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Lauterbach mahnt zu Vernunft : Eine Impfkampagne gegen die neue Corona-Welle

Karl Lauterbach am Freitag in Berlin Bild: Reuters

Mit Werbeaktionen sollen die Menschen zu mehr Corona-Vorsichtsmaßnahmen angehalten werden. Es gebe lustige und „nicht so lustige“ Motive, kündigt Gesundheitsminister Lauterbach an. Und er schickt Kritik Richtung München.

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          Am liebsten wäre Karl Lauterbach Teil seiner eigenen neuen Impfkampagne. Dann könnte er als einer von 84 Bürgern „aus der Mitte der Gesellschaft“ seine Haltung zu Covid-19 in die Kamera sprechen. Darunter seien  lustige wie  ernsthafte Einlassungen, sagte der Gesundheitsminister am Freitag bei der Vorstellung des jüngsten Werbefeldzugs in Berlin. Er selbst würde sich, gebeten um einen „schlauen Spruch“, etwa so äußern: „Ich schütze mich, damit ich weiter Studien in der Nacht lesen kann – und nicht zum Gegenstand von Studien werde.“ 

          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin
          Kim Björn Becker
          Redakteur in der Politik.

          Die Bürger stehen für  84 Millionen Einwohner Deutschland.  Sie soll die Kampagne „Ich schütze mich“ in den Blick nehmen. Das Projekt kostet knapp 33 Millionen Euro oder, wie Lauterbach vorrechnete, 40 Cent je Bürger. Alle genannten Schicksale seien echt, „keine Schauspieler, nichts gefakt“. Als Absicht gab der SPD-Politiker aus, auf kreativere Weise als bisher die Impfquote zu erhöhen. Eine Zielmarke gebe es nicht, doch müssten vor allem über Sechzigjährige häufiger eine vierte Injektion annehmen: 70 Prozent hätten keine Zweitauffrischung erhalten, obgleich das Risiko, an Covid-19 zu sterben, zwischen der dritten und der vierten Spritze um 90 Prozent sinke. 

          In Pflegeheimen sollten Bewohner, deren Viertimpfung oder Infektion länger als sechs Monate zurückliegt, eine weitere verabreicht bekommen. Wer erkranke, könne mit Paxlovid behandelt werden. Das Medikament werde immer häufiger eingesetzt und auch direkt von Ärzten ausgegeben. Man lagere es in Pflegeheimen ein, es sei ausreichend vorhanden und haltbar, versicherte Lauterbach.


          Am Donnerstag hätten sich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder mehr als 100.000 Personen an einem Tag impfen lassen. Das liege an den neuen, speziell auf die Omikron-Varianten ausgelegten Vakzinen und daran, dass die Hausärzte sie sehr offensiv anböten. „Jetzt ist das Bewusstsein für die Welle da“, so Lauterbach. Nun wisse jeder: „Corona ist zurück.“ Er nannte die Kampagne „ein Lagerfeuer der Vernünftigen“, damit in dem ohnehin schwierigen Herbst und Winter Corona nicht noch zu einer weiteren Bedrohung werde.

          Lauterbach appellierte an die Bundesländer, im Rahmen des neuen Infektionsschutzgesetzes rechtzeitig einen strengeren Schutz anzuordnen, etwa die Maskenpflicht in Innenräumen. Alle nötigen Daten und Rechtsgrundlagen dazu seien vorhanden. Es gehe auch darum, mit Masken und Impfungen Long Covid vorzubeugen. Die junge Autorin Margarete Stokowski, die Lauterbach in der Pressekonferenz am Freitag in Berlin begleitete, schilderte ihre schweren Long-Covid-Symptome. Beim ersten Mal habe sich das angefühlt „wie ein Herzinfarkt“. Sie riet dringend zu Impfungen und zum Maskentragen und forderte zu mehr Forschung, zu einer besseren Ärztefortbildung und zur Kostenübernahme durch die Krankenkassen auf.

          Mehr Arztkonsultationen, mehr Krankenhauspatienten

          Lauterbach bestätigte ihre Einschätzung, dass die Versicherungen versuchten, Long-Covid-Patienten in einer Rehabilitation unterzubringen. Anschließend fielen sie aus dem Rechtskreis der Kassen hinaus in den der Rentenversicherung. Dieser Weg zur Erwerbsminderungsrente sei für Ältere gedacht, passe aber nicht für Jüngere, weshalb sein Haus an Änderungen arbeite. 

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