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Reaktion auf Vorsitzendenwahl : Wie Friedrich Merz seinen Trumpf verspielte

Irritierte mit seiner Forderung an Laschet, ihm einen Ministerposten zu verschaffen, auch seine eigenen Unterstützer: Friedrich Merz (links) und Armin Laschet am Samstag beim CDU-Parteitag in Berlin Bild: dpa

Der Wunsch, Minister zu werden, kostet Friedrich Merz Unterstützung im eigenen Lager. Führende CSU-Leute üben sich bei Kommentaren zum neuen CDU-Vorsitzenden derweil in Zurückhaltung – um sich die Gunst des eigenen Chefs zu sichern.

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          Es könnte sein, dass Friedrich Merz sein Blatt dieses Mal überreizt hat. Am Samstag auf dem digitalen CDU-Parteitag war es noch sehr gut. Merz unterlag nur knapp dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet bei der Wahl eines neuen Vorsitzenden. Nicht einmal dreißig der 1001 Delegierten hätten sich in der Stichwahl gegen Laschet und für Merz entscheiden müssen, und Merz wäre es geworden.

          Timo Frasch
          Politischer Korrespondent in München.
          Eckart Lohse
          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Das hätte die Ausgangsposition für eine sehr starke Rolle in der CDU und, falls es so kommt, in der Regierung eines Kanzlers Laschet sein können. Merz verweigerte sich aber einem Engagement im Parteipräsidium, stellte an Laschet die nicht einlösbare Forderung, ihm den Platz des Wirtschaftsministers im letzten Kabinett von Kanzlerin Angela Merkel zu verschaffen, und blitzte erwartungsgemäß ab.

          Unverständnis für Merz' Manöver

          Wer sich anschließend mit treuen Merz-Unterstützern unterhielt, stieß auf Unverständnis für dieses kühne Manöver. Nicht jeder wollte das öffentlich kundtun. Hinter vorgehaltener Hand war zu hören, Merz habe sich selbst geschadet, darauf ließen viele Reaktionen in seinem Lager schließen. Sollte er gehofft haben, er könne bei seinen Fans mit dem Vorwurf punkten, man wolle ihn nicht in der Regierung dabeihaben, so sei das eine Fehleinschätzung, war zu vernehmen.

          Einer, vielleicht der wichtigste politische Unterstützer von Merz, äußerte sich öffentlich. Nachdem der Schrecken etwas gesackt war, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag und Vorsitzende der Mittelstandsunion, Carsten Linnemann, am Montag, der Vorstoß von Friedrich Merz habe ihn „mehr als irritiert“.

          Dem Internetportal des Fernsehsenders n-tv sagte Linnemann, der Merz schon bei dessen Anlauf Richtung Vorsitz im Dezember 2018 unterstützt hatte: „Wir befinden uns mitten in der schwersten Krise, die diese Bundesrepublik je erlebt hat. Ganze Wirtschaftsbereiche stehen am Abgrund, warten auf Hilfen. Darauf müssen wir uns jetzt konzentrieren.“

          Linnemann hatte die knappe Niederlage von Merz gleich am Samstag „enttäuschend“ genannt. „Das wird jedem Merz-Unterstützer so ergangen sein“, fügte er am Montag hinzu. Gefreut hätte er sich über eine Kandidatur von Merz für einen Platz im Parteipräsidium. „Wenn Friedrich Merz ins Präsidium gewollt hätte, hätte man eine Lösung gefunden.“ Die Wahl sei jetzt entschieden, er werde den neuen CDU-Vorsitzenden Armin Laschet unterstützen, kündigte der Vorsitzende der Mittelstandsunion an. Auch Merz rief am Montagabend dazu auf: „Ich bitte alle Delegierten, an der schriftlichen Schlussabstimmung teilzunehmen und unseren neuen Vorsitzenden Armin Laschet mit einem starken Votum auszustatten. Und dann gehen wir gemeinsam an die Arbeit“, heißt es in einem Brief an die CDU-Mitglieder.

          In der CDU herrschte am Montag vor allem anderen spürbare Erleichterung, dass der Parteitag ohne nennenswerte Probleme über die digitale Bühne gegangen war. Am Freitag wird das Ergebnis der schriftlichen Wahl, die aus rechtlichen Gründen erforderlich ist, verkündet. Die Erwartung besteht, dass mancher der bisherigen Merz-Wähler seine Stimme dem in der Briefwahl einzigen Kandidaten, Laschet, gibt.

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