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Nachfolger von Werner Thissen : Stefan Heße wird neuer Hamburger Erzbischof

Der 48 Jahre alte Stefan Heße wird neuer Erzbischof von Hamburg Bild: Picture-Alliance

Die katholische Kirche in Norddeutschland hat ein neues Oberhaupt. Für das Erzbistum Hamburg ist die Bestellung eines Kölners gleichwohl ein kleiner Kulturschock.

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          Zehn Monate nach dem altersbedingten Amtsverzicht von Erzbischof Werner Thissen hat die katholische Kirche in Norddeutschland ein neues Oberhaupt. Wie am Montag offiziell bekannt gegeben werden soll, fiel die Wahl des Hamburger Domkapitels auf Stefan Heße, den 48 Jahre alten Generalvikar des Kölner Erzbischofs Rainer Maria Kardinal Woelki. Gemäß dem Kirchenrecht hat Papst Franziskus das Votum des Kapitels bestätigt und Heße umgehend zum Erzbischof von Hamburg ernannt. 

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Für Heße ist das der Fläche nach größte Bistum in Deutschland ebenso Neuland wie für die etwa 400.000 Katholiken im Norden die Aussicht, erstmals von einem Rheinländer durch und durch repräsentiert zu werden. Heße wurde in Köln geboren und studierte nach dem Abitur im Jahr 1986 in Bonn und Regensburg Theologie sowie Philosophie. Joachim Kardinal Meisner weihte ihn 1993 zum Priester. Nach vier Jahren als Kaplan in Bergheim zog Heße wieder nach Bonn. Meisner hatte seinen damaligen Sekretär Woelki mit der Leitung des Theologenkonvikts Collegium Albertinum betraut, Heße sollte ihn als Repetent unterstützen und in Katholischer Theologie promovieren.

          Rasanter Aufstieg

          Nach der Promotion und sechsjähriger Tätigkeit in der Priesterausbildung kehrte Heße nicht in die Gemeindeseelsorge zurück. Im Jahr 2003 wurde er Abteilungsleiter in der „Karriereschmiede“ des Erzbistums Köln, der Hauptabteilung Seelsorge-Personal des Generalvikariates. Heße genoss das Vertrauen Meisners, erwies sich aber nie als dessen Handlanger. Seit rasanter Aufstieg galt daher auch als Ausweis umsichtiger Personalplanung in der bedeutendsten Kirche in Deutschland und nicht als Ausdruck von Günstlingswirtschaft.

          2006 wurde Heße Personalchef  und stellvertretender Generalvikar, 2011 in das Kölner Domkapitel berufen, 2012 Generalvikar als Nachfolger von Dominik Schwaderlapp und nach dem Amtsverzicht Meisners im Februar vergangenen Jahres vom Domkapitel zum Diözesanadministrator gewählt. Als solcher leitete er das Erzbistum bis zur Neuwahl und der Amtseinführung des neuen Erzbischofs Rainer Maria Woelki. Dieser bestätigte Heße als seinen Generalvikar, nicht ahnend, dass er sich kaum ein halbes Jahr später nach einem neuen „alter ego“ umsehen muss.

          Ein kleiner Kulturschock

          Freilich hatte das Kölner Domkapitel Heße nicht alleine durch die Wahl zum Diözesanadministrator ausgezeichnet. Sein Name fand sich auch auf der Liste der drei Männer, die das Kapitel Papst Franziskus als möglichen Nachfolger Meisners vorschlug. So ist es keine Überraschung, dass Heße jetzt unter jenen drei Geistlichen war, die nach einem mehrmonatigen Kandidatenfindungsverfahren im Vatikan und dem Hamburger Domkapitel zur Wahl vorgeschlagen wurden. Allerdings fehlte es nach dem Amtsverzichts Meisners nicht an Stimmen, dass es nun gut sei mit dem Aufstieg Kölner Geistlicher in Bischofsämter. Immerhin waren in den vergangenen Jahren die Bischofsstühle von Würzburg (Hofmann, 2004), Hildesheim (Trelle, 2005), Berlin (Woelki, 2011) und Dresden (Koch, 2013) mit Kölner Weihbischöfen besetzt worden. 

          Für das Erzbistum Hamburg ist die Bestellung eines Kölners gleichwohl ein kleiner Kulturschock. Seit seiner Gründung im Jahr 1994 stand das Erzbistum, das die Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein sowie den Landesteil Mecklenburg umfasst, unter der Leitung zweiter Priester des Bistums Münster. Erster Erzbischof von Hamburg (nach dem mittelalterlichen Bistumsgründer Ansgar) wurde der aus dem westlichen Münsterland stammende Ludwig Averkamp. Dessen Nachfolger Werner Thissen stammte aus Kleve. Freilich leben in Hamburg schon jetzt Katholiken aus weit mehr als hundert Nationen, und das Viertel St. Georg hinter dem Hamburger Hauptbahnhof, in dem der Erzbischof neben dem Mariendom wohnen wird, ist schon jetzt so multikulti, dass ein Karnevalist wie Hesse nicht nur nicht stört, sondern eine Bereicherung sein wird.

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