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Debatte über Luftschadstoffe : Nationalakademie Leopoldina sieht Fahrverbote kritisch

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Die Wissenschaftler fordern eine „nachhaltige Verkehrswende“. Bild: dpa

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hat ihren Bericht über Grenzwerte für Luftschadstoffe vorgelegt. Demnach soll sich die Politik mehr auf Feinstaub als auf Stickstoffdioxid konzentrieren – und eine „nachhaltige Verkehrswende“ einleiten.

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          Im Streit über Grenzwerte für Luftschadstoffe hat die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina am Dienstag in Berlin ihre Empfehlungen bekanntgegeben. Die Bundesregierung hatte die Akademie eingeschaltet, um die bisweilen heftig geführte Debatte über Fahrverbote und deren wissenschaftlichen Grundlagen zu versachlichen. In dem Abschlussbericht der Leopoldina heißt es nun, die derzeitige Verengung der Debatte auf Stickstoffdioxid sei nicht zielführend. Denn Feinstaub sei deutlich schädlicher für die Gesundheit. Daher plädieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dafür, die Anstrengungen zur Luftreinhaltung auf die Feinstaub-Reduktion zu konzentrieren.

          Stickstoffoxide könnten die Symptome von Lungenerkrankungen wie Asthma verschlimmern und trügen zur Bildung von Feinstaub und Ozon bei, heißt es in dem Bericht. Feinstäube könnten unter anderem Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauf-Krankheiten und Lungenkrebs verursachen.

          Feinstaub hat viele Quellen

          In der Stellungnahme „Saubere Luft ‒ Stickstoffoxide und Feinstaub in der Atemluft: Grundlagen und Empfehlungen“ wird allerdings darauf verwiesen, dass es weder für Stickstoffdioxid noch für Feinstaub möglich sei, eine exakte Grenze zu definieren, unterhalb derer keine Beeinträchtigung der Gesundheit zu erwarten ist. Das erschwere die Abwägung zwischen vorsorgendem Gesundheitsschutz und gesellschaftlichen Kosten, so die Wissenschaftler. Aus epidemiologischen Untersuchungen könnten verschiedene, einander ergänzende Maßzahlen für die gesundheitliche Belastung berechnet werden, zum Beispiel der Verlust von Lebenszeit durch das Einatmen von Schadstoffen.

          Vorstellung der Empfehlungen in Berlin: Der Direktor des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz Jos Lelieveld, der frühere Präsident des Bundesinstituts für Materialforschung Manfred Hennecke und der Vizepräsident der Leopoldina Martin Lohse

          Im Straßenverkehr sind Verbrennungsmotoren nicht die einzige Quelle für Feinstaub. Er wird auch durch Abrieb von Reifen, Straßenbelag und Bremsbelägen erzeugt. Zur Belastung tragen auch Verbrennungsprozesse in Haushalten, Landwirtschaft und Industrie bei. Einige dieser Bereiche seien bisher nicht gesetzlich geregelt. Die Vielfalt teils auch kleiner Verursacher von Feinstaub und anderen Luftschadstoffen mache eine bundesweite ressortübergreifende Strategie zur Luftreinhaltung erforderlich, formulieren die Wissenschaftler. „Kurzfristige oder kleinräumige Maßnahmen“ wie Fahrverbote halten sie dagegen für weniger erfolgversprechend.

          Die Messungen von Stickstoffdioxid und Feinstaub sind genormt, die Aufstellung der Messstationen ist gesetzlich geregelt. In der Stellungnahme verweisen die Forscher aber darauf, dass auch kleine Änderungen der Aufstellungsorte, die innerhalb gesetzlicher Spielräume liegen, bereits zu unterschiedlichen Ergebnissen führen können. In verschiedenen Staaten würden die Stationen jedoch anders aufgestellt, weshalb die Ergebnisse nur schwer miteinander verglichen werden könnten. Die Stellungnahme empfiehlt deshalb weitere Harmonisierungen der Messtechniken und Aufstellungsbedingungen.

          Der Straßenverkehr sei nur eine der Quellen von Luftschadstoffen, heißt es. Er führe aber neben weiteren Belastungen vor allem zur Emission von Treibhausgasen. Deutschland werde seine internationalen Verpflichtungen zur Reduktion von Treibhausgasen nur mit einer nachhaltigen Verkehrswende erreichen können, wird in der Stellungnahme betont. Diese erfordere die Entwicklung von weiteren emissionsarmen Formen der Mobilität. Eine nachhaltige Verkehrswende werde nicht nur verkehrsbedingte Belastungen mindern, sondern könne auch die Wirtschaft voranbringen.

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