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Nationalsozialismus : BND öffnet Akten über NS-Verbrecher

Antwortbrief der Zentralen Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen auf eine Anfrage des Bundesnachrichtendienstes über BND-Mitarbeiter (vom 10. Januar 1964) Bild:

Der Bundesnachrichtendienst hat erstmals geheime Akten freigegeben, die belegen, in welchem Umfang sich der BND ehemaliger Handlanger des NS-Regimes bedient hat. Diese hatten an Massenerschießungen und der Verfolgung von Hitler-Gegnern mitgewirkt. Akten, die der F.A.Z. vorliegen, zeigen, dass eine interne Säuberung dieses Treiben beschränkte.

          Der Bundesnachrichtendienst hat erstmals geheime Akten freigegeben, die belegen, in welchem Umfang sich der Auslandsgeheimdienst bis in die siebziger Jahre ehemaliger Handlanger des nationalsozialistischen Terrorapparats bedient hat. Zugleich wurden einzelne Akten und Berichte über eine dienstinterne Säuberung zugänglich gemacht, mit der dieses Treiben beschränkt wurde.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Mitte der sechziger Jahre trennte sich der Dienst von mehreren Dutzend ehemaligen Angehörigen des Reichssicherheitshauptamtes, der Gestapo, des Sicherheitsdienstes (SD) und der Geheimen Feldpolizei wegen „nachweisbarer Teilnahme an NS-Gewaltdelikten“, so der BND. Die Ermittlungen führte ein damals zweiunddreißig Jahre alter BND-Mitarbeiter. Akten zur Arbeit einer sogenannten Organisationseinheit 85 des BND wurden erstmals auch bei der Zentralen Stelle in Ludwigsburg zugänglich gemacht und liegen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vor.

          Versuche des BND-Präsidenten Ernst Uhrlau, eine systematische Aufarbeitung der Geschichte des Nachrichtendienstes auf den Weg zu bringen, sind bisher gescheitert. Uhrlau hatte ein solches Vorhaben 2006 angekündigt, das Kanzleramt, heißt es, habe „massive sicherheitliche Bedenken“ gehabt. Gegenüber der F.A.Z. teilte das Kanzleramt am Mittwoch mit, der BND werde aber „aktiv unterstützt“ und ermutigt, in eigener Verantwortung weitere Schritte zur Aufarbeitung seiner Geschichte zu unternehmen. 2010 stünden dafür, so das Kanzleramt, 500.000 Euro zur Verfügung.

          Reinhard Gehlen, erster BND-Präsident, leitete 1963 interne Überprüfungen ein

          Im Jahr 1960 hatte der Bundesnachrichtendienst 2450 Mitarbeiter, davon waren wenigstens 200 Personen zuvor im Befehlsbereich Heinrich Himmlers tätig. Die späteren BND-Mitarbeiter hatten zwischen 1933 und 1945 in unterschiedlichen Funktionen vom einfachen Polizeiobersekretär bei der Gestapo bis zum Range eines SS-Oberführers an der Ermordung von Millionen europäischer Juden, an Massenerschießungen sowie an der Verfolgung von Hitler-Gegnern mitgewirkt. Nach oberflächlicher „Entnazifizierung“ und Beschönigung ihrer Lebensläufe fanden sie im Spionagekrieg gegen die Sowjetunion neue Verwendung. Die Einstellungen erfolgten meist mit Billigung oder Duldung des amerikanischen Geheimdienstes.

          Einen ausführlichen Bericht über die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit durch den Bundesnachrichtendienst lesen Sie in der F.A.Z. vom Donnerstag, dem 18. März.

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