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Nachfolge von Kurt Beck : Schwer ruht das Haupt, das eine Krone drückt

  • -Aktualisiert am

Wer kommt nach ihm? Kurt Beck, seit fast 18 Jahren Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz Bild: dapd

Wie Kurt Beck von der SPD unter Druck gesetzt wird, erinnert manche in Rheinland-Pfalz an Shakespeares Königsdramen. Drei Kandidaten sind für seine Nachfolge im Gespräch.

          In ihrem Kommentar zur Nachfolger-Debatte um Kurt Beck (SPD) fühlt sich die rheinland-pfälzische CDU-Oppositionsführerin Julia Klöckner offenbar an Shakespeares Königsdramen erinnert. Seine „Kronprinzenriege“ versuche den seit fast 18 Jahren als Ministerpräsident regierenden Beck aufs „Altenteil zu schicken“, um ihn dort als „Bad Bank“ für das Finanzdesaster am Nürburgring auszulagern. Ohne Beck könne die SPD dann so tun, als ob sie mit Projekt an der Rennstrecke nie etwas zu gehabt hätte: „Ob das Beck mit sich machen lässt, bleibt abzuwarten.“

          Thomas Holl

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online.

          Dass die vertraulichen Gespräche, die Beck derzeit über seine Nachfolge führt, zur Unzeit aus der SPD an die Medien durchgestochen wurden, scheint Julia Klöckners Verschwörungstheorie zu stützen. Doch trotz dieser wohl zur Druckerhöhung verbreiteten Indiskretion handelt Beck offenbar nicht als Getriebener seiner „Kronprinzen“, Innenminister Roger Lewentz und der SPD-Fraktionsvorsitzende Hendrik Hering sowie die „Kronprinzessin“, Bildungsministerin Doris Ahnen.

          Interner Wettbewerb um die Nachfolge Becks

          Welche Rolle sein Gesundheitszustand für den frühen Zeitpunkt der Nachfolgegespräche tatsächlich spielt, ist schwer abzuschätzen. Beck selbst hatte dies immer wieder als Hauptkriterium für sein Verbleiben im Amt bis 2016 angeführt. Der 63 Jahre alte Politiker, der sich als SPD-Bundesvorsitzender 2008 in Berlin von einem „Wolfsrudel“ eigener Genossen aus dem Amt gejagt fühlte, will seinen Rückzug so gestalten, dass anders als bei Shakespeare kein Blut fließt. Immer wieder wird in der SPD auch an das Schicksal der CDU erinnert, die den hässlichen Machtkampf um Bernhard Vogel 1988 drei Jahre später mit dem Gang in die Opposition bezahlt hat.

          Der Kronprinz mit den vielleicht besten Chancen: Roger Lewentz, Innenminister von Rheinland-Pfalz Bilderstrecke

          Alle in Frage kommenden Bewerber sollen deshalb einvernehmlich unter Moderation Becks einen gemeinsamen Kandidaten für seine Nachfolge als Landesvorsitzenden und Ministerpräsidenten finden, der dann den SPD-Gremien vorgeschlagen wird - so lautet der Plan. Einen internen Wettbewerb, wer als deutlich jüngerer Nachfolger auch mit Blick auf Siegeschancen bei Landtagswahlen in Frage kommt, hat Beck mit den drei immer wieder genannten SPD-Politikern Lewentz, Hering und Ahnen schon vor Jahren in Gang gesetzt. Nach der Landtagswahl Ende März 2011 beförderte er den 49 Jahre alten Lewentz vom Staatssekretär zum Innenminister. Als besondere Bewährungsprobe erhielt er die Zuständigkeit für das Nürburgring-Projekt. Der 47 Jahre alte Hering sollte sich nach dem Verlust des Wirtschaftsressorts als schlagkräftiger Vorsitzender der SPD-Fraktion profilieren. Die gleichaltrige Doris Ahnen behielt das Bildungsministerium, das sie schon seit mehr als zehn Jahren führt.

          Die „Kronprinzessin“ im Schatten ihrer Konkurrenten

          SPD-intern werden derzeit Lewentz die besten Chancen auf das Erbe Becks zugestanden. Als früherer SPD-Landesgeschäftsführer und Generalsekretär ist der Mann aus Lahnstein gut in der Partei vernetzt. Mit seiner leutseligen, freundlichen Art kommt er schnell mit Menschen ins Gespräch. Für Beck organisierte und entwarf er die Landtagswahlkampagnen 2001, 2006 und 2011. Als Minister, aber auch schon als Innenstaatssekretär zeigte der stets wie aus dem Ei gepellte Lewentz sein Faible für Fernsehauftritte als Krisenmanager. Mit Mails an Journalisten, aber auch in Debatten zeigte Lewentz, dass ihm der auch mit Boshaftigkeiten durchsetzte Schlagabtausch Spaß macht. Als Risiko könnte sich die finanzielle und rechtliche Dauerbaustelle Nürburgring erweisen, falls die Hiobsbotschaften unter Lewentz bis zur Wahl weitergehen.

          Genauso ehrgeizig und von sich selbst überzeugt wie Lewentz ist der Westerwälder Hering. Mitunter wirkt Hering blass und rhetorisch nicht immer auf der Höhe. Als Wirtschaftsminister setzte er die Politik seiner FDP-Vorgänger Brüderle und Bauckhage fort. Negativ hängt ihm seine Rolle beim Nürburging-Projekt an, wo er vor der Landtagswahl die jetzt in Ungnade gefallenen Pächter als Retter präsentierte.

          Im Schatten der beiden SPD-Männer segelte in der Nachfolgedebatte stets Doris Ahnen. Die Frau aus Trier kann auf gute Vergleichszahlen bei den bundesweiten Bildungstests und einen Schulfrieden ohne Streit um „G8“ verweisen. Allerdings verlor sie bei der Wahl ihr Direktmandat in Mainz.

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