum anderen von der AfD. Auf die wolle er „nur mit zwei Sätzen“ eingehen, sagte Kott. Die AfD sei weder konservativ noch liberal. Kürzlich hatte LKR-Generalsekretär Jürgen Joost sich zur Rede des thüringische AfD-Vorsitzenden Björn Höcke zur Gedenkkultur in Deutschland geäußert und bemängelt, dass Höcke nicht seines Amtes enthoben und ausgeschlossen worden sei: „Wie erwartet hat die AfD die Charakterfrage nicht bestanden.“

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