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Naturschutz und Menschenrechte : Der WWF kämpft um seinen Ruf

WWF-Ballon über dem Amazonas (Archivbild von 2006) Bild: AFP

Die Naturschutzorganisation lässt ihren Umgang mit Menschenrechten durchleuchten. Hatten die immer „oberste Priorität“? Daran gibt es Zweifel. An diesem Mittwoch sollen erste Ergebnisse vorliegen.

          Die größte Naturschutzorganisation der Welt muss derzeit Vorwürfe aufklären, dass von ihr unterstützte Antiwilderereinheiten in Entwicklungsländern die einheimische Bevölkerung terrorisiert haben. Die schlimmsten Fälle betreffen Tötungen, Folter und Vergewaltigungen vor allem im Salonga-Nationalpark in der Demokratischen Republik Kongo. In Nepal geht es um den Einsatz von Waterboarding gegen mutmaßliche Wilderer mit tödlichen Folgen. Die Fälle hatten weltweit Aufmerksamkeit erregt, als Anfang März die Website „Buzzfeed“ und die „Kathmandu Post“ darüber berichteten.

          Stefan Tomik

          Redakteur in der Politik.

          Derzeit laufen dazu parallel zwei Untersuchungen: Der WWF International lässt die in den Medien vorgebrachten Fälle von einer Anwaltskanzlei aufarbeiten und von einer Expertenkommission bewerten; der WWF Deutschland hat den früheren Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung und FDP-Bundestagsabgeordneten Markus Löning engagiert. Er soll untersuchen, ob der deutsche Ableger der Organisation seiner Verantwortung gerecht wird. An diesem Mittwoch will der WWF Ergebnisse eines ersten Zwischenberichts von Löning veröffentlichen.

          Für die Organisation steht viel auf dem Spiel. Im vergangenen Jahr nahm das weltweite Netzwerk rund 750 Millionen Euro ein, mehr als die Hälfte stammt von individuellen Spendern. Allein der deutsche Ableger hat mehr als 600.000 Förderer. Die Bundesregierung unterstützte den WWF im vergangenen Geschäftsjahr mit fast 24 Millionen Euro.

          „Kluft zwischen Verpflichtungen und Realität“

          Die nun bekanntgewordenen Fälle folgen alle einem ähnlichen Muster: In zahlreichen Nationalparks rüstet der WWF Wildhüter aus und trainiert sie. Mitunter zahlte er sogar ihre Gehälter oder Prämien. Während der WWF betont, nie Waffen oder Munition zu finanzieren, ist es allseits akzeptiert und erwünscht, dass diese Ranger bewaffnet sind. Sie streifen manchmal tagelang durch die Wildnis und sollen, teils zusammen mit Polizei oder Militär, Wilderei verhindern. Die Wildhüter gehen einer mitunter gefährlichen Tätigkeit nach, wenn sie bewaffneten Banden nachstellen. Allerdings kommt es nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen seit Jahren immer wieder auch zu Übergriffen auf unbeteiligte Dorfbewohner am Rande der Nationalparks und vor allem auf Menschen, die vom Wald leben und aufs Jagen, Fischen und Sammeln angewiesen sind. Aus dem Salonga-Park wurden zunächst sechs besonders schlimme Fälle bekannt. Im August 2015 sollen Ranger einen Mann, der illegal gefischt hat, auf einem Dorfplatz gefoltert haben, um vor den Bewohnern ein Exempel zu statuieren.

          Der WWF arbeitet in vielen Entwicklungsländern in einem schwierigen Umfeld. In einigen Gebieten treiben Rebellen ihr Unwesen, Korruption ist weit verbreitet, es gibt verfeindete Gruppen und lange schwelende ethnische Konflikte. Auch sind die Wildhüter formell den Behörden der jeweiligen Staaten unterstellt, ihr Handeln kann dem WWF also nicht direkt angelastet werden. Doch die Unterstützung geht schon so weit, dass in den Augen vieler Einheimischer WWF und staatliche Behörden zu einer Truppe verschwimmen. Die Organisation trägt jedenfalls eine menschenrechtliche Sorgfaltspflicht, und zwar „nicht nur für das eigene Handeln, sondern auch für die Zusammenarbeit mit Dritten“, wie Löning kürzlich in einem Blogbeitrag schrieb, also mit den Partnerstaaten in Afrika und Asien. Eine zentrale Frage ist daher, was der WWF unternommen hat und unternimmt, um drohende Menschenrechtsverletzungen zu verhindern oder geschehene aufzuklären. Ist er seiner Pflicht nachgekommen, regelmäßig die (potentiellen) Auswirkungen seiner Arbeit auf Menschenrechte zu untersuchen? Welche konkreten Maßnahmen zu ihrem Schutz hat er ergriffen?

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