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Neubau der EZB : Die Männer vom Bau

  • -Aktualisiert am

Wird immer höher: Der Doppelturm der EZB Bild: Marcus Kaufhold

In Frankfurt wächst die Europäische Zentralbank in den Himmel. Ein Doppelturm der Macht. Auch Wanderarbeiter aus Polen bauen ihn. Einige von ihnen klagen nun über die Arbeitsbedingungen.

          Von Osten nähert sich ein Transporter dem neuen Doppelturm der Europäischen Zentralbank. Der ist noch lange nicht fertig gebaut, aber er ragt schon jetzt in den Frankfurter Himmel. Ein Zeichen der Macht. Es ist früher Morgen, eigentlich noch Nacht. Der Transporter holpert über das Kopfsteinpflaster. Er fährt an alten Autos am Wegesrand vorbei. Ziegelsteine liegen hinter den Reifen der Autos. Die Autos sind vollgestopft mit Klamotten und Hausrat, auf den Sitzen schlafen Männer - Tagelöhner. Früher waren es vor allem Polen, nun sind es Bulgaren, die hoffen, dass der Tag Arbeit irgendwo in der Stadt für sie bringt.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Abseits des Kopfsteinpflasters liegen Straßen, die noch nirgendwo hinführen, noch keinen Zweck erfüllen. Unrat türmt sich an den Baustellenzufahrten. Durchgelegene Matratzen, durchgebrannte Fernseher, geleerte Flaschen, abgelegte Jacken und Schuhe. Kaninchen hoppeln durch das Gebüsch, ducken sich unter den Bauzäunen hindurch. Vögel singen den Tag herbei. Am Himmel rauschen Flugzeuge, ein Güterzug dröhnt über die Mainbrücke.

          Arbeiter mit müden Gesichtern

          Der Transporter passiert die mit Graffiti beschmierten Brückenpfeiler, die Frau im Schlafsack, die unter dem gemauerten Bogen liegt. Halb sechs. Vor dem EZB-Turm öffnet ein Sicherheitsmann das Tor und die Tür, hinter der ein Drehkreuz wartet.

          Der Transporter stoppt vor dem Container der Wachmänner. Arbeiter mit müden Gesichtern steigen aus. Sie halten ihre Karten an einen Scanner, schlurfen durch das Drehkreuz, kurz hängen polnische Wortfetzen, Diesel und Zigarettenrauch in der Luft. Der nächste Transporter, die nächsten Arbeiter. So geht es weiter. Zur halben, zur vollen Stunde, vereinzelt dazwischen.

          Ein Bus erreicht die Baustelle, noch einer. Wieder polnische Worte, Deodorant und Rauch, wieder verschwinden die Männer auf dem Gelände.

          Es ist von Videokameras überwacht, von einem hohen Metallzaun umgeben. Rollen von Natodraht krönen den Zaun - seit Europas Linksradikale zur „Stilllegung“ der „wohl einflussreichsten Baustelle Europas“ aufriefen. Gefängnisatmosphäre. Nur geht es nicht darum, dass niemand entflieht. Niemand soll auf die Baustelle, der nicht die Befugnis dazu hat.

          Vögel, gar Flugzeuge werden übertönt

          Auf der Baustelle stapeln sich Container. Unzählige. Eine Burg. Licht dringt aus den Fenstern der Container: Die Arbeiter stehen vor ihren Spinden. Hier und da posiert eine Nackte auf einem Poster. Bauarbeiterleben.

          Die Baustelle wacht auf, übertönt Vögel und Flugzeuge. Lastwagen rollen über das Kopfsteinpflaster, bringen neues Material für den Turmbau. Die Aufzüge rattern in die Höhe. Ein Meter pro Sekunde. Die Kräne, die sich wie Raupen an den Turm klammern, ihn überragen, schwenken ihre Arme. Oben in mehr als hundert Meter Höhe - 185 und 165 Meter werden die beiden miteinander verbundenen Türme einmal hoch sein, nicht einmal vierzig fehlen noch - bringen die Arbeiter die Europäische Zentralbank dem Himmel näher. Ein Stockwerk pro Woche.

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