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Nach sechs Jahren : Die Gorch Fock kehrt zurück

Die Gorch Fock Mitte September bei Wilhelmshaven Bild: dpa

Pfusch, Preistreiberei und möglicherweise auch Betrug und Korruption: All das hat die Öffentlichkeit erregt. Nach sechs Jahren ist das Marine-Schulschiff endlich saniert.

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          Die Marine bekommt nach sechs Jahren Reparaturzeit das Segelschulschiff Gorch Fock zurück. Nach mehreren Probefahrten in der Nordsee wurde das Schiff am Donnerstag von der Bremer Lürssen-Werft wieder an die Bundeswehr übergeben. Das Schiff soll nun selbständig in seinen Heimathafen Kiel fahren, wo die Gorch Fock am Montag eine Begrüßungsfeier erwartet. Erste Probefahrten vor einigen Wochen hatten noch Mängel ergeben, das Schiff musste für letzte Reparaturen abgeschleppt werden. Nun soll das Ausbildungsschiff für Kadetten der Marine aber wieder seetauglich sein.

          Peter Carstens
          Politischer Korrespondent in Berlin

          Die Bark war im Herbst 2015 zu einer Routineinspektion auf die Elsflether Werft gegangen und dann in einen Sturm von Pfusch, Preistreiberei und möglicherweise auch Betrug und Korruption gelangt, was die Justiz noch immer in zahlreichen Verfahren zu ergründen versucht. Auch ohne das möglicherweise kriminelle Beiwerk bei der längst bankrotten und aufgelösten Werft war der Sanierungsfall zu einem Beispiel von Missmanagement, Verantwortungslosigkeit im Ministerium und gezielter Desinformation der damaligen Ministerin Ursula von der Leyen (CDU) durch die Generalität geworden. Die Kosten für die Instandsetzung waren in Schritten von zunächst geplanten zehn Millionen Euro auf zuletzt 135 Millionen Euro gestiegen, eine Summe, von der man gleich mehrere Neubauten hätte finanzieren können, wie man aus vergleichbaren Schiffsbauprojekten wusste.

          Wissen war nie wertvoller

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          Mit Blick auf die lange Tradition und Beliebtheit des 1958 gebauten Segelschulschiffs setzten unter anderem geneigte Abgeordnete durch, die Finanzierung gegen alle Bedenken unter anderem des Bundes der Steuerzahler aufzubringen. Obgleich andere Marinen, etwa die britische, seit Langem keine Segelschulschiffe mehr betreiben, sind deutsche Marine und deutsches Parlament der Auffassung, die Gorch Fock sei zum Erlernen des seemännischen Handwerks, aber auch als Erlebnisraum für die angehenden Offiziere ein wichtiges und sinnvolles Instrument. Später, wenn sie dann als Offiziere auf hochtechnisierten Fregatten oder Korvetten ihren Dienst verrichteten, seien die maritimen Erfahrungen auf dem alten Segler wertvoll.

          Die Bremer Lürssen-Werft, die mit dem Vorhaben zunächst nichts zu tun hatte, nahm es dann auf sich, nach der Insolvenz der Elsflether Werft die Sanierung zu vollenden, die nach Angaben der Beteiligten am Ende einem Neubau des Schiffs nahekam.

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