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Fridays-for-Future-Kundgebung : Klimaschutz mit Abstand

  • -Aktualisiert am

Fridays-for-Future-Demonstration in Berlin Bild: EPA

Nach einer sechsmonatigen Corona-Pause gab es in Berlin erstmals wieder eine Fridays-for-Future-Kundgebung. Auch der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck kam dazu. Er bekräftigte das Angebot, Listenplätze zur Verfügung zu stellen.

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          An diesem Freitag haben die Klimaaktivisten von Fridays for Future es eigentlich doppelt schwer: Nicht nur mussten sie befürchten, dass die Angst vor dem Coronavirus Einige vom Demonstrieren abhalten würde, es regnete am Freitagmorgen auch noch in Strömen. Die Mehlflecken, welche die Veranstalter im Abstand von 1,5 Metern auf den Platz des 18. März vor dem Brandenburger Tor gestreut hatten, um den Demonstrierenden in Berlin ihre Sitzplätze für die geplante Mahnwache zuzuweisen, sind um 11 Uhr, als die Demonstration beginnt schon ziemlich verschmiert. Kein gutes Klima für Demonstrationen. Die meisten haben sich Sitzmatten oder Planen mitgebracht, auf die sie sich setzen. Während im Hintergrund noch der Soundcheck für die Bands läuft, werden Plakate mit durchsichtigen Plastiktüten überzogen, um sie vor dem Regen zu schützen. Immer mehr Menschen strömen von allen Seiten herbei, die Straße des 17. Juni füllt sich stetig Richtung Siegessäule.

          Das Ganze läuft sehr diszipliniert ab. Dutzende von Ordnern und Ordnerinnen mit weißen Armbinden und Megaphonen leiten die Ankommenden auf die freien Plätze weiter hinten und weisen auf die einzuhaltenden Mindestabstände hin. Man sieht nicht eine Person ohne Maske. Pia Haase, eine der Sprecherinnen für Fridays for Future in Berlin, ist stolz. „Mitten in der Pandemie haben wir es geschafft, das alles hier mit ausführlichen Hygienekonzepten auf die Beine zu stellen.“ Weltweit sollen an mehr als 3.500 Orten Schulstreiks für das Klima stattfinden, allein in Deutschland sind 400 Demonstrationen geplant. In Hamburg hatten sich die Aktivisten gegen Corona-bedingte Einschränkungen durchgesetzt. Statt der angemeldeten 10.000 Demonstranten sollten nur Protestzüge mit 2000 Teilnehmern genehmigt werden. Das Verwaltungsgericht hatte den Beschluss am Freitagmorgen gekippt. Die Versammlungen dürften weitgehend wie geplant stattfinden, sagte ein Gerichtssprecher der Deutschen Presseagentur in Hamburg.

          „Ignorante Maßnahmen“

          Solch „ignorante Maßnahmen“ wie das „Kohleeinstiegsgesetz“ der Bundesregierung zeigten deutlich, dass man wieder Widerstand auf der Straße leisten müsse, sagt Haase. Unter dem Motto „Kein Grad weiter“ fordert Fridays for Future unter anderem einen Kohleausstieg in Deutschland bis zum Jahr 2030 statt bis 2038, wie von der Bundesregierung beschlossen. Damit ließe sich das 1,5-Grad-Ziel aus dem Pariser Klimaabkommen nicht halten. Solange Wirtschaft und Gesellschaft im Lockdown waren, habe die Klimakrise nicht „auf Pause gedrückt“, sagt Haase. „Ich finde, dass man trotz Corona für das Klima demonstrieren sollte“, sagt auch der zwölf Jahre alte Valentin. Er und seine Klassenkameraden sitzen mit dem gebotenen Abstand auf dem Boden vor der Bühne und spielen UNO während sie darauf warten, dass es richtig losgeht.

          Auch Siebtklässlerin Charlotte freut sich, heute wieder auf die Straße gehen zu können. „Das ist einfach was anderes als Protestaktionen im Internet. Wenn die Straßen gesperrt werden, dann merken die Leute das.“ Es ist die erste Klimaschutz-Demonstration seit März. Aufgrund der Corona-Pandemie hatte die Bewegung Fridays for Future ihre Proteste in den vergangenen Monaten überwiegend ins Netz verlegt. Im April verteilten die Schüler 10.000 Protestplakate von Ortsgruppen aus ganz Deutschland auf der Wiese vor dem Reichstagsgebäude in Berlin. Die vergangenen Monate hätten gezeigt, dass die Bewegung krisenfest sei und man trotz allem am Ball bleibe, sagt Haase.

          Ganz krisenfrei ist Fridays for Future allerdings nicht. Zuletzt hatte es Kritik in der Graswurzelbewegung daran gegeben, dass sich einige aus ihren Reihen für die Bundestagswahl aufstellen lassen wollen. Der Weg jedes Einzelnen sei zu respektieren, sagt Haase dazu. Sie sehe nichts Verwerfliches daran, wenn andere Aktivisten ins Parlament wollten. Der weitere Weg für Fridays for Future sei allerdings ganz klar, weiter auf der Straße Druck aufzubauen.

          Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck, der selbst als Demonstrant vom Hauptbahnhof zum Brandenburger Tor radelte, betonte derweil noch einmal die Bereitschaft seiner Partei, den Aktivisten Listenplätze für die Bundestagswahl zur Verfügung zu stellen. Für ihn seien idealistischer Aktivismus auf der einen und Pragmatismus in der Politik auf der anderen Seite kein Widerspruch. Die Aktivisten wüssten, dass der Druck auf der Straße wichtig sei, um die Politik anzutreiben, aber auch, dass man in der Regierungsverantwortung sagen müsse, wie es gehe.

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