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Versöhnung mit Namibia : Völkermord – aber kein Zahlungs-Anspruch

Ein Denkmal zur Erinnerung an den von deutschen Kolonialtruppen begangenen Völkermord an den Herero und Nama in Windhuk. Bild: dpa

Wenn die Schuld der Väter allzu glühend beschworen wird, so ist das moralische Selbstüberhöhung: Man wäscht sich von fernen Sünden rein und fühlt sich besser.

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          Es ist wichtig, die Dinge beim Namen zu nennen. Und wenn man aus der Geschichte lernen will, dann kann man es nicht einfach bei den Begriffen der vergangenen Epochen belassen. Aus heutiger Sicht waren zahlreiche Feldzüge und Eroberungen oder Maßnahmen, die in Geschichtsbüchern erwähnt werden, im Grunde nichts anderes als Massen- und Völkermorde.

          Es ist zudem richtig, historisches Unrecht auch heute noch politisch zu adressieren. Denn es hat Folgen, in jeder Hinsicht. Freilich bleiben Bitten um Vergebung und Zahlungen, wie sie im Zug der Zeit liegen und wie sie nun auch Deutschland mit Namibia nach jahrelangen Verhandlungen aufsetzen will, eine Gratwanderung.

          Wenn die Schuld der Vorväter, so groß sie auch war, heute allzu glühend beschworen wird, so hat das etwas von moralischer Selbstüberhöhung; man wäscht sich von fernen Sünden rein und fühlt sich besser. Dabei darf, auch wenn die Dinge schonungslos beim Namen genannt werden müssen, der historische Kontext nicht ausgeblendet werden. Die Nachfahren von Tätern und Opfern sind nicht ebenso Täter und Opfer. Aber als Staat muss Deutschland für sein historisches Unrecht Verantwortung übernehmen. Die Bundesregierung tut gut daran, umfangreich Hilfe zu leisten, am besten an jene, die es wirklich nötig haben, aber zugleich keinen Rechtsanspruch auf (weitere) Zahlungen anzuerkennen. Denn es geht um Versöhnung.

          Reinhard Müller
          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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