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Nach tödlichem Sturz von Kadettin : Offenbar Meuterei auf der Gorch Fock

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Nach dem Tod einer Offiziersanwärterin auf dem Segelschulschiff Gorch Fock im November soll es eine Meuterei gegeben haben. Einige Offiziersanwärter wollten nicht mehr in die Takelage des Schiffes klettern, andere das Schiff verlassen.

          Auf dem Segelschulschiff Gorch Fock ist es nach dem tödlichen Sturz einer Offiziersanwärterin aus der Takelage vor gut zwei Monaten offenbar zu einer Meuterei gekommen. Ein Sprecher des Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus (FDP) bestätigte entsprechende Medienberichte, die aus einem Brief von Königshaus an Verteidigungsausschuss und Bundesverteidigungsministerium zitiert. Demnach „wollten unmittelbar nach dem schmerzhaften Verlust der Kameradin viele nicht mehr aufentern“ - also in die Takelage klettern -, „andere wollten nicht mit der 'Gorch Fock' weiterfahren“.

          Dem Brief zufolge entbrannte eine Diskussion mit den Vorgesetzten, inwieweit der Unfalltod auf dem Ausbildungsschiff mit dem Tod eines im Einsatz gefallenen Soldaten vergleichbar sei. Den aufbegehrenden Offiziersanwärtern sei daraufhin „mangelnde Zusammenarbeit mit der Schiffsführung“ unterstellt worden, sie sollten „wegen Meuterei zurück nach Deutschland geflogen werden“.

          In dem Brief des Wehrbeauftragten ist demnach auch von massivem Druck der Ausbilder hinsichtlich des Aufenterns die Rede. Den Kadetten sei gedroht worden, andernfalls nicht mehr Offizier werden zu können. Es seien Sätze gefallen wie „wenn Sie nicht hochgehen, fliegen Sie morgen nach Hause“ oder „geben Sie Gas, stellen Sie sich nicht so an“, zitieren Medien weiter aus dem Schreiben. In einem Fall sei ein Offiziersanwärter mit ausgeprägter Höhenangst dazu gebracht worden, auf den höchsten Mast aufzuentern, obwohl er dies nicht wollte.

          Marinesoldaten in den Rahen des Segelschulschiffes Gorch Fock

          Überprüft wird auch Fall sexueller Belästigung

          Das Büro des Wehrbeauftragten habe nach dem tödlichen Unfall an Bord des Schiffes zum einen von Amts wegen Nachforschungen angestellt und habe zum anderen Eingaben von Mitgliedern der betroffenen Crew erhalten, sagte der Sprecher am Mittwoch in Berlin. Königshaus bittet den Inspekteur der Marine auch in einem Fall sexueller Belästigung an Bord der „Gorch Fock“ um Überprüfung.

          Am 7. November vergangenen Jahres war eine 25 Jahre alte Offiziersanwärterin während eines Aufenthalts in dem brasilianischen Hafen Salvador de Bahia bei einer Übung aus der Takelage gestürzt und auf das hölzerne Deck geprallt (Siehe auch: Marinesoldatin tödlich verunglückt). Sie starb wenig später in einem Krankenhaus. Die Ausbildung auf der „Gorch Fock“ war danach vorübergehend ausgesetzt worden. 2008 war eine 18 Jahre alte Offiziersanwärterin in der Nähe von Helgoland von der Gorch Fock aus in die Nordsee gestürzt und ertrunken (Siehe auch: Segelschiff Gorch Fock: Leichnam der vermissten Soldatin geborgen)

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