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Nachfolge Kramp-Karrenbauers : Gift für die CDU

Annegret Kramp-Karrenbauer, Vorsitzende der CDU, äußert sich bei einer Pressekonferenz nach den Gremiensitzungen der CDU im Konrad-Adenauer-Haus. Bild: dpa

Die Frage, wer die Partei künftig führt, kann nicht erst in einem Dreivierteljahr beantwortet werden. Kramp-Karrenbauers Nachfolger droht allerdings erhöhter Verschleiß. Als Kanzlerkandidat muss er sich schon gegen die Kanzlerin profilieren.

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          Die Kritik endete nicht, die Partei folgte ihr nicht, die Kanzlerin wich nicht – es wäre verständlich gewesen, wenn Annegret Kramp-Karrenbauer so verbittert hingeschmissen hätte wie Andrea Nahles, der ebenfalls die eigenen Leute übel mitgespielt hatten. Es ehrt die CDU-Vorsitzende, dass sie bis Jahresende Nachfolge und Kanzlerkandidatur organisieren will. Nach dann zwei Dienstjahren sähe ihr Abgang auch nicht nach einer kopflosen Flucht aus. Doch wie soll ihr der Verzicht auf den Vorsitz jene Autorität und Unterstützung verschaffen, deren Fehlen sie zum Rückzug zwang? In einer Partei wird wie an der Börse die Zukunft gehandelt. Und in der Zukunft der CDU spielt „AKK“ keine Rolle mehr.

          Wer aber gibt dann den Ton an? Diese Frage kann die CDU, die zentrale Bedeutung für die politische Stabilität des Landes hat, nicht erst in einem Dreivierteljahr beantworten. In dieser Krise wäre faktische Führungslosigkeit Gift für die Partei. Sie braucht jetzt dringend jemanden, der sie eint und ihr wieder Orientierung gibt. Der Forderung Kramp-Karrenbauers, diese Person solle auch Kanzlerkandidat(in) sein, widerspricht nach den gemachten Erfahrungen kaum jemand. Doch jedem, der schon anderthalb Jahre vor dem Wahltermin zum Kandidaten ausgerufen wird, drohen auch lange Monate der Abnutzung. Die Verschleiß-Gefahr wäre sogar besonders groß, weil der Kandidat der Union – die CSU entscheidet mit – sich neben der Kanzlerin profilieren muss, die ihr politisches Lebenswerk verteidigt wie eine Löwin ihre Jungen. Kramp-Karrenbauer scheiterte auch daran. Merz, Spahn oder Laschet würden die Krallen nicht weniger zu spüren bekommen.

          Man darf gespannt sein, wie die CDU aus dieser Zwickmühle herauskommen will. Eine Lösung wäre ein baldiger Wechsel auch im Kanzleramt. Mit einem freiwilligen Abgang Merkels im Jahr der deutschen EU-Präsidentschaft ist jedoch kaum zu rechnen. Wahrscheinlicher erscheint eine Kohabitation des neuen CDU-Chefs mit der Kanzlerin, die dadurch verschärft wird, dass er als Kanzlerkandidat schon mit der scheidenden Amtsinhaberin konkurrieren muss.

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