https://www.faz.net/-gpf-xsal

Netzwerke in Hannover : Ein Nachmittag im Steintorviertel

Frank Hanebuth Bild: dpa Bearbeitung F.A.S.-Grafik

Frank Hanebuth ist der Präsident. Götz-Werner von Fromberg ist der Anwalt. Philip Eppelsheim ist der Reporter. Wer hält „das schönste Rotlichtviertel Deutschlands“ zusammen? Die Hells Angels. Mit Essen, Trinken und Frauen werden Millionen gemacht.

          Am 11. August druckte die Frankfurter Allgemeine Zeitung auf der Seite 3 einen Artikel über die „Erbfreundschaften in Hannover“. Anlass war der Urlaub des Bundespräsidenten Christian Wulff und seiner Gattin Bettina in der Villa von Carsten Maschmeyer auf Mallorca. „Wo verlaufen die Grenzen zwischen Freundschaft und Kumpanei?“, fragte Robert von Lucius.

          Philip Eppelsheim

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Zu den Erbfreunden zählte unser Autor den Gründer des Finanzdienstleisters AWD, Maschmeyer, Gerhard Schröder, Rechtsanwalt Götz-Werner von Fromberg, Christian Wulff, Sigmar Gabriel, prominente Ärzte, Musiker der „Scorpions“ und andere.

          Einen Absatz seines Artikels widmete Lucius der „grauen Eminenz von Hannover“, Götz von Fromberg, und dessen Beziehung zu Frank Hanebuth, dem „Präsidenten“ der Hells Angels von Hannover, zugleich dem mutmaßlich einflussreichsten Hells Angel in Deutschland. Lucius' Stück berichtete von den legendären Herrenabenden bei von Fromberg und über die „Welt des Glamours“.

          Das Abzeichen der Hells Angels Hannover

          Der Artikel erregte Aufsehen noch an höchster Stelle. Einwendungen wurden erhoben. Gerhard Schröder bestand auf einer Richtigstellung.

          Außerdem kam zwei Tage nach Veröffentlichung des Artikels ein anonymer Brief: an Robert von Lucius, adressiert allerdings an die Frankfurter Redaktion. Das Kuvert, normale Größe, fand sich im Postkoffer, mit dem Material zwischen der Frankfurter und der Berliner Redaktion ausgetauscht wird. Es war nicht frankiert und vollkommen durchsichtig, transparenter noch als Butterbrotpapier, so dass man schon von außen den gedruckten Text auf dem gleichfalls durchsichtigen Zettel lesen konnte, der in dem Kuvert lag: „Danke, dass wir Frankfurter das gegen die Hannoveraner geschafft haben. Auf weitere gute Zusammenarbeit“.

          Vielleicht noch interessanter als der Zettel war das Geld in dem Umschlag, ebenfalls von außen gut zu sehen: pinkfarbene 500-Euro-Scheine, gleich zwanzig Stück. Also 10.000 Euro in bar. Über den Hintergrund kann man nur spekulieren. Über eines nicht: Dem anonymen Absender fällt es nicht schwer, 10.000 Euro für obskure Zwecke auszugeben.

          Im August verschwand Schröder von der Website der Kanzlei von Fromberg

          Nun aber zurück nach Hannover. Szenenwechsel.

          Ende August verschwand Gerhard Schröder von der Website der Kanzlei von Fromberg. Im Mai noch hatten die Medien selten versäumt, beide Namen zu erwähnen. Damals hatten die beiden mächtigsten Rockergangs in Deutschland, Bandidos und Hells Angels, die Republik unter sich aufgeteilt. Sie vereinbarten wie Entspannungspolitiker, künftig „in friedlicher Koexistenz miteinander zu leben und sich gegenseitig zu respektieren und zu achten, ohne dass es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommt“. Seitdem gibt es keine Toten mehr.

