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Nebeneinkünfte : Mißfelders kaffeetischgroße Bilderbuchkarriere

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Als „Sohn eines Stahlarbeiters“ geboren

Niemals in seinem Leben wird Mißfelder eine Chance haben, über seinen Wahlkreis in Recklinghausen in den Bundestag gewählt zu werden – obwohl er doch einst als „Sohn eines Stahlarbeiters“ geboren wurde. 1979 war das. Mißfelder ist auf eine ordentliche Plazierung auf der Landesliste angewiesen. Das heißt: Unsicherheit, Rücksichtnahmen auf andere CDU-Bezirke und auf das Führungspersonal.

Norbert Lammert etwa, der aus Bochum kommende Bundestagspräsident, ist auch auf die Landesliste angewiesen. Mißfelder aber schien als Abgeordneter auf berufliche Sicherheit zu setzen. Sein Studium der Geschichte schloss er 2008 mit dem Magister ab. Es heißt, die Heimatpresse habe sich dafür interessiert, weil er nicht der erste Jungpolitiker gewesen wäre, der sich zwischen Studium und Politik für die Politik entschieden hätte.

Mißfelder weiß, dass die durchschnittliche Verweildauer von Politikern im Bundestag bei nur wenig mehr als acht Jahren – also gut zwei Wahlperioden – liegt. „Das Bundestagsmandat ist auf Zeit und nicht zu verwechseln mit einem Beruf“, sagt er – auch wenn er offenkundig anderes anstrebt.

Ein überaus lukrativer Vertrag

Während seiner ersten Jahre im Bundestag – als Student – kam er in Kontakt mit Hendrik teNeues. Der steht mit seinem Bruder Sebastian einem gleichnamigen Verlag vor – einem 1931 gegründeten Familienunternehmen in Kempen am Niederrhein. Anders als Missfelder ist Hendrik teNeues ein ziemlich glamouröser Mann. Sowohl in der Klatschpresse als auch bei sogenannten Society-Veranstaltungen kann man den mit Stephanie Gräfin Bruges von Pfuel liierten teNeues öfter sehen.

Der Verlag teNeues ist ein Familienunternehmen mit Tochtergesellschaften in London, New York, Paris und auch Berlin und insgesamt 130 Mitarbeitern. Bei teNeues erscheinen sehr aufwendig und sorgfältig produzierte Kunstdrucke, Fotobände und Kalender. International erfolgreiche Fotografen wie Tim Walker, Elliot Erwitt oder Matthew Rolston arbeiten mit teNeues zusammen. Die exquisitesten Produkte erscheinen in der „Collector’s Edition“. Es handelt sich dabei um kaffeetischgroße Fotobücher über Landschaften, schöne Frauen oder aussterbende Völker.

Die limitierten Kunstwerke sind von den Künstlern signiert und kosten schon mal 2000 oder gar 6500 Euro. Insgesamt drängt sich der Eindruck auf, dass der Verlag auch ohne die Hilfe eines CDU-Mannes aus der zweiten Reihe recht ordentlich funktionieren würde. Wie dem auch sei: Mißfelder erhielt von teNeues einen überaus lukrativen Vertrag.

Er entwickele Konzepte und Buchprojekte – mit anderen

„Ich bin seit 2008 als strategischer Berater der Verlagsleitung tätig. Unter anderem bin ich Projektleiter einer Buchreihe und im Bereich Corporate Publishing Projekte der Berliner Tochtergesellschaft innerhalb Deutschlands aktiv“, antwortet Mißfelder auf Anfrage dieser Zeitung. Corporate Books von teNeues dienen Unternehmen wie etwa Ferrari, Porsche, Cartier, Swarowski oder Dior als exklusive PR- und Marketinginstrumente. Die Luxus-Werbekataloge sollen dazu beitragen, eine „Marke dauerhaft und sehr hochwertig im Gedächtnis ihrer Schlüsselkunden und Multiplikatoren zu inszenieren“, wie es von TeNeues heißt. Die Reihe welcher Luxusmarke Mißfelder betreut, teilt er nicht mit.

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