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Nach den Wahlen im Osten : Wessiland

Bärchenbande Bild: F.A.S.

Ich dachte immer, die Ostdeutschen sind Exoten. Es war ein Irrtum. Wirklich exotisch sind die Wessis.

          8 Min.

          Nach den Wahlen musste ich an Chemnitz denken. Ich war vor einem Jahr dort, um mir Neonazis anzusehen, und mir war das T-Shirt eines Demonstranten aufgefallen: OSTDEUTSCHLAND stand da, und dazu die Worte: „Vergiss niemals, woher du kommst.“ Der Mann gehörte zu einer Kundgebung, auf der Rechtsradikale und AfD-Führer Fahnen schwenkten. Manche hatten sich die Runenzeichen von SS-Divisionen an den Hals tätowiert. Ich fand das damals fremd und exotisch.

          Konrad Schuller

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Heute denke ich anders. Die neue Rechte ist im Aufschwung, fast überall in Europa, und ich musste einsehen, dass nicht die Fahnenmänner von Chemnitz die Exoten sind, sondern ich. Ich bin einer von einer fernen Insel. Einer Insel, wo man auf Wahlzetteln andere Kreuze macht. Die Insel heißt Westdeutschland, und von allen Seiten rollt die Dünung an. Von allen Seiten Leute mit Fahnen. Le Pen im Westen, Höcke im Osten, noch weiter im Osten dann Kaczyński und Orbán. Im Süden Salvini, im Norden Johnson und an den Horizonten Trump, Putin, Erdogan. Nationalisten sind der globale Normalfall, und deshalb ist nichts exotisch an den 27 Prozent der AfD in Sachsen.

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