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Nato verliert Vertrauen : Die Deutsche Marine ist auf Grund gelaufen

  • -Aktualisiert am

Neue Schiffe, neues Konzept

Vor zwölf Jahren hat der Bundestag die Beschaffung von vier Fregatten des Typs F-125 beschlossen. Die Klasse F-125 wurde in einer Zeit konzipiert, als die Marine vor allem in Stabilisierungsoperationen wie am Horn von Afrika geschickt wurde. Das Schiff verfügt deshalb nicht über eine eigene Komponente zur U-Boot-Jagd und auch nicht über eine weitreichende Flugkörperabwehr. Dafür kann es aber zwei Jahre lang in einem Einsatzgebiet operieren. Die anderen Fregatten der Bundeswehr müssen wesentlich früher in die Heimat zurückkehren.

Mit dem neuen Schiffskonzept soll es auch ein neues Besatzungskonzept geben. Die bisherige Linie, wonach jedes Schiff seine eigene Crew hat, wird aufgegeben. Für die vier Fregatten soll es acht Besatzungen geben, von denen jede auf jedem Schiff eingesetzt werden kann. Ziel ist es, ständig zwei Fregatten gleichzeitig in den Einsatz schicken zu können und alle vier Monate die Crew zu wechseln. Derweil soll das dritte Schiff in der Werft überholt werden, während das vierte zur Ausbildung genutzt wird.

Doch das ist nur Theorie. Die „Baden-Württemberg“, das erste Schiff der Klasse F-125, sollte nach der ursprünglichen Planung vor viereinhalb Jahren in Dienst gestellt werden. Bis heute hat die Marine aber keine einzige der neuen Fregatten übernommen, weil sich bei der Erprobung zahlreiche technische Mängel ergeben hatten. Das Herstellerkonsortium ThyssenKrupp Marine Systems und Lürssen arbeitet seit Jahren daran, die Probleme in den Griff zu bekommen.

Das ist allerdings nicht der einzige Grund, weshalb die Marine ihr neues Schiff noch nicht einsetzen kann. Sie trägt auch selbst erhebliche Schuld daran, dass sie auf lange Sicht nicht genügend moderne Kriegsschiffe verfügbar hat. Die Ursachen dafür hat vor kurzem der Bundesrechnungshof in einem internen Prüfbericht beschrieben.

Besatzungen fehlt die Ausbildung

Danach habe die Marine versäumt, bei der Beschaffung der Fregatten zeitgerecht ein detailliertes Ausbildungskonzept zu erarbeiten. Das hat gravierende Folgen. Dem Bundesrechnungshof zufolge könne etwa bis zum Jahr 2030 nur eine eingeschränkte Ausbildung der Besatzungen erfolgen. Dies wiederum hat zur Konsequenz, dass nicht, wie geplant, dauerhaft zwei Schiffe gleichzeitig eingesetzt werden können, sondern allenfalls eines.

In Marine-Kreisen wird dieser Befund bestätigt. Es sei davon auszugehen, dass die neuen Fregatten in den kommenden zehn Jahren nicht so effizient genutzt werden können, wie es geplant war, sagt ein ranghoher Marine-Offizier. Damit stehen die Seestreitkräfte künftig vor einem neuen Problem. Wenn Ende 2020 alle vier Fregatten F-125 gebaut sind, hat die Marine zwar genügend Schiffe, aber zu wenig einsatzfähige Besatzungen. Bisher war es umgekehrt.

Es gibt mehrere Gründe, wie es dazu kommen konnte. Im Beschaffungsvertrag für die Schiffe spielte es keine Rolle, dass die Marine für den neuen Schiffstyp auch neue Ausbildungsanlagen benötigen würde. Erst im Jahr 2015 machte sich die Bundeswehr daran, ein Ausbildungszentrum zu planen. Das Gebäude gibt es aber noch nicht.

Das liegt nicht allein an der Bundeswehr. Für Infrastrukturmaßnahmen auf Militärstützpunkten sind die Baubehörden der Länder zuständig. Doch bei den Behörden, so heißt es bei der Marine, fehlten die personellen Kapazitäten. Mit der kompletten Fertigstellung sei nicht vor 2028 zu rechnen. Bis dahin muss die Ausbildung der Besatzungen direkt auf den Schiffen erfolgen, die dann nicht für Einsätze zur Verfügung stehen.

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