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Randale in Chemnitz : Die Wut des rechten Mobs

Zu den Gründen für die Auseinandersetzung kann die Staatsanwaltschaft am Montag noch keine Angaben machen. Derzeit würden zahlreiche Zeugenaussagen ausgewertet, sagt eine Sprecherin. 

Doch all diese Differenzierungen können den Volkszorn im Netz nicht beschwichtigen. „Danke Deutscher Ehrenmann. Ich verneige mich vor dir. Sachsen wird sich für dich erheben“, kommentiert am Sonntagnachmittag in der Facebook-Gruppe „Heimat und Tradition Chemnitz Erzgebirge“ einer einen Post, auf dem das vermeintliche Opfer des Streits zu sehen war. Unter einem weiteren Post, der für diesen Montagabend zu einem öffentlichen Gedenken am Chemnitzer Karl-Marx-Monument aufruft, schreibt ein anderer: „Bei allem Respekt aber wir brauchen keine Kerzen oder bunte Fahnen sondern große Knüppel und endlich mal paar Leute wie früher die auch mal auf die Straße gehen, nicht nur um zu pfeifen und zu singen sondern das (sic!) hier endlich mal was losgeht.“ Viele Beiträge lesen sich so: Jetzt reicht es, jetzt müssen wir Deutschen uns wehren und „endlich aufräumen“.

Szenen wie aus einem Kampfgebiet

Was viele unter diesem „Aufräumen“ verstehen, machen sie am Sonntagnachmittag deutlich, als Chemnitz nach Berichten von Augenzeugen teils einem Kampfgebiet gleicht. Nachdem eine Demonstration von AfD-Anhängern gegen 15 Uhr nach Polizeiangaben zunächst störungsfrei verläuft, versammeln sich ab 16.30 Uhr rund tausend Menschen am Karl-Marx-Monument in der Innenstadt und folgen damit offenbar auch Aufrufen wie dem von „Heimat und Tradition Chemnitz Erzgebirge“ und rechten Gruppierungen wie „Kaotic Chemnitz“ aus der Fußball-Hooliganszene um den Chemnitzer FC.

Der Mob zieht durch die Stadt, immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten und der Polizei, die nach einem Bericht von „Spiegel online“ anfangs nur mit zwei Einsatzzügen vor Ort ist – und damit in einem „deutlichen Missverhältnis“ zu den Demonstranten. Nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung sind unter diesen viele gewaltbereite Rechte, viele skandieren „Wir sind das Volk“. Auf Videos im Netz ist zu sehen, wie einzelne Gruppen sich heftige Kämpfe mit Polizisten liefern – und wie manche südländisch aussehende Menschen attackieren.

Auf „Spiegel online“ berichtet der freie Journalist Johannes Grunert am Montag, der „harte Kern des Aufstands“ sei „auf jeden losgestürmt, der nicht deutsch aussah“. Eine Gruppe von ausländisch aussehenden Menschen sei in der Nähe der Chemnitzer Zentralhaltestelle „mit Flaschen attackiert“ worden, habe aber flüchten können. Von regelrechten „Jagdszenen“ auf Migranten ist danach bei manchen die Rede – und nicht nur die Chemnitzer Stadtverwaltung ist schockiert angesichts solcher Szenen in ihrer Stadt. Am Sonntagnachmittag brechen die Organisatoren das Stadtfest vorzeitig ab, fünf Stunden vor seinem eigentlichen Ende.

Im MDR zeigte sich Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) danach fassungslos. „Dass es möglich ist, dass sich Leute verabreden, ansammeln und damit ein Stadtfest zum Abbruch bringen, durch die Stadt rennen und Menschen bedrohen – das ist schlimm“, sagte sie und: „Denen, die sich hier angesammelt haben, (...) geht es darum, genau das Stadtfest zu stören, die Situation zu chaotisieren, damit die Menschen noch mehr Angst kriegen und genau das dürfen wir uns nicht gefallen lassen.“

Die Bundesregierung verurteilte nach den Vorfällen „Hetzjagden“ auf Ausländer scharf. “Solche Zusammenrottungen, Hetzjagden auf Menschen anderen Aussehens, anderer Herkunft, oder der Versuch, Hass auf den Straßen zu verbreiten, das nehmen wir nicht hin“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Die Bundesregierung verurteile dies „auf das Schärfste“.

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