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Neue Islamkritik : AfD-Funktionäre greifen Petry nach Treffen mit Muslimen an

Frauke Petry, Armin Paul Hampel (l.) und Albrecht Glaser (2.v.r.) Bild: dpa

Die Kritik an AfD-Chefin Frauke Petry aus der eigenen Partei wächst – viele finden, man hätte sich auf das Treffen nicht einlassen sollen. Ein ranghoher Parteifunktionär verschärft seine Angriffe auf den Islam.

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          Führende AfD-Politiker haben nach dem gescheiterten Treffen mit dem Zentralrat der Muslime am Dienstag das Verhalten ihrer eigenen Delegation kritisiert. Der AfD-Bundesvorsitzende Jörg Meuthen sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.), das Vorgehen seiner Ko-Vorsitzenden Frauke Petry sowie der Bundesvorstandsmitglieder Albrecht Glaser und Armin-Paul Hampel sei „etwas unprofessionell“ gewesen. „Wenn man solche Treffen anberaumt, dann klärt man vorab die Bedingungen des Gesprächs und nicht erst zu Beginn“, sagte Meuthen. Er kritisierte nicht den Abbruch des Gesprächs, sondern „dass es unter diesen Bedingungen anberaumt wurde“. Wenn schon vor dem Treffen klar gewesen wäre, dass man sich nicht auf eine Gesprächsgrundlage einigen könne, „dann hätte man sich das schenken können“. So sei der Eindruck „etwas unglücklich gewesen“.

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Auch die Beisitzerin im AfD-Bundesvorstand Alice Weidel äußerte Kritik. Sie sagte der F.A.Z., es sei absehbar gewesen, dass das Gespräch scheitern werde. „Ein Gespräch wäre nur aussichtsreich gewesen, wenn Herr Mazyek sich vorher eindeutig von der Scharia distanziert hätte. Das hat er nicht getan.“ Zudem habe Mazyek die AfD in die Nähe der Nationalsozialisten gerückt und dies nicht zurückgenommen. Nach Weidels Darstellung war vor dem Treffen im Parteivorstand besprochen worden, dass eine solche Begegnung nur sinnvoll sei, wenn die Grundlagen dafür vorhanden wären. 

          „Das war nicht der Fall. Nach dem gescheiterten Treffen sind nun beide Seiten keine Gewinner. Es sieht nach einem inszenierten Abbruch aus“, sagte Weidel. Sie sprach sich ausdrücklich dafür aus, dass ihre Partei weiter versuchen solle, mit muslimischen Verbänden ins Gespräch zu kommen, nannte jedoch auch Voraussetzungen dafür: „Wir müssen den Dialog mit den muslimischen Verbänden suchen, sofern sich diese explizit von der Scharia distanzieren.“ Der in der AfD vor zwei Wochen gemachte Vorschlag, sich mit dem „Zentralrat der Ex-Muslime“ zu treffen, sei „leider von diesem abgelehnt“ worden, sagte Weidel. „Nun müssen wir sondieren, wer als Gesprächspartner in Frage kommt.“

          Zentralrat der Muslime : AfD-Chefin Petry bricht Gespräche ab

          Glaser sagte der F.A.Z., es sei zwar im Bundesvorstand über das Treffen gesprochen worden, „die Vorbereitung war aber das Geschäft der drei Beteiligten“. Er könne die Kritik deshalb „nicht verstehen“. Das Verhalten des Zentralrats habe für ihn „ein bisschen nach Theaterdonner“ ausgesehen. Er habe den Verdacht, es sei um die Frage gegangen, „wer medial am besten ins Geschäft kommt“. Weil der Zentralrat habe wissen können, dass die AfD den Nazivergleich Mazyeks thematisieren würde, hege er den Verdacht, der Zentralrat könne den Abbruch der Gespräche absichtlich provoziert haben. „Wo dann gesagt wird: Die Rechtspopulisten haben das Gespräch abgebrochen. Es mag sein, dass das ganze nur ein Spiel war.“

          Glaser äußerte sich auch zum Islam im Allgemeinen. Er sagte: „Wenn Sie den Koran gelesen haben, fragen Sie sich: Wo ist denn da die Religion? Das sind die Anweisungen eines Feldherren.“ Er bestritt zudem, dass eine Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus sinnvoll sei. „Es gibt den Versuch so zu tun, als gäbe es zwei Arten von Muslimen, Muslime und Islamisten, das gibt es aber nicht“, sagte Glaser. Aus seiner Sicht sei der Islam immer eine politische Ideologie, zu deren Anspruch es gehöre, dass die ganze Welt islamisch sein müsse. „Das Grundgesetz ist inkompatibel mit dem elementaren Rechtsverständnis jedes Islams – gleich welcher Schule“, sagte Glaser. „Da geht das Kamel durch kein Nadelöhr.“

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