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Versorgung in Ostdeutschland : Wie ein Mann um seine DDR-Rente kämpft

  • -Aktualisiert am

Auch die Mitglieder des DDR-Fernsehballetts, die hier bei einem Auftritt 1985 in Berlin zu sehen sind, konnten in eine ostdeutsche Zusatzkasse einzahlen. Doch viele ehemalige Balletttänzer bekommen nichts dafür. Bild: imago stock&people

Viele Berufstätige in der DDR zahlten hohe Beiträge, um eine Zusatzrente zu bekommen. Doch nach der Wende wurden nicht alle Ansprüche übertragen. Nun begehrt ein Rentner auf.

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          Vermutlich wäre alles ganz anders gekommen, wäre Rolf-Dieter Wilhelm vor ein paar Jahren nicht aus seiner Heimat im Vogtland nach Markkleeberg bei Leipzig umgezogen. Kann sein, dass er heute ruhiger leben würde, aber er nimmt die Dinge eher sportlich. „Ich habe es angefangen, also werde ich es auch zu Ende bringen“, sagt er. Das, was Wilhelm angefangen hat, brachte ihn bis zum Bundesverfassungsgericht nach Karlsruhe und kürzlich auch in den Bundestag nach Berlin. Beim Packen seiner Umzugskisten war Wilhelm eine cremefarbene Broschüre mit schwarz-rot-goldener Banderole in die Hände gefallen. „Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik über die Herstellung der Einheit Deutschlands – Einigungsvertrag“, steht darauf, und sie liegt auch jetzt vor ihm auf dem Glastisch. „Hier steht alles drin!“, ruft er, während seine Frau Kaffee und Wasser bringt. Mit dem Papierkram will sie nichts zu tun haben.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Wilhelm ist 77 Jahre alt und von Haus aus Versicherungsmakler. Er war mal in der Computerbranche, dann wechselte er zur Staatlichen Versicherung der DDR und machte nach dem Mauerfall eine eigene Agentur auf. Er hat es zu was gebracht und fühlt sich als Gewinner der Einheit. Mit dem Umzug zu den Kindern nach Markkleeberg ging Wilhelm in Rente, aber Kleingedrucktes fasziniert ihn nach wie vor. Also las er sich in den vergilbten Seiten des wiedergefundenen Einigungsvertrages fest, und es dauerte nicht lange, bis er stutzig wurde. In Artikel neun erfuhr er, dass nach der Wiedervereinigung DDR-Recht weiter gilt, sofern es nicht ersetzt oder im Einigungsvertrag anderes bestimmt wurde. Insbesondere galt das für – und diese Kombination kennt er auswendig – den in Anlage II, Kapitel VIII, Sachgebiet H erwähnten Abschnitt III, der sich mit Zusatzrenten vieler DDR-Berufe beschäftigt, von Eisenbahnern über Postler bis zu Balletttänzern.

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