https://www.faz.net/-gpf-7nvsu

Nebeneinkünfte : Mißfelders kaffeetischgroße Bilderbuchkarriere

  • -Aktualisiert am

Verstehen sich glänzend: Philipp Mißfelder und Verleger Hendrik teNeues im Jahr 2010 Bild: ddp images / Steffens

Philipp Mißfelders politischer Aufstieg lässt auf sich warten, doch bei den Nebenverdiensten ist er schon vorne mit dabei. Wobei er den Hochglanzverleger teNeues genau berät, lässt er lieber offen.

          Nach den Maßstäben des Deutschen Bundestages ist Philipp Mißfelder immer noch ein junger Mann. Im Sommer wird er 35 Jahre alt. Er ist damit noch in dem Alter, in dem andere politische Aktivisten Mitglied einer der Jugendorganisationen der Parteien sind. Mißfelder war Mitglied der Schüler Union. Er ist Vorsitzender der Jungen Union. Seinem politischen Werdegang nach aber gehört Mißfelder schon zu den Altvorderen des politischen Betriebes in Berlin.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Mißfelder war 20 Jahre alt, als er – über die Schüler Union kooptiert – erstmals Mitglied des CDU-Bundesvorstands wurde. Das war im Jahr 1999. Wolfgang Schäuble war CDU-Vorsitzender. Helmut Kohl war noch Ehrenvorsitzender der Partei. Angela Merkel war Generalsekretärin. Mißfelder gehört noch heute dem Parteivorstand an. Die Zahl derer, die damals – 1999 – schon dabei waren und heute noch sind, lässt sich an einer Hand abzählen. Seit 2008 gehört Mißfelder dem engeren Kreis der Parteiführung an – dem CDU-Präsidium. Mitglied des Bundestages ist er seit 2005.

          Beliebt ist er nicht

          Auf Parteitagen erhält Mißfelder regelmäßig nicht gute, eigentlich sogar schlechte Wahlergebnisse. Das zeigt: Er ist zwar immer dabei – beliebt aber ist er nicht. Die Leute halten ihn für einen Karrieristen, der von nichts anderem etwas verstehe als von Politik – genauer: von deren Kungeleien. Weil er auch nach der CDU-Spendenaffäre 1999/2000 zu Helmut Kohl hielt, gern auch am Tisch des Altkanzlers saß, sagten sie ihm nach, er sehe sich als Kohls „Enkel“ an, der nur darauf warte, wie sein großes Vorbild dereinst ins Kanzleramt einzuziehen.

          Im Gegensatz zu einigen seiner Vorgänger im Vorsitz der Jungen Union zählte er sich in der Gesellschaftspolitik eher zum konservativen Teil der CDU. In der Sommerpause des Jahres 2003 brachte Mißfelder die Republik in Wallung. Der Zeitung „Der Tagesspiegel“ sagte der da gerade 24 Jahre alte junge Mann: „Ich halte nichts davon, wenn 85-Jährige noch künstliche Hüftgelenke auf Kosten der Solidargemeinschaft bekommen.“ Es klinge zwar hart, aber es sei so: „Früher sind die Leute auch auf Krücken gelaufen.“ Der sogenannte Blätterwald rauschte. Ein paar Jahre später erschien in der Zeitschrift „Der Spiegel“ ein Artikel über ihn, der ihm noch heute als „Totalverriss“ erscheint.

          Ganz Berlin gluckste vor Lachen

          „Der Schattenmann“ war er überschrieben. „Er denkt, dass seine Wahlchancen besser sind, wenn er als kanzlertreu dasteht. Also lobt er jetzt Merkel, wo er kann“, stand darin. Wie er sich fühle? „Wie der Pofalla“, wurde Mißfelder zitiert. Ganz Berlin gluckste vor Lachen. Es war ein hämisches Lachen. Doch zu den von Merkel Geförderten gehört er nicht. Zur Entourage der Kanzlerin schon gar nicht. Mißfelder stammt aus Gelsenkirchen im Ruhrgebiet. Das Ruhrgebiet aber ist nicht schwarz. Das Ruhrgebiet ist rot. Seit 2005 kandidiert Mißfelder in Recklinghausen für den Bundestag.

          In den guten Zeiten der SPD, dem Wahlkampf 1980 etwa zwischen dem Kanzler Helmut Schmidt und dem CSU-Herausforderer Franz Josef Strauß, kamen SPD-Kandidaten in Mißfelders Wahlkreis-Heimat auf 55 Prozent der Erststimmen. Selbst zuletzt noch, als die SPD bundesweit nicht mehr 43, sondern nur noch 26 Prozent der Stimmen erhielt, können sich ihre Kandidaten in Recklinghausen über 45 Prozent der Erststimmen freuen und ihrer Wahl sicher sein.

          Weitere Themen

          Conway sorgt für nächsten Eklat Video-Seite öffnen

          Trump-Beraterin : Conway sorgt für nächsten Eklat

          Die Seniorberaterin des Weißen Hauses, Kellyanne Conway, verteidigt den amerikanischen Präsidenten auf denkwürdige Weise. Während einer Pressekonferenz fragt sie einen der Reporter nach seiner ethnischen Herkunft, um Trumps Äußerungen zu verteidigen.

          Topmeldungen

          Missbrauchsfall Lügde : Angeklagter zu Bewährungsstrafe verurteilt

          Der Mann soll nicht direkt an dem Missbrauch beteiligt gewesen sein, sondern per Webcam zugeschaltet. Ein Gutachter hatte ihn für voll schuldfähig erklärt. Die Vorsitzende Richterin nannte die Taten „schäbig und menschenverachtend“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.