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Nationales Cyber-Abwehrzentrum : Friedrich warnt vor Hacker-Angriffen

Für bessere Koordination - Bundesinnenminister Friedrich vor dem Präsidenten des BSI Michael Hange Bild: dpa

Durch immer mehr Angriffe von Hackern drohen erhebliche Störungen der öffentlichen Sicherheit und andere dramatische Folgen. In Bonn wurde nun das nationale Cyber-Abwehrzentrum eröffnet.

          Nach der Häufung von Hackerangriffen auf staatliche Stellen und große Unternehmen dringt die Bundesregierung auf einen verbesserten Schutz der Informationstechnik zentraler öffentlicher und privater Einrichtungen. „Wir müssen feststellen, dass die Gefahr von Angriffen auf diese Systeme zunimmt“, sagte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) bei der offiziellen Eröffnung des Nationales Cyber-Abwehrzentrums in Bonn.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Es drohten erhebliche Störungen der öffentlichen Sicherheit und andere dramatische Folgen, wenn wichtige Infrastruktur wie Energie- und Wasserversorgung, Telekommunikation oder Banken und Versicherungen durch Internet-Attacken lahmgelegt würden. „Die digitale Vernetzung macht unsere Computersysteme verwundbar“, sagte Friedrich. Zuletzt habe der Hackerangriff auf den französischen Atomkonzern Electricité de France (EdF) gezeigt, dass auch die IT-Systeme „kritischer Infrastrukturen“ Ziel von Cyberangriffen seien.

          Zahlreiche weitere Fälle haben in den vergangenen Wochen für Aufregung gesorgt, darunter Attacken auf sensible Finanzdaten des Internationalen Währungsfonds und auf die Computersysteme des amerikanischen Rüstungskonzerns Lockheed Martin. Direkt betroffen sind Millionen von Bundesbürgern durch den Diebstahl von Kundendaten des Sony-Konzerns und einer Gewinnspielplattform von Neckermann.

          Gefahr aus dem Netzwerkkabel: „Immense Schäden” durch Cyber-Angriffe möglich.

          „Wir setzen unsere präventive Sicherheitspolitik fort“

          Auch Bundeseinrichtungen geraten immer häufiger ins Visier von Hackern. Nach Angaben des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) werden täglich vier bis fünf gezielte Angriffe auf staatliche Informationsnetze registriert. Wie der am Donnerstag vorgestellte Lagebericht des BSI zeigt, sind zwar die Spam-Zahlen gesunken.

          Auch das Phishing, bei dem Kriminelle mit Hilfe gefälschter Websites versuchen, Kundendaten abzugreifen, habe abgenommen. Insgesamt habe sich die Lage aber verschärft, sagte BSI-Präsident Michael Hange. Es zeige sich eine neue Qualität technisch ausgefeilter, zielgerichteter Angriffe, hinter denen zum Teil sogar offizielle Stellen ausländischer Staaten oder Unternehmen mit dem Ziel der Wirtschaftsspionage vermutet werden.

          Die Bundesregierung hat auf die zunehmende Bedrohung mit der im Februar beschlossenen Cyber-Sicherheitsstrategie reagiert und das neue Cyber-Abwehrzentrum ins Leben gerufen. „Wir setzen damit unsere präventive Sicherheitspolitik fort“, sagte Friedrich. Das Cyber-Abwehrzentrum ist keine neue Behörde, sondern dient als Plattform für den Informationsaustausch zwischen mehreren Bundesämtern. Es soll die Schutz- und Abwehrmaßnahmen staatlicher Stellen koordinieren und gemeinsame Handlungsempfehlungen ausarbeiten.

          Cyber-Abwehrzentrum als „Verpackung ohne Inhalt“?

          Die Federführung liegt beim BSI, dessen Präsident Hange deshalb auch als Sprecher des Zentrums auftritt. Zugleich stellt das BSI sechs der bisher zehn festen Mitarbeiter. Die übrigen kommen vom Bundesamt für Verfassungsschutz und dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.

          Als „assoziierte Behörden“ arbeiten das Bundeskriminalamt, die Bundespolizei, das Zollkriminalamt, der Bundesnachrichtendienst und die Bundeswehr mit der neuen Einrichtung zusammen. In einem nächsten Schritt müssten die Wirtschaftsunternehmen eingebunden werden, sagte Hange. Immerhin befänden sich 80 Prozent der kritischen Infrastruktur in privaten Unternehmen. Friedrich kündigte eine „offene und transparente Zusammenarbeit“ mit der Wirtschaft an.

          Die SPD kritisierte das Cyber-Abwehrzentrum als „Verpackung ohne Inhalt“, so ihr stellvertretender innenpolitischer Sprecher Michael Hartmann. Es sei mehr gut ausgebildetes Personal notwendig. Auch Polizeigewerkschaften verlangten weitergehende Schritte gegen die wachsende Bedrohung durch die Internet-Kriminalität.

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