          Von Fromberg hatte die „Moderation“ dieses „Friedensgipfels“ übernommen. Für die Hells Angels waren sein Freund Hanebuth, der Pressesprecher „Django“ und ein „Lobo“ in die Kanzlei gekommen, für die Bandidos sprachen Peter Maczollek, ein „Less“ und ein „Batzen“. In der Mitte saß von Fromberg. Am Ende zischte, wer's mochte, ein Bier, und von Fromberg rauchte auf seinem Balkonterritorium eine Friedenszigarre. Presse, Funk und Fernsehen nahmen regen Anteil, und so wurde aus Gerhard Schröder zusehends ein Altkanzler mit Freund: von Fromberg. Und der war ein Anwalt mit Freund: Hanebuth.

          Weitere Themen

          Kriminelle Vielfalt

          Gegen Clans und Rocker : Kriminelle Vielfalt

          Die irakisch-syrische Bande „Al-Salam 313“ soll unter anderem in Rauschgiftschmuggel und Waffenhandel verwickelt sein. Deshalb gehen die Behörden nun verstärkt gegen sie vor. Die Kontakte reichen bis zu kriminellen Clans.

          Weber will in Brüssel „durchlüften“ Video-Seite öffnen

          EVP-Spitzenkandidat : Weber will in Brüssel „durchlüften“

          Manfred Weber (CSU) geht als EVP-Spitzenkandidaten für die Europa-Wahl ins Rennen: „Wir sagen zu, dass wir die bestehenden Regulierungen einfach mal einem System Check unterziehen!“, fordert er bei einer Abschlussveranstaltung kurz vor der Wahl.

          „Wir haben alles richtig gemacht“ Video-Seite öffnen

          Bremer CDU-Spitzenkandidat : „Wir haben alles richtig gemacht“

          In Bremen wird eine neue Bürgerschaft gewählt. Parallel zur Europawahl sind rund 482.000 Bremer zur Stimmabgabe aufgerufen. Die Wahllokale sind bis 18.00 Uhr geöffnet. Am Mittag lag die Wahlbeteiligung bei 20,2 Prozent.

          Topmeldungen

          Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier gibt seine Stimme bei der Europawahl am Sonntag in Gießen ab.

          Europawahl-Liveblog : Hohe Wahlbeteiligung in Deutschland – ÖVP siegt in Österreich

          +++ Kaum Verluste für FPÖ +++ Nationalistische EU-Kritiker in in einigen großen Ländern vor Triumphen +++ Streit zwischen SPD- und AfD-Kandidaten in Rastatt +++ Alle Informationen im FAZ.NET-Liveblog:
          In diesem Haus in Essen führten die Behörden am vergangenen Freitag ein Razzia gegen „Al-Salam 313“ durch.

          Gegen Clans und Rocker : Kriminelle Vielfalt

          Die irakisch-syrische Bande „Al-Salam 313“ soll unter anderem in Rauschgiftschmuggel und Waffenhandel verwickelt sein. Deshalb gehen die Behörden nun verstärkt gegen sie vor. Die Kontakte reichen bis zu kriminellen Clans.

          Ibiza-Affäre : Aufnahme läuft

          Zur Herkunft des Ibiza-Videos bringt das ZDF wieder das „Zentrum für politische Schönheit“ ins Spiel. Die Aktivistengruppe dementiert. Als Drahtzieher der für die FPÖ-Politiker Strache und Gudenus aufgestellten Video-Falle hat sich der Anwalt Ramin M. eindeutig bekannt.
          Lewis Hamilton gewinnt das Rennen in Monte Carlo und denkt dabei an den verstorbenen Niki Lauda.

          Formel 1 in Monaco : „Das war das härteste Rennen meines Lebens“

          Weltmeister Lewis Hamilton muss alles aufbieten, um einen grandiosen Grand Prix zu gewinnen. Den Sieg widmet er Niki Lauda. Sebastian Vettel profitiert von einer Strafe. Gar nicht gut läuft es für den anderen Ferrari-Piloten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.