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Netzwerke in Hannover : Ein Nachmittag im Steintorviertel

Von Fromberg wandte sich in jenen Gründertagen an den Präventivrat von Hannover, trug vor, wie man das Steintorviertel befrieden und modernisieren könne. Im Februar 1999 schrieb er als Anwalt von Hanebuth und anderen Bordellbetreibern einen Brief an Oberbürgermeister Schmalstieg und Polizeipräsident Klosa. Er warb dafür, eine „ausländerrechtlich unbedenkliche Regelung“ für die Prostituierten zu finden. Sonst bestehe die Gefahr, dass eine Kontrolle nicht mehr möglich sei: „Die Bordellbetreiber werden also die Häuser verlassen, die Eigentümer werden neu vermieten oder verkaufen; es bedarf keiner großen Phantasie, um herauszufinden, wer dann in das hannoversche Steintor-Milieu einzieht.“ Von Fromberg beendete seinen Brief mit den Worten: „Ich möchte allerdings erreichen, Konflikte, die ich befürchte und deren Ursache ich erläutern kann, zu vermeiden. Das kann jetzt noch gelingen, viel Zeit bleibt aber nicht.“ Auch damals schon ein Friedensschluss.

Und noch einer: Hanebuth verhandelte im gleichen Jahr mit der mächtigsten Rocker-Gang der Welt. Mit den Hells Angels. Hanebuth sagt, er wollte über den Tellerrand schauen. „Profit- und Expansionsgründe“ nennt Bad Boy Uli das. Die Bones waren zwar Deutschlands mächtigste Motorradgang, aber die Hells Angels waren international.

Im November 1999 gab es eine Party im Clubhaus der Bones um Hanebuth. Sie legten ihre Kutten mit der Knochenhand ab und zogen sich die mit dem geflügelten Totenkopf über. „The World is not enough“, verkündeten die Hells Angels und feierten den Zusammenschluss mit einer Anzeige im Szenemagazin „Bikers News“. Das ist seit 1980 ein Sprachrohr der Rockerszene - seit es mit Udo Lindenberg auf dem Cover zum ersten Mal erschien. Danach waren meistens nackte Frauen drauf, an Motorrädern.

Die Gang war schon vor zehn Jahren die am schnellsten wachsende kriminelle Organisation auf der Welt. In Skandinavien und in Kanada hatten Hells Angels mit anderen Motorradgangs blutige Kriege ausgetragen. Mehr als 100 Personen waren dabei getötet worden. Es ging um die Herrschaft über Prostituierte und Drogen.

„Ich bin kein anderer Mensch geworden, nur weil ich ein Angel bin“, sagt Hanebuth. 2000 kam der erste Club in das Steintorviertel, das erste glitzernde Steinchen der kleinen Amüsiermeile, auf der regelmäßig auch große Feste gefeiert werden, mit Zehntausenden, organisiert von Hanebuth, überwacht von seinem schon 1993 zusammen mit dem Bordellbetreiber und Rocker Wolfgang Heer gegründeten Sicherheitsdienst „GAB-Security“. Diese Männer hat Hanebuth überall im Quartier vor den Türen stehen. Und wieder: Wer sich mit einem anlegt, legt sich mit allen an.

Im November 2000 durchsuchten 400 Polizisten 29 Bordelle, Wohnungen und Firmen in Norddeutschland. Frank Hanebuth und sechs weitere Männer wurden festgenommen. Ihnen wurden Körperverletzung, Erpressung, Menschenhandel und Zuhälterei vorgeworfen. Im August 2001 mussten sich die Männer vor dem Landgericht Hamburg verantworten. Laut Anklage war der Hamburger Zuhälter S. Mitglied der Hells Angels in Hannover geworden. Die Männer schleusten Frauen aus Osteuropa, Thailand und Südamerika ein, nahmen ihnen die Pässe ab, zwangen sie zur Prostitution, versklavten sie. Innerhalb eines knappen Jahres nahmen die geständigen Angeklagten einen zweistelligen Millionenbetrag ein.

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