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Vergewaltigung in Freiburg : Wieder ein schreckliches Verbrechen

In jedem Fall ist kommunalpolitisch und sicherheitspolitisch einiges aufzuarbeiten. „Wir haben“, sagt Oberbürgermeister Horn, „stark an der Sicherheit in Freiburg gearbeitet, Plätze besser beleuchtet, einen kommunalen Vollzugsdienst eingeführt und die Videoüberwachung beschlossen. Das schreckliche Verbrechen ist natürlich ein Rückschlag für das Sicherheitsgefühl in unserer Stadt.“ Allerdings war schon Mitte des Jahres bei einer Zwischenbilanz zur Ende 2016 beschlossenen „Sicherheitspartnerschaft“ zwischen Land und Stadt deutlich geworden, dass es um die öffentliche Sicherheit in Freiburg immer noch nicht gut bestellt ist.

Bei Sexualdelikten gibt es weiterhin einen leichten Anstieg der Fälle. 2017 gab es in der Stadt 11712 Straftaten pro 100000 Einwohner, mehr als in Stuttgart, Mannheim oder Karlsruhe. Mit der Sicherheitspartnerschaft waren rund zwanzig Maßnahmen vereinbart worden: Die Polizei bekam 25 Beamte zusätzlich, und die Stadt richtete nach jahrelangen, schwerfälligen Diskussionen einen „Kommunalen Vollzugsdienst“ mit elf Mitarbeitern ein, die gegen Wildpinkler, öffentliche Verwahrlosung und Randalierer vorgehen sollen. An zehn Standorten sollten Videokameras installiert werden, auch ein Frauennachttaxi gibt es wieder. Das Nachttaxi wird allerdings kaum genutzt, die Kameras sind noch nicht in Betrieb. 2017 gingen die Gewaltstraftaten dennoch nur um 5,4 Prozent zurück, erreichen wollte man eigentlich einen Rückgang von zehn Prozent.

Warum Freiburg ein Kriminalitätsschwerpunkt ist, haben Kriminologen schon vor Jahren wissenschaftlich untersucht. Als Gründe genannt wurden die touristische Attraktivität, die Grenzlage, die hohe Zahl von Pendlern, das geringe Durchschnittsalter, also die feier- und manchmal auch rauflustige Studentenschaft. Richtig überzeugen können alle diese Erklärungen bis heute nicht.

Was großsprecherisch „Hans-Bunte-Areal“ heißt, ist genau betrachtet ein ziemlich hässliches Stückchen Freiburg – ohne Bächle und Butzenscheiben. An einer Straßengabelung liegt der „Hans-Bunte-Club, wo die Lörracher Studentin bis Mitternacht feierte und von Majd H. Ecstasy kaufte. Dieser betäubte sie dann laut Ermittlungsstand der Polizei mit K.-o.-Tropfen und schleppte sie in ein Gebüsch, wenige Meter vom Eingang des Clubs. „Less drama, more techno“ steht auf einem Aufkleber.

Probleme mit jungen Flüchtlingen schon vor der Krise

Der Club ist eine der letzten Großraumdiskos in Südbaden, es gab häufige Betreiberwechsel, öfter auch gewaltsame Auseinandersetzungen. Solche Diskotheken sind eher für Schüler und Jugendliche gedacht, die aus Dörfern kommen, in denen es keine Kneipen und Diskos mehr gibt. Der „Hans-Bunte-Club grenzt direkt an einen Baumarkt, gut möglich, dass die Täter ihn bewusst auswählten, weil sie wussten, dass die Unübersichtlichkeit des Geländes Schutz bieten würde.

Freiburg nahm schon vor der Flüchtlingskrise deutlich mehr unbegleitete minderjährige Flüchtlinge auf als andere Städte, weil der Bahnhof der erste ICE-Halt nach der deutsch-schweizerischen Grenze ist. Deshalb hatte die Stadt schon früher Probleme mit jungen Männern aus den Maghreb-Staaten und arabischen Ländern, deren Frauenbild teilweise nicht zu Mitteleuropa passt. Schon Anfang 2016 hatten sich sogar linksautonome Betreiber des Clubs „White Rabbit“ über das aufdringliche Verhalten von Flüchtlingen beschwert und nur noch Clubmitglieder hereingelassen. Das „White Rabbit“ gibt es nicht mehr. Andere Clubbetreiber schlugen damals sogar ein Zutrittsverbot für Flüchtlinge vor, manche verteilten Zettel mit Verhaltensregeln in arabischer Sprache.

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