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Nach Bombenattentat : Ansbach hört nicht auf zu helfen

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„Man ist vorsichtiger geworden und geht mit wacheren Augen durch die Straße“, sagt der Bürgermeister von Ansbach. Bild: dpa

Vor einem Monat zündete ein Syrer eine Bombe im bayerischen Ansbach. Getötet hat er nur sich selbst, doch sein Ziel waren auch andere. Seitdem ist die Stimmung in der Stadt anders.

          In ein paar Minuten beginnt das Ferienprogramm für Flüchtlingskinder. Montags bis freitags von zehn bis zwölf Uhr üben zwei Ehrenamtliche in den Vereinsräumen des Blauen Kreuzes mit Kindern die Buchstaben oder basteln eine Uhr mit arabischen Ziffern. Danach wird gespielt: Für heute ist „Reise nach Jerusalem“ geplant. Manchmal kommen nur zwei Kinder, manchmal mehr als zehn.

          Arne Bister und Anette Walden schieben zwei Tische zusammen. Sie breiten Stifte und Arbeitsblätter aus. Bister hat heute Brezeln mitgebracht, weil ihm auffiel, dass einige zu Hause kein Frühstück bekommen. Das Programm haben die beiden organisiert, damit die Kinder auch in den Sommerferien weiter Deutsch üben. Die Sprachlehrerin und der IT-Spezialist sind zwei von etwa 80 aktiven Ehrenamtlichen des Netzwerks „Ansbach Hilft“. Einer Gruppe, die sich vor einem Jahr über Facebook formierte und seitdem hilft, wo sie gebraucht wird.

          Wer kommt? Woher kommen die? Was können wir tun?

          Die Entstehungsgeschichte der Gruppe ähnelt vielen der ehrenamtlichen Vereine in Deutschland, die sich im Sommer 2015 gegründet haben. In der Nähe sollte eine Notunterkunft entstehen, die Anwohner fragten sich: Wer kommt denn da zu uns, und was können wir tun, um zu helfen? „Am Anfang hat jeder so sein Ding gemacht“, sagt Bister. Dann wuchs die Gruppe bei Facebook von 25 auf 800 hilfsbereite Ansbacher heran. Etwa 80 von ihnen helfen nun regelmäßig ehrenamtlich bei der Wohnungssuche, bei Behördengängen oder beim Ferienprogramm.

          Doch etwas unterscheidet sie von anderen ehrenamtlichen Initiativen in Deutschland. Ein Monat ist nun vergangen, seit Mohammad D., ein 27 Jahre alter Syrer, in Ansbach eine Bombe zündete. Die Erinnerung an das Attentat ist noch zu präsent, um einfach zur Tagesordnung überzugehen. 15 Personen wurden bei dem Anschlag Ende Juli verletzt, vier davon schwer. Der Attentäter starb durch die Explosion. Unweit des Gemeindehauses, in einer ruhigen Wohnsiedlung, patrouillierten damals Polizisten. Dort steht am Hang das „Hotel Christl“, eine abgewohnte Pension, die zur Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert wurde. Dort war Mohammad D. untergebracht.

          Die Menschen nicht wie rohe Eier behandeln

          Ansbach, das ist eine Stadt in Franken mit rund 40 000 Einwohnern, einer muslimischen Gemeinde und einer Kaserne der amerikanischen Streitkräfte. Es ist eine Stadt, die auf ihrer Homepage schreibt, dass man hier stolz auf seine gelebte Willkommenskultur sei. Das gilt erst recht nach dem Attentat.

          In der Kinderbetreuung wird heute das große E geübt. „In welchen Wörtern gibt es ein E?“, fragt Walden. Die Kinder sind eifrig dabei: Ente, Eis, Esel. Ein syrischer Junge schreibt das E nacheinander in eine Zeile. Er benutzt immer nur drei Farben: Schwarz, Rot, Gold. Sie hatten auch schon versucht, die Eltern miteinzubeziehen. „Doch da kommt nicht viel zurück“, sagt Anette Walden. Sie ist pragmatisch: „Man muss die Menschen nicht wie rohe Eier behandeln“, sagt sie. Wenn sie den Kindern Gesprächsregeln beibringen will, weil diese nicht ruhig sind, spiele es keine Rolle, ob die Kinder eine besonders schwere Flucht hinter sich haben oder traumatisiert sind.

          Im „Hotel Christl“, das zur Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert worden war, lebte der Attentäter.

          Das Ferienprogramm bedeutet: jeden Tag zwei Stunden Abwechslung vom frustrierenden Trott der Flüchtlingsheime. Manches mussten die Betreuer selbst erst lernen. Die grünen Buntstifte sehen aus wie neu, weil die Kinder sie nicht zum Malen benutzen. Als Bister fragte, warum, bekam er zu hören, das sei die Farbe des Propheten, also „reserviert“. Am ersten Ferientag haben sie Schiffe aus Papier gebastelt. Angesichts der Tatsache, dass die meisten der Kinder mit dem Boot kamen, keine gute Idee, sagt Bister. Ein Mädchen hat mit ihrem Papierboot gespielt und es kentern lassen. „Man muss viel Geduld mitbringen, weil manche Schlimmes erlebt haben“, sagt er.

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