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Nach Parteitag : Führende AfD-Politiker widersprechen Lucke

  • Aktualisiert am

Bisweilen unterschiedliche Blickwinkel: Bernd Lucke und Frauke Petry auf dem Parteitag in Bremen Bild: Daniel Pilar

Der Parteitag in Bremen hat Nachwehen: Die AfD-Protagonisten Frauke Petry und Alexander Gauland widersprechen vehement der Einschätzung Bernd Luckes, der bisherige Parteivorstand habe „stümperhaft“ gearbeitet.

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          Der Parteitag der AfD hat den öffentlichen Streit ihres Spitzenpersonals nicht beendet. Parteisprecherin Frauke Petry und Brandenburgs AfD-Vorsitzender Alexander Gauland widersprachen am Montag Luckes Einschätzung, der bisherige Parteivorstand habe „stümperhaft“ gearbeitet. Lucke habe mit dieser Feststellung auf dem Bremer Parteitag viele Mitglieder und Vorstandsmitglieder „vor den Kopf gestoßen“, kritisierte Petry im ZDF-“Morgenmagazin“. Gauland bezeichnete Luckes Aussage schlichtweg als „Schwachsinn“.

          Der bisherige Vorstand habe „sehr gut zusammengearbeitet“, sagte Petry. „Von stümperhaft kann überhaupt keine Rede sein.“ Gauland sagte der „Rhein-Neckar-Zeitung“, Luckes Äußerungen seien „völlig falsch“ sowie „unsinnig und unkollegial“.

          Lucke selbst versuchte in dem Blatt, seiner Kritik die Schärfe zu nehmen. Sie sei „vielleicht etwas missverständlich“ gewesen, sagte er. „Ich habe nicht die Vorstandsmitglieder, sondern die Bedingungen, unter denen wir gearbeitet haben, als stümperhaft bezeichnet.“

          Henkel gibt Lucke recht

          Unterstützung erhielt Lucke von stellvertretenden Parteivorsitzenden Hans-Olaf Henkel. Mit dem Befund der Stümperhaftigkeit habe Lucke „völlig recht“ gehabt, sagte Henkel im Deutschlandfunk. Flügelkämpfe, Unklarheit und ein ständiges Hin und Her hätten die Arbeit der Parteispitze erschwert. Als künftiger alleiniger Parteichef werde Lucke der Partei „die nötige Stabilität“ verleihen und „den Schlingerkurs beenden“.

          Am Wochenende hatte der Parteitag in Bremen einer vor allem von Lucke betriebenen Satzungsänderung zugestimmt. Demnach soll es von April an statt der drei Parteivorsitzenden nur noch zwei geben. Ab Dezember dann soll ein alleiniger Parteichef an der Spitze stehen - aller Voraussicht nach Lucke.

          Die inhaltliche Differenzen spielten auf dem Parteitag kaum eine Rolle. In der AfD gibt es einen wirtschaftsliberalen Flügen, den etwa Lucke und Henkel vertreten, sowie einen Flügel national gesinnter Konservativer, zu dem Petry und Gauland gerechnet werden. Bis zu der für November geplanten Verabschiedung eines Parteiprogramms werden harte inhaltliche Debatten erwartet.

          Lucke hatte in Bremen jeder Form von Fremdenfeindlichkeit eine Absage erteilt und gesagt, die AfD suche ihre Wähler „nicht an den Rändern“. Petry sagte dazu am Montag im ZDF, die AfD müsse sich „von den extremen Rändern“ abgrenzen. Anders als Lucke hatte sie Kontakt zur islamkritischen Pegida in Dresden aufgenommen. Die AfD müsse dabei die Balance wahren zwischen „Islamkritik und Islamfeindlichkeit“, sagte Petry.

          Henkel trat für eine klarere Abgrenzung nach rechts ein. „Auch der leiseste Hauch von Ausländerfeindlichkeit darf in der AfD nicht Fuß fassen“, sagte er im Deutschlandfunk. Er gebe zu, dass es „solche Typen“ derzeit in der AfD gebe. „Das sind genau die Leute, von denen wir uns trennen wollen.“

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