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Nach Meisners Abschied : Kölner Domkapitel befragt Katholiken

Der Hirte geht: Kardinal Meisner im Januar 2014 in Köln Bild: dpa

In Köln endet eine Ära. Nach 25 Jahren an der Spitze des größten deutschen Erzbistums hat Joachim Kardinal Meisner auf sein Amt verzichtet.

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          Nach dem Amtsverzicht des Kölner Kardinals Joachim Meisner hat das aus 16 Geistlichen bestehende Domkapitel 270 Persönlichkeiten des kirchlichen und öffentlichen Lebens im Erzbistum Köln um eine Stellungnahme zur bevorstehenden Wahl eines neuen Erzbischofs gebeten. Wie das Presseamt des Erzbistums am Freitag nachmittag bekanntgab, sollen die Befragten „kurz und präzise“ fünf Herausforderungen benennen, die auf den neuen Erzbischof von Köln zukämen. Darüber hinaus sollten sie mitteilen, was sie dem Domkapitel für die Wahl des Erzbischofs mit auf Weg geben wollten. Ein ähnliches Verfahren hatte das Domkapitel schon vor der Wahl Meisners vor mehr als 25 Jahren gewählt. Öffentlich gemacht wurden damals weder die Umfrage selbst noch deren Ergebnisse.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Am Freitag mittag war im Erzbistum Köln eine Ära zu Ende gegangen. Um 12 Uhr war in Rom und in Köln mitgeteilt worden, dass Papst Franziskus den Amtsverzicht des Kölner Kardinals Joachim Meisner angenommen habe. Anschließend ließ sich der 80 Jahre alte Kardinal mit den Worten zitierten: „Ich bin unserem Heiligen Vater Papst Franziskus dankbar, dass er mir angesichts meines Alters die Last der Verantwortung für das Erzbistum Köln abgenommen hat. Seit nun fast vier Jahrzehnten bin ich Bischof, davon 25 Jahre in Köln. In meinem ganzen Leben als Priester und Bischof ist es mir stets darum gegangen, in der Treue zum Evangelium und zur Kirche Christus berührbar zu machen. Ich danke Gott, der mich in diesem apostolischen Dienst gestärkt hat, und ich danke herzlich allen, die mich auf diesem Weg auf vielfache Weise begleitet haben, nicht zuletzt im Gebet. So Gott will und es meine Kräfte zulassen, will ich zukünftig gern seelsorglich dort für die Menschen da sein, wo ich gebraucht werde, allerdings befreit von der Verantwortung für das Erzbistum.“

          Nicht Stärkung, sondern vielleicht auch Ärgernis

          Der scheidende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der vormalige Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, ließ am  Freitag verlauten, Meisner sei ein „Mann der klaren Worte, der die Botschaft des Evangeliums und die Lehre der Kirche offensiv verkündet“ habe. „In ihm hatten wir einen unerschrockenen Glaubenszeugen zur Seite, dem wir zahlreiche Impulse verdanken. Er regte ebenso gesellschaftliche Debatten an wie er Stellung bezog zum kirchlichen Leben in der modernen Gesellschaft. Nicht zuletzt haben seine Predigten auf unseren Vollversammlungen einen unerschütterlichen Glauben und tiefes Gottvertrauen bezeugt.“ Nur lobende Worte fand auch der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück: „In Ihrem langjährigen Dienst als Erzbischof in Berlin und Köln haben Sie den Menschen in Ihren Bistümern und weit darüber hinaus immer wieder auf der Grundlage Ihres starken Glaubens Orientierung und in Entsprechung zu Ihrem Wahlspruch ’feste Hoffnung’ geben können“, sagte der ZdK-Präsident.

          Meisner selbst wandte sich am Freitag noch einmal an alle Gläubigen im Erzbistum Köln. In einem sogenannten Hirtenbrief aus Anlass der am  kommenden Aschermittwoch beginnenden Fastenzeit blickte der Kardinal auf seine Jahre in Köln mit den Worten zurück, er habe „immer und überall die Freude an Gott bezeugen und vermitteln“ wollen. Den Gläubigen versicherte er: „Ich danke Ihnen nochmals herzlich für alle Stärkung, die ich dabei gefunden habe, und bitte alle sehr um Vergebung, wenn Ihnen mein Dienst nicht Stärkung, sondern vielleicht auch Ärgernis war. Der Herr möge alles ergänzen, was bruchstückhaft in meinem Dienst geblieben ist.“

          Meisner, ein gebürtiger Schlesier, war 1988 auf Wunsch von Papst Johannes Paul II. zum Erzbischof von Köln gewählt worden. Dem Kardinalskollegium hatte Meisner schon seit 1983 angehört. Damals war er seit drei Jahren Bischof des geteilten Bistums Berlin. Der Erzbischof von Köln, Metropolit der rheinischen Kirchenprovinz und Vertraute der Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. war einer der einflussreichsten Geistlichen seiner Generation. Als Höhepunkt seines Wirkens in Köln gilt die Ausrichtung des XX. Weltjugendtages der katholischen Kirche im August 2005. Zu Katholikentagen hatte Meisner nur für das Jahr 1990 nach Berlin eingeladen.

          Wie es das Kirchenrecht vorsieht, hatte der Kölner Erzbischof den Amtsverzicht erstmals mit Vollendung des 75. Lebensjahres am 25. Dezember 2008 angeboten. Da Kardinäle  erst mit Vollendung des 80. Lebensjahres das aktive Papstwahlrecht verlieren, ist es üblich geworden, dass der Amtsverzicht erst zu diesem Zeitpunkt angenommen wird  - so hielt es jedenfalls Papst Benedikt XVI. Mit Rücksicht auf den fünfundzwanzigsten Jahrestag der Amtseinführung als Erzbischof von Köln am 12. Februar 1989 wurde der Rücktritt Meisners nicht schon an Weihnachten 2013, sondern erst jetzt angenommen.

          In Köln hat die Sedisvakanz begonnen

          Mit der Annahme des Amtsverzichts hat in Köln die Zeit der sogenannten Sedisvakanz begonnen. Da der Papst nicht einen Apostolischen Administrator ernannte, ging die Leitung der Diözese auf den sogenannten Diözesanadministrator über: Das Domkapitel wählte am Freitag nachmittag Meisners letzten Generalvikar Stefan Heße in dieses Amt. Der 47 Jahre alte Kölner wird das Erzbistum so lange leiten, bis ein neuer Bischof durch das Domkapitel gewählt, durch den Papst bestätigt und in sein Amt eingeführt ist.

          Geleitet wird das Domkapitel nicht von einem Bischof oder dem Administrator, sondern dem sogenannten Dompropst. Dieses Wahlamt hat seit zehn Jahren der vormalige Kölner Generalvikar Norbert Feldhoff inne. Der 74 Jahre alte Priester ist eines von zwei Mitgliedern des Domkapitels, die schon an der letzten Bischofswahl vor mehr als 25 Jahren teilgenommen haben.

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