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Vergewaltigung in Freiburg : Wieder ein schreckliches Verbrechen

Im 17. Stock des Freiburger Hauptbahnhofs hat vor ein paar Tagen der „Neko-Club“ eröffnet. Sushi, Tanzen, Bar, Cocktails. Wer durch die großen Panorama-Scheiben blickt, hat einen guten Überblick über das nächtliche Freiburg. Dietmar Broscheit, 47 Jahre alt, ist einer der erfahrensten Clubbetreiber der Stadt. „In unseren Clubs hat sich seit der Flüchtlingskrise eigentlich nichts verändert. Vielleicht in den Clubs, die größer sind, in denen mehr Teenies sind. Für die Sicherheit haben wir Videokameras und Türsteher. Was sich verändert hat, das ist das Ausgehverhalten der Frauen“, sagt er.

Nach dem Mord an der Medizinstudentin vor zwei Jahren seien viele Frauen zu Hause geblieben. „Heute wird mehr darauf geachtet, wie man nach Hause kommt. Viele Frauen fahren nicht mehr allein Fahrrad, häufig wollen sie auch wissen, wie gut die Parkplätze beleuchtet sind.“ Aus dem Neko-Club blickt man auch auf den Park am Colombi-Schlösschen und den Stühlinger Kirchplatz. An beiden Plätzen gibt es trotz jahrelanger Bemühungen immer noch einen schwunghaften Drogenhandel, häufig organisiert von gambischen Flüchtlingen. „Über den Stühlinger würde ich nachts nicht mit dem Fahrrad fahren. Nur, wenn es unbedingt sein muss“, sagt Broscheit. Das sei einfach anders als vor zwanzig Jahren, als er seine ersten Clubs eröffnet habe.

Was muss sich ändern?

Die politische Diskussion über die Folgen der Gruppenvergewaltigung in Freiburg ist im vollen Gange. In der nächsten Woche wollen das Innenministerium und die Stadt neue Maßnahmen vorstellen, diskutiert wird über Sicherheitskonferenzen in den Stadtteilen und zusätzliches Personal. Außerdem fragen sich die Politiker, was sich im Umgang mit Intensivtätern wie Majd. H. ändern muss, bevor es zur Katastrophe kommt. „Wir haben ein Problem mit mehrfach straffällig gewordenen Intensivtätern, daher müssen Polizei und Justiz strukturell gestärkt werden, damit Sanktionen schneller wirken“, sagt Horn.

Siegfried Lorek, der polizeipolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, pflichtet Horn bei: „Die Durchsetzungsmöglichkeiten bei Ausreisepflichtigen, insbesondere bei straffälligen Asylbewerbern, müssen wir verbessern. Auffällige Personen begehen mitunter mehrere kleine Straftaten. Deshalb müssen wir die Schwelle für die Ausweisung von straffälligen Asylbewerbern absenken und eine Möglichkeit schaffen, die Wiederholungstäter mit einschließt.“ Für diese Personen müsse es Aufenthaltsauflagen geben, Verstöße dagegen sollten einen Haftgrund darstellen.

Die linksliberale Freiburger Stadtgesellschaft gerät auch durch das jüngste Verbrechen nicht aus dem Gleichgewicht. 150 bis 200 Demonstranten der AfD standen am  Montagabend mindestens 2000 Bürger gegenüber, die für ein weltoffenes Freiburg demonstrierten. Horn ist dennoch besorgt über das Ausmaß der Radikalisierung. „Wenn ein AfD-Landtagsabgeordneter auf dem Freiburger Rathausplatz in Richtung Gegendemonstranten ins Mikro brüllt: ‚Ihr habt diese Frau mit vergewaltigt‘, dann empfinde ich das als widerlich und als eine klare Grenzüberschreitung. Da heißt es, die Flüchtlingspolitik sei ein Holocaust am deutschen Volk. Mir droht man mit der Zerstörung meiner Familie, Mord und Vergewaltigung“, sagt der Oberbürgermeister, der gerade 124 Tage im Amt ist. Trotz der Drohungen werde er weiter mit der Straßenbahn zur Arbeit fahren. „Viele Bürger klopfen mir zum Glück auch auf die Schulter.“

In einer früheren Fassung war von einem „Velvet Night Club“ die Rede. Tatsächlich handelt es sich um den „Hans-Bunte-Club“, der sich unmittelbar nebenan befindet.

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